Polarlichter galten als Zeichen der Verstorbenen (Bild: Noel_Bauza / Pixabay)

Jäger brachten ihrer Beute Respekt und Achtung entgegen

Die nächsthöchste Gestalt war der Mondgott. Er hatte Einfluss auf das Wetter, war aber auch für die Fruchtbarkeit der Frauen zuständig und beschützte die Armen und Waisen. In den kalten Fluten des Eismeeres befand sich das Haus der Meerjungfrau Sedna. Sie war halb Mensch, halb Wal und die Seele des Meeres. Sie hatte Macht über die Tiere und die Menschen, die sich von den Meerestieren ernährten. Die Inuit glaubten, Sedna würde ihnen Seehunde als Jagdbeute zur Verfügung stellen. Wenn sich die Menschen schlecht benahmen, wurden sie bestraft. Sedna sorgte dann dafür, dass sie keine Beute mehr fanden.

Nachdem ein Jäger einen Seehund getötet hatte, bot er ihm einen Schluck Wasser an. Mit dieser Geste wurde die Seele des Tieres ins Meer zurückgeleitet, um dort im Körper eines neuen Seehundes wiedergeboren zu werden. Weil der Jäger ihm mit diesem Ritual Respekt und Achtung entgegengebracht hatte, erlaubte es derselbe Seehund, dass er auch bei der nächsten Gelegenheit von ihm getötet wurde.

Die Inuit verehrten alle Tiere, weil sie glaubten, es handelte sich um Geister, die den Menschen halfen oder ihnen Krankheiten brachten. Wenn ein Inuit krank wurde, ging er zu einem Schamanen, der sich in Trance versetzte. Man glaubte, er würde dann in das Land der Geister fliegen und den bösen Geist dazu überreden, das er wieder verschwand.

Polarlichter wurden als Zeichen von Verstorbenen angesehen

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts ließen die Inuit ihre schwachen Alten und kranke Kinder zurück und überließen sie ihrem Schicksal, um das Überleben des Stammes zu sichern. Die Alten wählten meistens den Freitod, indem sie sich erhängten. Sie glaubten, dass ihre Seele durch die Selbsttötung ins Qudlivun aufstieg, ein Paradies, in dem sie ein besseres Leben erwartete. Aufgrund ihres Noamdenlebens kannten die Inuit keine Friedhöfe. Die Toten wurden auf dem gefrorenen Boden bestattet und mit Steinen bedeckt, um sie vor wilden Tieren zu schützen.

Zuvor wurde der Leichnam von den Frauen gewaschen. Sie flochten ihm das Haar, hüllten ihn in Karibufelle ein und betteten ihn mit dem Gesicht zum Himmel. Mittlerweile sind die Inuit sesshaft geworden. Sie leben in kleinen Dörfern in Küstennähe und bestatten ihre Toten auf Friedhöfen. An den Totenmessen, die in den Holzkirchen abgehalten werden, nehmen sämtliche Dorfbewohner teil. Früher glaubten die Inuit, dass die Polarlichter am Nachthimmel Zeichen ihrer Verstorbenen wären. Vor allem die Kinder fürchteten sich und versuchten, die Geister durch pfeifen zu vertreiben.

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