Wulff, Heynkes, Ballack, Kachelmann........

Der weise Salomon hat geschrieben, dass es besser sei, einer Bärin zu begegnen, die Ihrer Jungen beraubt ist, als einem Törichten in seiner gesamten Torheit. Genauso schlimm scheint es mittlerweile zu sein, einem Denunzianten in seiner vollen Schaffenskraft zum Opfer zu fallen. Wie muss sich jemand fühlen, der sich von einer wild gewordenen Journalie monatelang mit immer neuen Enthüllungen über sein Privatleben, seine Zukunft, seine Leistung und seine Integrität konfrontiert sieht?

Dabei weiß das jeweilige Opfer genau, dass er sich gegen die erhobenen Vorwürfe nicht wehren kann. Alles was der Beschuldigte zu seiner Verteidigung vorbringen könnte endet in einer neuen Verleumdung. Alles was gesagt wird sorgt für neuen Gesprächsstoff. Alles was nicht gesagt wird führt zu neuen Spekulationen. Neue Spekulationen führen zu neuen Anschuldigungen und neue Anschuldigungen enden unter Umständen wieder in einer neuen Verleumdung.

Bei Christian Wulff hat diese Art der Verfolgung eine neue Dimension angenommen. Hier wurde das Lebenswerk eines bis dahin unbescholtenen Politikers mit fadenscheinigen Anklagen zerstört. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurde der schreibenden Zunft so viel Macht gewährt.

Noch nie war die Öffentlichkeit so schnell bereit, nach gefühltem Recht einen bis zum jetzigen Zeitpunkt auch vor dem Gesetz unschuldigen Mann auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Im Mittelalter wurden Beschuildigten die Ihre Unschuld beteuerten Arme und Beine gefesselt, bevor sie in einen See geworfen wurden. Waren Sie unschuldig wurden Sie in Gottes Reich aufgenommen. Waren Sie schuldig, schmorten Sie in der Hölle. Die Menschen, die damals gelebt haben, fanden dieses Urteil gerecht. Die Menschen die heute leben gehen genauso vor.

Irgend etwas wird schon dran gewesen sein. Diesen Satz hört man immer wieder im Zusammenhang mit dieser neuen Art der Vernichtung von Mitmenschen. Es konnte zwar kein Beweis für die aufgestellten Behauptungen erbracht werden, aber letztendlich wird schon alles seine Richtigkeit haben.

Geschützt wird in diesem Fall niemand. Das Gesetz sieht zwar Strafen für Verleumder oder Denunzianten vor, von Strafverfolgung wird jedoch meist abgesehen. Es trifft alle Bevölkerungsschichten. Vom kleinen Arbeiter oder Angestellten bis hin zum Bundespräsidenten. Bekannt wurde das Verbreiten von falschen Tatsachen, in der breiten Bevölkerungsschicht unter dem Namen Mobbing. Wahrgenommen wird der Psychoterror nicht. Jemanden mit dem Verbreiten von Unwahrheiten zu schikanieren, zu demütigen oder zu quälen bereitet dem Einen oder Anderen mittlerweile wohl eher Freude.

Die Mehrheit erwartet zwar immer noch Menschlichkeit, Mitgefühl und Vergebung für sich. Anderen gegenüber wird jedoch Fehlverhalten nicht toleriert. Die eingeforderte Toleranz nimmt oft Züge der Intoleranz an.

Bei der Demontage von Christian Wulff geht es mittlerweile noch nicht mal mehr um das Recht. Würde es um das Recht gehen, stünde die Frage nach dem Ehrensold nicht im Raum. Dieser steht jedem ehemaligen Bundespräsidenten zu. Christian Wulff hat diese Regelung nicht eingeführt. Er nimmt lediglich das in Anspruch, was unser Gesetz für solche Personen vorsieht.

Das unterstreicht seine scheinbar stark ausgeprägte Raffgier, schreiben die Medien. Ein weiteres, trauriges Kapitel in Sachen Verleumdung, das vom Mob dankbar angenommen wird. In einer Neidgesellschaft wie der unseren hat ein gesetzkonformes Verhalten wie dieses keinen Platz mehr. Die Dinge werden nicht mehr nach Recht und Ordnung beurteilt, sondern ausschließlich nach Gefühl und Moral. Die moralische Instanz ist dabei beliebig austauschbar. Forderungen sind keine Grenzen gesetzt.

Bäckereifachverkäuferin werden entlassen, weil sie ein Brötchen von ihrem Arbeitgeber verspeist haben, ohne dieses zu bezahlen.Angestellte werden gekündigt, weil sie den Akku ihrer Handys mit dem Strom ihres Arbeitgebers aufladen, u.s.w.

Das alles erfüllt zwar zweifelsfrei den Tatbestand der Unterschlagung (Diebstahl), wird aber als solches Delikt in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen. Wie auch? Wir alle sind ja jeden Tag damit beschäftigt, nur die Wahrheit zu sagen, ehrlich unsere Steuer zu erklären, pünktlich unsere Rechnungen zu bezahlen und Handwerker nur offiziell zu beschäftigen, damit wir sie später besser verklagen können.

Womöglich führt die Verfolgung solcher "Kleindelikte" aber genau in die gewünschte Richtung. Denn wenn die Messlatte für die "Kleinen" so hoch gelegt wird, dann müssen die "Großen" ja noch viel mehr leisten, und stehen schon unter Druck bevor irgend etwas passiert ist, oder geleistet wurde. Den gezielten Vernichtungskampagnen werden mit Anzeigen dieser Art Tür und Tor geöffnet.

Einen Rücktritt oder Kündigung kann man jedem nur empfehlen, sobald er in das Visier dieser neuen Generation der Erbarmungslosen gerät. Chancengleichheit gibt es nicht. Das Opfer wird von der Masse vernichtet. Zielstrebig, erbarmungslos, unfair, komplett und mit allen Mitteln. Die Meute beruhigt sich erst, wenn alles vernichtet ist. Hinterher wissen die Meisten noch nicht einmal, um was es gegangen ist. Das spielt aber auch keine Rolle.

Weil als Sieger in diesem Spiel immer die hervorgehen, die die ersten Steine werfen. Selbst dann, oder erst recht dann, wenn auch diese im Glashaus sitzen.

Autor seit 4 Jahren
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