Damenmode Anfang der 40er Jahre

Einfache Kleider und strenge Kostüme

Die Frauen trugen hauptsächlich einfache, dunkle Prinzeßkleider mit breiten Schultern und einer schmalen Taille. Die Schultern wurden mit sehr dicken Schulterpolstern "Roßhaarpolster" betont,  die Röcke fielen glockenartig und der Saum reichte bis knapp über die Knie. In vielen Zeitschriften gab es Anleitungen zum Kombinieren verschiedener Stoffe und zum Ausbessern zerrissener, abgetragener Kleidungsstücke. Aufgrund des Stoffmangels wurden die Röcke im Laufe der Zeit immer schmaler, sodass auch die letzten Falten irgendwann verschwanden.

sound Investments', C.1940 (Colour Litho) (Bild: AllPosters)

Zweckmäßigkeit wurde ganz groß geschrieben, also forcierte man das Kostüm für die Damen: Betont züchtig mit gepolsterten Schultern, Manschettenringen und einem kleinen, strengen Revers ähnelten die Kostümjacken dabei sehr stark den männlichen Uniformjacken. Weiblickeit und verspielte Kleidung sah man nur in Ausnahmefällen.

 

Plateauschuhe und Söckchen

Bei den Schuhen war die Auswahl ebenfalls sehr mager: Es gab hauptsächlich Plateauschuhe mit dicken Sohlen aus Kork oder Holz, egal ob es sich dabei um Sommersandaletten oder geschlossene Schuhe handelte. Dabei natürlich die Zweckmäßigkeit im Vordergrund, eine schöne Optik hätten sich sicher viele Frauen gewünscht, aber darauf  mussten sie noch etliche Jahre warten. Holz und Kork waren eben sehr viel günstiger als Leder aber im Gegensatz zur Kleidung waren die Schuhe alles andere als bequem. Als Alternative gab es höchstens nur Sportschuhe oder den "Trotteur" (ebenfalls ein flacher sportlicher Schuh).

Damenschuhe Anfang der 40er Jahre (Bild: von unbekannt [Public domain], via Wikimedia Commons)

Seiden- oder Kunstseidenstrümpfe waren nach wie vor sehr teuer und durften einige Jahre nicht mehr hergestellt werden. So mussten die Frauen während der Sommermonate Söckchen zum Kleid anziehen. Wer es sich leisten konnte, der trug weiterhin die schwer erhältlichen Seidenstrümpfe.

 

Die aufgemalte Strumpfnaht

Ein Trend war es damals, sich die Beine braun zu schminken und mit einem Augenbrauenstift die Strumpfnaht aufs Bein zu malen, um Strümpfe vorzutäuschen. Im Laufe des Tages verlief die Schminke allerdings oder klebte am Rocksaum, was keinen besonders schönen Anblick bot. Wer auf diese ungewöhnliche Idee kam, ist leider nicht bekannt. Die Kosmetikindustrie jedenfalls hat sehr schnell einen neuen Trend gerochen und spezielle Schminke für die Beine angeboten.

Kopfbedeckungen der 40er Jahre

Modisch und praktisch galten Tücher und Schals in allen Farben und Mustern. Sie wurden zu einem Turban drapiert, der bald in vielen Ländern zur beliebtesten Kopfbedeckung gehörte - es gab allerdings auch nichts anderes. In Frankreich wurde er mit Schleifen, Bändern oder künstlichen Blumen verziert. Es waren aber auch noch Kappen modern, die man bereits 1938 trug. Auch gingen manche Frauen dazu über, sich selbst aus Filz oder Wolle eigene Hüte herzustellen. Das Ergebnis war nicht immer ein optisches Highlight, doch auch nicht schlimmer als die Topfhüte der 20er Jahre.

Damenmode nach Kriegsende

1947 wandelte sich die Mode, zumindest die Pariser Couture. Der Designer Christian Dior stellte seinen "New Look" vor: weiblich und elegant. Wadenlange Glockenröcke, weite, stoffaufwändige Faltenröcke, eine enge Taille und natürliche Schultern ohne Polster betonten Weiblichkeit. Durch die schmalen Oberteile kam das Korsett wieder in Mode, allerdings dauerte es noch bis in die 50er Jahre bis es sich durchsetzte. Seine Schuhe hatten einen schmäleren Absatz und flache Sohlen. Handschuhe passten farblich zu Handtaschen und Schuhen, die Hüte hatten breite Ränder und ließen die Trägerin anmutig und elegant erscheinen.

Diors "enge Linie"

Als zweites entwarf Dior die "Enge Linie" bzw. die "Bleistiftlinie". Das Oberteil war sehr schmal mit einer engen Taille, der Rock wurde an der Taille mit kleinen Falten angesetzt, was die Hüften betonte und verlief Bleistiftartig zum Saum hin. Als neue Länge gab er 30cm über dem Boden vor. Besonders von reiferen Damen wurde die enge Linie getragen. Da die Röcke sehr eng geschnitten waren, wurden sie hinten mit einem Gehschlitz versehen, dem "Dior Schlitz". Auch wenn Kritiker dem Designer vorwarfen, er würde in einem Zeitalter, das sich bemüht den Frauen Gleichberechtigung zu verschaffen, sie wieder zu hilflosen Geschöpfen macht und in ein Korsett zwängen, setzte sich sein Stil durch.

    
Mode in Deutschland nach 1945

Da die meisten Kriegsgeschädigt waren und kein Geld für neue Kleider übrig hatten, gab es wichtigeres als Mode. Jeder trug das,  was er hatte, oder nähte sich selbst etwas. Deutschland erreichte die neue Mode somit erst sehr spät. In Zeitschriften gab es wieder Schnittmuster um die alten Kleider zu verlängern und aufzumöbeln. Es wurden auch Kleider aus Fallschirmen, oder Dirndlkleider (weiß-blau kariert) und Bäuerinnenröcke aus Lazarettbettwäsche hergestellt, man durfte endlich auch wieder Schleifen, Bänder und Rüschen tragen.

1948 waren die Tageskleider schlicht, hochgeschlossen und sportlich. Beim Nachmittagskleid durfte wieder Dekolleté gezeigt werden: er gab V-Ausschnitte, U-, Herz- oder trapezförmige Ausschnitte, passend zur Linie des Kleides. Die Abendkleider hatten ein großes Dekolleté, waren mit Schleifen und Spitzen verziert, knöchellang und sehr stoffaufwändig. Die durchschnittliche Bevölkerung hatte allerdings kein Bedürfnis nach Abendkleidern, so dass sie nur von sehr wohlhabenden Damen getragen wurden. Diors erste Modenschau in Berlin fand 1949 statt.

Schuhe und Hüte der späten 40er Jahre

Die Schuhe waren vorne abgerundet mit einer hochgezogenen Kappe, sie hatten einen hohen, mäßig breiten Absatz und waren vorne nicht weit ausgeschnitten. Die Abendschuhe waren weit ausgeschnitten und mit einer Spange am Fußgelenk versehen, für besseren Halt. Auch der Flamencoschuh kam in Mode, er hatte eine kleine Öffnung am großen Zeh.

 

Der Turban kam bald aus der Mode und es wurden wieder Hüte getragen. Breitrandige, flache Tellerhüte, kleine randlose wie in den dreißiger Jahren oder auch Baskenmützen waren im Trend.

Frisuren und Kleidung der 40er Jahre in den USA

Die amerikanische Mode der damaligen Zeit unterschied sich zum Teil stark von der Deutschen. Zwar spürte man dort den Krieg auch, aber nicht ganz so extrem wie in Europa. Einige Frauen bevorzugten auch in Amerika strenge mausgraue Kostüme und Jacken im Militärschnitt, andere aber kleideten sich im Hollywood-Stil. Aufforderungen zur modischen Zurückhaltung wurden vor allem von den Filmdiven Hollywoods nicht wirklich ernst genommen, weshalb man in den 40er Jahren  glamouröse Abendkleider und Frisuren bewundern konnte. Es war ebenfalls die Blütezeit des Swing, hier sah man schon erste Ansätze der späteren 50er-Jahre-Mode.

Rita Hayworth, 1940s (Bild: AllPosters)

Hollywood-Frisuren

Bei den Frisuren war schulterlanges Haar im Trend, das sehr ordentlich in Wellen gelegt wurde, meistens mit einem Seitenscheitel und einer glamourösen Innenwelle. Zum Teil wurden auch die vorderen Seitenpartien mit Kämmchen nach oben gesteckt. Die Frauen orientierten sich dabei ganz an ihren Vorbildern aus dem Kino, wie Rita Hayworth, Jane Russell oder der sehr jungen Marilyn Monroe.

Amerikanische Arbeiter 1942

Amerikanische Arbeiter 1942 (Bild: Public domain or Public domain, via Wikimedia Commons,)

Farbige Hosen und Nylonstrümpfe

Mit den Frauen der amerikansichen Besatzungssoldaten kam auch neue Kleidung nach Deutschland. Die Amerikanerinnen übten einen großen Einfluss auf die deutsche Mode aus. Ihre Kleider waren farbenfroh, sie trugen auch lange bunte Hosen mit bequemen Pullovern darüber. Einige Jahre später verschwanden aber die "unschicklichen" Hosen schnell wieder, da sich alles an Dior orientierte und deutsche Frauen sittlich und weiblich zu sein hatten.

Besonders begehrt nach Kriegsende waren die Nylonstrümpfe der Amerikanerinnen! Sie wurden zu einer beliebten Tausch- und Schmuggelware.

Grace, am 04.12.2012
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