Das waren noch Zeiten: Die 60er Jahre!

Die 50er erinnern an Konventionen und eine Werte orientierte Lebensweise. Nach dem Krieg lag Deutschland in Schutt und Asche und es erforderte viel Kraft das Land wieder aufzubauen. Unser erster Kanzler, Konrad Adenauer, hat dieser Zeit eine maßgebliche fest verankerte politische Struktur gegeben. Aber die 60er Jahre waren die Jahre von immensen Veränderungen und einem gesellschaftlichen Umbruch in der Politik, in der Kunst und brachten einen Wertewandel auf allen Ebenen mit sich. Junge Menschen wehrten sich gegen das "Establishment", sie revoltierten gegen die verstaubten Werte und wollten selbstbestimmt ihr Leben in die Hand nehmen. Die Musikindustrie  brachte Karrieren hervor, wie die Beatles, die Stones, Jimi Hendrix, um nur einige zu nennen. Die Technik erlebte einen Aufbruch mit dem Fernseher, der mit der Zeit den Einzug in das deutsche Wohnzimmer schaffte. Das Wirtschaftswachstum machte für viele Deutsche einige Wünsche wahr: das eigene Auto und die jährliche Urlaubsreise in Deutschland, nach Italien oder zum beliebten Reiseziel der Deutschen: Mallorca.

Die 60er Jahre eine Nation im Wandel - Der Fernseher ohne Fernbedienung!

Das TV hieß in den 60er Jahren noch Fernsehen, die jungen Leute hatten noch kein Internet, keine Handys, aber trotzdem gab es viel Spaß mit der tollen Musik der Beatles und anderer legendären Gruppen. Das Fernsehen gab es zwar schon seit 1952, aber es waren wenige Leute, die sich einen Fernseher leisten konnten. In den 60er Jahren war der Einzug der Flimmerkiste in vielen Haushalten. Und das war damals eine tolle Errungenschaft. Alt und Jung saßen abends vor dem Fernseher und schauten interessiert die Tagesschau. Auf den Dächern der Häuser sah man die Antennen und man konnte genau sehen, wer schon einen Fernseher hatte. Es gab nur ein Programm und das war die ARD und einige regionale Programme, abhängig davon, in welchem Bundesland man wohnte. Tagsüber war der Fernseher aus, weil es eh nur ein Testbild in schwarz-weiß gab und abends ab 19:00 Uhr konnten die Programme gesehen werden. Der Diskussionsstoff mit Klassenkameraden ging eigentlich nie aus: Hast Du gestern den Durbridge oder die Hesselbachs gesehen? Die Kleinen warteten gespannt auf das "Sandmännchen" und danach ging es ab in die Koje. Es gab schöne Sendungen, wie die "bezaubernde Jeannie", "Tammy", "Lassie" und die interessante Sendung "ein Platz für Tiere" mit Prof. Grzimek. Mit "Schirm, Charme und Melone", "auf der Flucht" waren die Dauerbrenner-Themen, aber unter der Woche wurden für Kinder vor der Tagesschau die Bettkarten gezwickt.  Die hübschen Fernsehansagerinnen stellten jede Sendung vor, damit die Zuschauer wussten, was sie erwarteten. Das Fernsehprogramm war geprägt von Dokumentarfilmen, Nachrichtensendungen und Musiksendungen. Internationale Spielfilme wurden zu einer späten Zeit ausgestrahlt, wo die Kinder schon lange süß träumten.

Das Sandmännchen sagt "Gute Nacht"

Die 60er und die deutsche Teilung!

Die traurige politische Bilanz spielte sich in Berlin nach dem zweiten Weltkrieg ab. Die Stadt wurde aufgeteilt unter den Siegermächten Amerika, Frankreich, der Sowjetunion und England. Der Flüchtlingsstrom aus der sowjetischen Zone war immens und der Staatsratsvorsitzende der DDR Ulbricht sperrte in 1961 den Checkpoint Charlie, das war der freie Zugang zwischen Ost und West. Der Mauerbau begann und die traurige Bilanz der deutschen Teilung wurde Wirklichkeit in den 60er Jahren und die Tragödien menschlichen Leids, die wir aus der Geschichte kennen. Wie sehr ist noch die prägnante Rede in Erinnerung, die John F. Kennedy 1963 in Berlin hielt mit seinem berühmten Satz: "Ich bin ein Berliner." Die deutsche Teilung hat private Begegnungen verhindert. Meine Verwandten wohnen in Thüringen. Als die Mutter von meiner Tante starb, durfte sie nicht in den Westen reisen, um an der Beerdigung ihrer Mutter teilzunehmen. Was für eine menschliche Grausamkeit und welche Leiden haben Menschen durchgemacht, die gegen das System waren: Die Bespitzelung war überall präsent, keiner konnte dem Anderen mehr trauen. Aber das System hatte auch Vorteile, wie mir meine Cousine immer bestätigte: Was die Kinderbetreuung angeht, war es kein Problem für Frauen, einer Arbeit nachzugehen. Die Kinder waren versorgt. Aber für persönliche und politische Meinungsäußerungen gab es keinen Raum: Die Menschen mussten still halten und mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten. Da war kein Platz für eine persönliche Entfaltung!

Kennedy - ich bin ein Berliner - John F. Kennedy in Berlin!

Die APO in den 1960er Jahren - Unruhige Jahre: außerparlamentarische Opposition

Die Erziehung der Jugend verlief total unterschiedlich in Ost und West in den 60er Jahren. In der DDR wurden junge Menschen mit vorgegebener Kultur "gefüttert" und indoktriniert, im Westen begann das Aufbegehren der Studenten gegen das "Establisment." Als die große Koalition von CDU und SPD nach dem Rücktritt von Ehrhard die Notstandsgesetzte durchsetzte, begann die Revolte der Studenten. Sie gründeten die APO (die außerparlamentarische Opposition), sie demonstrierten gegen den Vietnam-Krieg, sie gingen auf die Straße für verbesserte Hochschulreformen und für veränderte Lebensbedingungen von Frauen. Die Medienkampagne gegen die "Revoluzzer" heizte die "Bild-Zeitung" ordentlich ein. In dieser Zeit gründete sich auch die RAF mit Baader und Ensslin. 1968 beteiligten sich die beiden aus Protestgründen an den Brandanschlägen auf Frankfurter Kaufhäuser und legten damit den Grundstein der RAF. Die antiautoritäre Erziehung war eine Begleiterscheinung dieser Zeit. Es gab keine Regeln in der Erziehung und die Kinder bekamen von den Eltern keine Werte mehr vorgelebt. Man bäumte sich auf gegen Konventionen, gegen festgefahrene Strukturen und da hatten Werte keinen Platz mehr. Die antiautoritäre Erziehung hat Erzieher mit einer Werte-konformen Haltung vor sehr große Herausforderungen gestellt. Die Kinder konnten in den Kindergärten essen, wann sie wollten, sie konnten das spielen, was sie wollten und es gab wenig Struktur in dieser pädagogischen Richtung. Heute wissen wir, dass diese Form des Erziehens keine lebenstüchtigen Menschen hervorbringt. Es hat sich gezeigt, dass eine Erziehung mit Struktur doch die bessere Variante ist.

60 Jahre Antibabypille "Envoid 10!"

Die Pille "Envoid 10" ging als erste Antibaby-Pille 1960 in die Geschichte ein. Sie war getarnt als Pille gegen Menstruationsbeschwerden, weil in den USA das Antiverhütungsgesetz eine Empfängnisverhütung verhinderte. Am 1. Juni 1961 startete der Siegeszug der Antibaby-Pille auch in Deutschland. Entwickelt wurde sie von Schering  unter dem Namen "Anovlar." Die Nachfrage war Anfang der 60er eher verhalten wegen noch herrschender Moralvorstellungen und der konservativen Einstellung vieler Frauenärzte. Viele Frauenärzte gingen auf die Straße und forderten, dass die Pille nur an verheiratete Frauen verschrieben werden dürfte. Man hatte Angst vor einer zu freizügigen Sexualität!  Die sexuelle Freiheit ohne Tabus haben Magnus Enzensberger, Rainer Langhans und Uschi Obermaier vorgelebt, die Gründer der Kommune 1 in Berlin. Sie pfiffen auf den Mief der Spießigkeit, wie sie in traditionellen Familien vorgelebt wurde und proklamierten die freie Liebe. Die Pille hat heute sehr viele Vorteile für junge Mädchen; Angst vor einer Schwangerschaft muss heute keine Frau mehr haben! Aber viele Studien haben auch gezeigt, dass sie auch gesundheitliche Nachteile für junge Frauen haben kann: Das Brustkrebs-Risiko soll erhöht werden und die Gefahren von Thrombose im Zusammenhang mit Rauchen sind hinreichend bekannt. Wann die Pille einer jungen Frau verordnet werden soll, ist eine individuelle Entscheidung. Sie sollte zusammen mit den jungen Mädchen und ihren Müttern besprochen werden. Ein verantwortungsvoller Frauenarzt ist sicherlich immer bereit bei dieser Entscheidung mit seinem fundierten psychologischen Rat zur Verfügung zu stehen.

Mary Quant und der Minirock!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
sabine meyer  / pixelio.de

Frauen geizten nicht mehr mit ihren körperlichen Reizen: Der Minirock hielt durch Mary Quant seinen Einzug, die Röcke wurden immer kürzer und Frauen zeigten selbstbewusst Bein mit dieser neuen Mode. Der Minirock, der mindestens 10 cm über dem Knie der Frau endete, wurde zu allen Jahreszeiten Ende der 60er getragen. Die Strumpfindustrie ließ sich auch einiges einfallen, um das Bein der Frau mit schönen Strumpfhosen zur Geltung zu bringen. Es gab jetzt Strumpfhosen, die die altmodischen und nicht gerade sexy aussehenden Baumwollstrümpfe ablösten. Der Minirock setzte sich durch und zeigte als Kleidungsstück eine "moderne" Frau, die sich nicht mehr gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen wollte. Er ist heute noch topmodisch, aber sollte auch nur von jungen Mädchen und jungen Frauen getragen werden, die schöne Beine haben. Ansonsten wirkt er auf mich eher vulgär! Es ist eine Entscheidung des Alters, welche Rocklänge Frauen tragen sollten: Es wirkt einfach deplaziert, wenn ein "Best Ager" einen kurzen Rock trägt und ihr Gesicht verrät, dass sie schon einige Jahre auf dem Buckel hat:  Nach dem Motto: "Hinten Lyzeum – vorne Museum." sollten doch solche stylischen Extravaganzen aus Peinlichkeit vermieden werden!! Die Designerin Quant erhielt für ihre modische Revolution den "Order of the British Empire." Twiggy machte den Minirock-Look zum Markenzeichen einer ganzen Generation. Mit ihrer dürren Figur und ihrer glatten Föhnfrisur verkörperte sie eine Kind-Frau, die viele junge Mädchen kopierten.

Die Mode der 60er Jahre - Immer noch aktuell!
Der Minirock kurz, knapp, knackig

Modetrends im Stil der 60er Jahre für Männer - Die Schuhe der 60er - Schnürer und Slipper!

Die Männerbeine wurden Anfang  der 60er mit den berühmten Cordhosen geziert. Die berühmte "Sepplhose", eine kurze Lederhose, die so gar nicht kaputt zu kriegen war, schmückte im Sommer schöne Bubenbeine. Je speckiger die Sepplhose war, desto toller und beliebter war sie. Die Herrenmode zeigte einen konventionellen Stil, vor allem im Büroalltag. Der Anzug mit weißem Hemd und Krawatte war ein Muss im Büro. Abends konnten sich die Herren der Schöpfung lockerer kleiden: V-Pullover waren sehr angesagt und die Krawatten wurden auch immer farbiger. Man trug Cordhosen, Rollkragenpullover und die unverwüstliche Jeans in der Freizeit. Schick waren auch in den 60ern die sportlichen Polohemden. Die Farbe der Hemden beschränkte sich fast nur auf weiße Herrenhemden, aber Ende der 60er kleideten sich Männer bunter. Aber der Trend zu anderen Farben blieb bei einfarbigen Hemden mit dezenten Streifen. Bei den Modetrends waren auch schicke Schuhe angesagt: Die eleganten Schnürer und komfortable Slipper zierten den Männerfuß in Magazinen als Schuhwerk zu festlichen Anlässen und in der Freizeit. Durch die Hippie-Bewegung Ende der 60er wurde die Männerwelt auch bei Oberteilen bunter. Das Hawai-Hemd war trendy und Männer trugen im Sommer schicke Sandalen.

Geschichte der Gastarbeiter!

Bereits Anfang der 50er Jahre kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland. Man war froh, dem Arbeitskräftemangel durch ausländische Mitbürger entgegenzuwirken. Es war nicht vorgesehen, dass die angeworbenen Ausländer lange in Deutschland bleiben, weil die meisten nach einigen Jahren wieder in ihre Heimat wollten. Aber es kam anders: Die Welle deutscher Ausländer erreichte ihren Höhepunkte Anfang der 60er und nach und nach kamen auch ihre Familien nach Deutschland. 1964 wurde schon der millionste Gastarbeiter begrüßt. Schon damals hätte die Politik Gelegenheit gehabt, eine erfolgreiche "Integrationspolitik" zu verwirklichen, aber das ist bis heute nicht gelungen. Sprachkurse, Seminare der deutschen Kultur und mehr Informationspolitik wären gerade in den Anfangszeiten des Zuzugs von ausländischen Mitbürgern essentiell gewesen. Viele ausländische Mitbürger haben im Bergbau gearbeitet und sie haben für unser Wirtschaftswachstum einen hohen persönlichen Beitrag geleistet! Die ersten Anwerbeabkommen wurden 1955 mit Italien geschlossen, dann folgten Griechenland, Spanien und die Türkei. Sowohl die deutsche Regierung als auch die ausländischen Mitbürger gingen von einem Aufenthalt auf Zeit aus. Die ausschließlich männlichen Arbeiter wurden im Bergbau in einfachen Holzbaracken untergebracht und durch mangelnde Information über das Gastgeberland und die Sprachprobleme hatten sie einen schweren Stand und man kann ihnen nicht verdenken, dass sie so oft wie möglich ihre Familien in der Heimat besuchen wollten. Durch einfache Behausungen haben sie sich nicht heimisch gefühlt, ihre Familien waren weit weg und sie hatten eine harte Arbeit im Bergbau. Um ihre Familien zu Hause finanziell zu unterstützen, schickten sie einen großen Teil ihres Lohns an ihre Familien, um deren Lebensstandard zu verbessern. Die Rezession in 1966/67 stellte die Anwerbung von Ausländern in Frage und in den 70ern kam es sogar zu einem Anwerbestopp. Aber das Problem der Integration blieb für die Ausländer, die in Deutschland wohnten. Nach und nach holten sie ihre Frauen nach Deutschland und gründeten Familien in Deutschland.

Die Musik der 60er und Urlaube ins Ausland!

 Andre Müller  / pixelio.de

Ein historisches Datum für die Musik der 60er:13.April 1963. Die Beatles singen im Hamburger "Starclub" und eine Musikkarriere, die ihresgleichen sucht, findet ihren Anfang. Diese erfolgreiche Gruppe hat viele Mädchenherzen zum Träumen gebracht und Ekstasen bei den Auftritten ausgelöst. "The Kinks" galten als eine der erfolgreichsten Bands der 60er Jahre und sind die bekannten Wegbereiter von Punk und Britpop. Andere Gruppen begeisterten mit tollem Sound und fetziger Musik wie "the Who", die legendären "Rolling Stones", "the Jam", "the Pretenders", "Pink Floyd" und die "Scorpions." Jimi Hendrix, einer der besten Gitarristen aus Seattle, hatte einen sehr großen Einfluss auf die Rockmusik und wurde vom Rolling Stone-Magazin zum besten Gitarristen aller Zeiten gekürt. Wer erinnert sich nicht an die Oldies der 60er? An Adamo, an Connie Francis, Conny Froboess, Gitte, Gus Backus und viele Andere. Die alten Vinyl-Scheiben waren heiß begehrt und wurden rauf und runter gespielt. Was waren das für Zeiten!! Mitte der 60er konnten sich die Kinogänger an dem ersten James Bond-Film erfreuen und St. Tropez zog die Schönen und Reichen an und war wohl der bekannte Treffpunkt in den 60ern. Die Liebesgeschichte von Brigitte Bardot und Gunter Sachs war Dauerbrenner-Thema in den Klatschspalten und die süße Blonde mit dem reizenden Schmollmund verdrehte so manchem Mann den Kopf. Diese Zeit war auch der Beginn von Urlaubsreisen. Das beliebte Reiseziel der Deutschen war Mitte der 60er Mallorca, das von der Condor damals angeflogen wurde. Leute, die damals schon ein eigenes Auto hatten, steuerten den Schwarzwald an, die Nordseeküste und Urlaubsziele in Bayern. Für diejenigen, die sich kein Auto leisten konnten fuhren Busunternehmen in beliebte Regionen in Deutschland. Das Campen war angesagt! Es war eine preiswerte Alternative zu einem unerschwinglichen Urlaub auf Mallorca oder nach "Bella Italia."

Die Beatles in den 60ern!
Hits der 60er Jahre!

Zusammenfassung!

Kein Jahrzehnt hat einen so großen Eindruck hinterlassen wie die 60er! Die inspirierende Musik, die neuen Modetrends, die gesellschaftlichen Veränderungen und die politische Mündigkeit haben Bewegung gebracht und Menschen, die diese Zeit erlebt haben, werden sich bestimmt immer gerne daran zurückerinnern.

Die unvergessene Musik der 60er!
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sissilu, am 24.08.2012
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Bildquelle:
Barbara Lechner-Chileshe (Warum gibt es unterschiedliche Haut- und Augenfarben?)
© Dresdner Molkerei Gebrüder Pfund (Der schönste Milchladen der Welt: Dresdner Molkerei Gebr. Pfund)

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