Der Bikini wurde von einem Ingenieur erfunden - Ein Nacktmodell präsentierte das spärliche Badetextil

Kurz nach Kriegsende gab es eine Aufbruchstimmung. Auch in Sachen Mode. In Frankreich war es kein berühmter Couturier, der einem aufsehenerregenden Textil eine spektakuläre Geburt bescherte, sondern ein Bauingenieur. Louis Réard hatte den Bikini erfunden: Bänder hielten die Stoffdreiecke zusammen, welche die wesentlichen Sexualmerkmale der Frau bedeckten. Natürlich wollte Réard seine Modeschöpfung einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Doch der Ingenieur, dem eigentlich nichts zu schwer sein sollte, fand kein Mannequin, das bereit war, den Bikini auf dem Laufsteg vorzuführen. 

Das BikiniArt Museum in Bad Rappenau gewährt einen umfassenden Überblick über das Thema »Bikini«. Ab 5. Juli 2020 ist es für die Öffentlichkeit zugänglich. Hier mehr dazu: Auf ins BikiniArt Museum nach Bad Rappenau

Der Bikini ist immer noch trendy. (Bild: Elite Fashion)

In seiner Not engagierte der Bikini-Erfinder ein Nacktmodell. Die Dame hieß Micheline Bernardini und hatte keine Skrupel, spärlich bekleidet über den Catwalk zu marschieren. Der befand sich am 5. Juli 1946 in der mondänen Pariser Badeanstalt "Molitor". Die Vorstellung des ersten Bikinis war spektakulär und skandalträchtig. "Der Bikini ist so winzig, dass er alles über die Trägerin enthüllt bis auf den Mädchennamen ihrer Mutter" soll der Erfinder damals gesagt haben.

Lange Jahre war das Badetextil aus den Bädern und von Stränden verbannt. Es wurden sogar Verbotsschilder angebracht, auf denen darauf hingewiesen wurde, dass das Tragen von so genannten "Bikini-Badeanzügen" strikt untersagt ist.

Ein Bikini-Witz

Was ist der Unterschied zwischen einem schlechten Politiker und einem Bikini?
Es gibt keinen. Jeder wundert sich, wie er sich hält und jeder hofft, dass er fällt!
Museumsdirektor Reinhold Weinmann ...

Museumsdirektor Reinhold Weinmann führt durchs BikiniArtMuseum in Bad Rappenau (Bild: Ruth Weitz)

Einzigartiges BikiniArtMuseum in Bad Rappenau

Am 7. Juli 2020 - ein Sonntag - das magische Datum zur offiziellen Eröffnung des BikiniArtMuseums in Bad Rappenau, dem Solebad in Nähe des Neckars und direkt an der Autobahnausfahrt der A6 gelegen. Die Medienvertreter hatten Gelegenheit, sich die Ausstellung im Rahmen eines Presse-Previews anzuschauen. Es ist in der Tat eine einzigartige Schau, die Bademoden, Kunst und Historie in einem schlüssigen Konzept vereint. Es gibt auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern eine Menge zu sehen, zu hören und erfahren. Es ist ein junges Team, mit dem Museumsdirektor Reinhold Weinmann zusammenarbeitet und das Gesamtkonzept immer wieder aktualisiert. So wird es den Besuchern, die wiederholt ins Museum kommen, nie langweilig. Die interaktiven Elemente, eine eigene Abteilung für Kinder und die Themenvielfalt machen richtig Lust, hierher zu kommen und das Angebot zu nutzen. Für Bürger aus Bad Rappenau ist dienstags der Einlass kostenlos. 

Brigitte Bardot und Marylin Monroe als Bikini-Girls

Brigitte Bardot im BikiniZwar lockerten sich in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Moralvorstellungen etwas. Aber das Bild von der züchtigen Hausfrau, die hinter dem Herd steht, zwischendurch den Putzlappen schwingt oder ihren Kindern die Rotznasen abwischt, war in den Köpfen noch fest verankert. Gerade in Deutschland, wo die Prüderie zu Hause war. Die Ehemänner in der Wirtschaftswunderzeit hätten einen Bikini auf dem Körper ihrer Frauen bestenfalls in der Badewanne oder als erotisches Betthupferl geduldet. Dafür feierten die Pin-up-Girls in den Spinten der Männerwelt Hochkonjunktur. Sie trugen fast alle Bikinis. Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot mit dem berühmten Schmollmund und kurvenreicher Figur sowie ihr amerikanisches Pendant Marylin Monroe nutzten den Zweiteiler zum Festigen ihres Rufes als Sexsymbole und ließen sich im Bikini ablichten. Diese Fotos landeten dann  auf besagten Spint-Türen.

Ein Schlager, der damals ein großer Hit wurde, widmete sich dem Phänomen "Bikini". Der Refrain bohrte sich in die Ohren und Köpfe:

"Acht, neun, zehn, was gab's denn da zu seh'n?
Es war der Itsy bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strandbikini..."

Landauf, landab dröhnte der "Itsy bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strandbikini" aus den Musikboxen und die Leute trällerten fleißig mit.

Bildnachweis: lifeinitaly.com

Zwei Versionen des "Itsy bitsy Honolulu-Strandbikini"

Die 68er machten den Bikini hoffähig - Mit der sexuellen Revolution fand die Prüderie ein Ende

Es waren die 68er, die das Ende der Prüderie einläuteten. Die sexuelle Revolution war auf dem Vormarsch in Deutschland. Der Bikini wurde nicht mehr aus den Badeanstalten und von den Stränden verbannt, die Verbotsschilder verschwanden. Oswalt Kolle füllte die Kinos mit seinen Aufklärungsfilmen, die heute vermutlich nur ein mildes Lächeln auslösen würden, damals aber eine Sensation waren.

Der Bikini gehörte zum Alltag, oft wurde nur das Höschen getragen. Mädchen und Frauen entledigten sich des Oberteils und marschierten selbstbewusst "oben ohne" durch die sonnendurchflutete Landschaft. Hin und wieder erfolgte ein empörter Aufschrei, doch das wurde immer seltener.

Easy Rider - Kultfilm der 68er

Easy Rider - Kultfilm der 68er

Vom Bikini zum Tankini - Tankinis schmeicheln der Figur

Der TankiniMit über 70 Jahren Jahren ist der Bikini immer noch nicht out, sondern trendy wie eh und je. Er gehört zur angesagten Bademode. Allerdings ist der "Tankini" auf dem Vormarsch. Er enthüllt deutlich weniger als der Bikini und ist mit Recht als "zweiteiliger Badeanzug" zu bezeichnen. Frauen mit wohl proportionierter Figur greifen eher zum Bikini als zum Tankini. Letzterer ist für die Damen geeignet, deren Bindegewebe nicht mehr ganz so straff ist und sich das ein oder andere Pölsterchen auf Hüfte, Bauch und Po gestohlen hat. Die meisten Frauen, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, tendieren eher zum klassischen, einteiligen Badeanzug. Der kann übrigens auch sehr sexy sein. Durch einen pfiffigen Schnitt zeigt er Raffinesse und regt die Fantasie an, die mit der Frage verknüpft ist: Was steckt darunter?

Bikinis liegen modisch immer noch voll im Trend. Das wird sich vermutlich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern.
Bildnachweis: Otto-Versand

Krimifreundin, am 11.09.2011
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Bildquelle:
Wikimedia Commons, Gemeinfreies Bild (Kilt und Plaid - Geschichte und Tradition schottischer Kleidung)

Autor seit 9 Jahren
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