Der Inhalt des Buches Rut

Am Anfang dieses Buches steht eine Katastrophe: Eine Hungersnot trifft das Land der Israeliten und veranlasst so eine vierköpfige Familie, im Ausland ihr Glück zu versuchen. Doch genau jenes währt nicht lange. Zunächst findet die Familie tatsächlich Zuflucht im Land Moab. Man integriert sich offenbar in die dortige Bevölkerung, welche mit den Hebräern sehr entfernt verwandt ist. Die beiden Söhne heiraten sogar moabitische Frauen, eigentlich eine undenkbare Handlung für gläubige Israeliten. Eine der beiden Frauen ist Rut. Alles könnte so schön sein, würde da nicht erneut Unheil heraufziehen. Der Familienpatriarch stirbt, ebenso seine beiden Söhne. Zurück bleiben drei Witwen. Die Schwiegermutter beschließt, in das Land ihrer Vorfahren, nach Israel, zurückzugehen. Ihren Schwiegertöchtern jedoch empfiehlt sie hingegen, in Moab zu bleiben. Schließlich sind diese noch jung, könnten erneut heiraten und blieben so in ihrem Heimatland. Nach langem Hin und Her beherzigt eine der beiden jungen Frauen schließlich diesen Rat. Die andere jedoch, Rut, spricht einen Satz aus, der heute gern bei kirchlichen Hochzeiten verwendet wird: "Wo du hingehst, will auch ich hingehen." Rut folgt ihrer Schwiegermutter also in das Land Israel. Um als mittellose Frauen ohne Ernährer überleben zu können, nutzen sie eine Sozialeinrichtung des Judentums: Rut geht auf die Felder und sammelt die Ähren auf, welche die Erntearbeiter übrig gelassen haben. Dies entsprach einem göttlichen Gebot, das besagte, dass ein Feld niemals vollständig abgeerntet oder gar eine Nachlese gehalten werden durfte. Sozial Schwache hatten so die Gelegenheit, sich ohne würdelose Bettelei ihre tägliche Nahrung zu erarbeiten (3. Mose 19, Verse 9 und 10). Auf dieser Grundlage spielt sich im letzten Teil des Buches eine facettenreiche Liebesgeschichte ab. Der Besitzer des Feldes, Boas, ist wohlhabend und außerdem ein entfernter Verwandter von Ruts Schwiegermutter. Als Boas und Rut sich ineinander verlieben, sichert sich Boas durch kluges Handeln das Anrecht auf die so genannte Leviratsehe. Er heiratet Rut, und dem Paar fällt auf diese Weise auch der Landbesitz zu, der ursprünglich das Erbteil von Ruts erstem Mann war.

Die Bedeutung des Buches Rut

Die Handlung spielt in der so genannten Richterzeit. Trotz seines erzählenden Charakters bildet das Buch eine chronologische, inhaltliche und heilsgeschichtliche Brücke zwischen dem Buch der Richter und den beiden Büchern Samuel. Letzterer gehört zum Kreis der möglichen Autoren, da das Buch Rut aufgrund seiner Schlussverse auf jeden Fall erst nach dem Ableben der Hauptperson geschrieben oder zumindest ergänzt wurde. Das Buch Rut ist mehr als eine interessante Geschichte, die vielleicht auch heute in einem beliebigen Romanheft zu finden wäre. Es gibt einen Grund, warum das Buch in den Kanon der Bibel Aufnahme gefunden hat. Ruts weiteres Leben mag sich im Dunkel der Geschichte verloren haben. Das ihrer Nachkommen jedoch nicht. Einer ihrer Urenkel war beispielsweise David, der bedeutendste König des israelischen Großreiches. Wichtiger wurde jedoch ein anderer Spross dieser Familie: Jesus Christus selbst. In seinem Stammbaum ist Rut aufgeführt, was beweist, dass es dem Erlöser der Welt nicht darauf ankam, eine makellos jüdische und rein männliche Ahnenreihe zu haben.

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