Die Geschichte des Jona

Jona ist wahrscheinlich der populärste unter den zwölf kleinen Propheten der Bibel. Der gleichnamige Bericht über seine Erlebnisse trägt beinahe schon volkstümlichen Charakter und hebt sich daher deutlich von den Prophezeiungen und Mahnungen der anderen elf Bücher ab: Jona erhält eines Tages von Gott den Auftrag, der assyrischen Großstadt Ninive den Untergang anzukündigen, weil dort die pure Bosheit herrscht. Jona aber denkt gar nicht daran. Immerhin waren die Assyrer ein gewalttätiges und grausames Volk, das für Kritiker und Gegner allerhand schmerzhafte Hinrichtungsarten vorrätig hatte. Also begibt sich der Prophet geradewegs zum Hafen und besteigt ein Schiff, welches ihn möglichst weit von Ninive weg bringt.

Während der Reise kommt es jedoch zu einem heftigen Sturm, der alle in Lebensgefahr bringt. Um sich zu retten, werfen die Seeleute sogar die Fracht über Bord. Doch es hilft alles nichts. Schließlich gibt Jona zu, dass seine Flucht vor Gott der Grund für den Sturm ist. Nach einigem Zögern gehen die Schiffer auf Jonas Vorschlag ein und werfen ihn über Bord. Offenbar ist  dem Gottesmann der Tod im Meer immer noch lieber, als eine Reise nach Ninive. Das Meer beruhigt sich daraufhin wieder, und Jona wird von einem großen Fisch verschlungen.

Der Prophet hat nun drei Tage Zeit, im Inneren des Fischs über seine Lage nachzudenken und kommt schließlich zur Einsicht. Das Tier speit ihn daraufhin wieder aus, und Jona macht sich auf den Weg nach Ninive. Aber Jona wäre nicht er selbst, würde er nun brav seinen Auftrag ausführen. Er geht nicht allzu weit in die Stadt hinein und verkündet: In 40 Tagen wird diese Stadt untergehen. Dann macht sich Jona schleunigst aus dem Staub. Er beobachtet aus einiger Entfernung, was passieren wird. Offenbar will er sich am Untergang der Stadt erfreuen, die ihm so viel Unannehmlichkeiten bereitet hat. Doch Jona wartet vergebens, denn die Leute von Ninive haben seine Warnung offenbar ernst genommen und zeigen Reue. Gott verzichtet somit auf das Strafgericht. Jona passt das natürlich gar nicht. Er will lieber tot sein und behauptet, genau diese Entwicklung vorher gesehen zu  haben. So richtig schlimm für Jona wird es jedoch erst, als eine Staude, in deren Schatten er wartet, verdorrt. Wiederum wünscht sich der Trotzkopf den Tod. Doch Gott  antwortet ihm sinngemäß: "Du trauerst um eine Staude, die du nicht einmal selbst gepflanzt hast. Wieviel mehr sollte es mich da nicht grämen, wenn mehr als 120 000 Menschen mit ihren Tieren umkommen?" Mit dieser Frage endet die Geschichte um Jona. Es bleibt offen, wie der Gottesmann darauf reagiert hat.

Jona: Fakten zu Person und Buch

Vielfach wird die fantastisch anmutende Geschichte des Propheten als reiner Mythos betrachtet. Jüdische Quellen und auch Jesus Christus selbst betrachteten den Bericht jedoch als historisch. Vermutlich kam Jona aus Galiläa und lebte im achten Jahrhundert vor Christus. Kurz erwähnt wird er auch im biblischen Buch 2. Könige, wo er zutreffend eine Gebietserweiterung des Nordreiches Israel vorhersagt. Die Übereinstimmung beider Jona-Figuren wird heute in der Fachliteratur als unbestritten angesehen.

Interessant ist der Bezug zu Jesus Christus: Der Prophet stammte aus der Nähe von Nazareth, dem Wohnort des späteren Messias. Jonas dreitägiger Aufenthalt im Fisch wird zudem als Gleichnis für Tod und Auferstehung des Christus gedeutet. Dieser bezieht sich in Matthäus 12,40 und 16,4 explizit darauf.

Der Prophet Nahum, seine Zeit und das gleichnamige Buch

Noch ein weiterer Prophet befasste sich mit der Stadt Ninive, die offenbar bald zu ihrem angestammten Lebensstil zurückkehrte. Der Prophet Nahum verkündigte erneut den Untergang der Stadt und fasste seine sehr plastisch und detailliert gehaltene Vorhersage in leidenschaftliche Worte von typisch orientalischer Poesie.

Über Nahum selbst ist nicht viel bekannt. Seine Prophetie lässt aber den Schluss zu, dass er zwischen 663 v. Chr. (Zerstörung Thebens) und 612 v. Chr. (Zerstörung Ninives) auftrat. Die wahrscheinlichste Zeit seines Wirkens wird ab ungefähr 627 v. Chr. vermutet. Damit ist Nahum ein Zeitgenosse des Propheten Zefanja, der ebenfalls (allerdings nicht sehr ausführlich) Ninives Zerstörung ankündigt. Das Buch Nahum unterliegt einem literarischen Aufbau, der sich dem Leser nur im Urtext erschließt.

Erfüllte Prophetie: Das Schicksal von Ninive

Die Stadt Ninive selbst, eine uralte Siedlung, die gerade einmal gut 90 Jahre lang eine von drei Hauptstädten des Assyrischen Reichs war, erlag schließlich dem angekündigten Strafgericht. Nachdem die Weltmacht bereits seit Jahrzehnten schwächelte, verlagerten sich die Kämpfe mit kriegerischen Eindringlingen immer mehr in das assyrische Kernland. Der babylonische Feldherr Nabupolassar eroberte Ninive im Jahr 612 v. Chr. mit Unterstützung der Meder. Wenig später endete das Assyrische Großreich. Ninive wurde nie wieder aufgebaut, sein Standort sogar erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt.

 

 

Informationen zu anderen der zwölf kleinen Propheten

Bitte folgen Sie den jeweils angegebenen Links:

Hosea, Joel, Amos, Obadja, Habakuk, Micha, Zefanja, Maleachi Sacharja und Haggai

 Quellenauswahl:

  • Thompson Studienbibel
  • Peter Calvocoressi: Who's who in der Bibel, Deutscher Taschenbuchverlag, München, 2007
  • Das Große Bibellexikon, R.Brockhaus Verlag / Brunnen-Verlag, Sonderausgabe 2004
  • So entstand die Bibel..., CLV Verlag, Bielefeld, 1987
  • C. W. Ceram: Götter, Gräber und Gelehrte, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, 2000
  •  Lexikon der Alten Welt, Patmos Verlag / Albatros Verlag, Düsseldorf, 2001
Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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