Totempfahl der Tlingit-Indianer (Bild: jbhthescots / Flickr)

Totempfähle wurden zum Gedenken an Verstorbene errichtet

In den meisten Fällen waren sie so etwas wie Statussymbole für den Häuptling, ein für alle sichtbarer Hinweis auf Reichtum und Bedeutung seines Besitzers. Die Herstellung der Kunstwerke musste teuer bezahlt werden. Deshalb entstanden auch die meisten und schönsten zwischen Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit waren einige Stämme durch Pelzhandel wohlhabend geworden, und ihre Anführer konnten sich die Künstler und auch die guten, neu aufgekommenen metallenen Handwerkszeuge leisten.

Totempfähle wurden auch zum Gedenken an Verstorbene errichtet, und manchmal hat man sie auch als überdimensionale Särge benutzt. Die sterblichen Überreste des Toten wurden in ihnen aufbewahrt. Geschickte Architekten hatten sie auch in ihre Baukunst einbezogen. Sie verwendeten sie als Pfosten zum Abstützen der Hausgiebel oder ließen sie als Portale gestaltet. Man betrat dann durch eine Öffnung im Pfahl das Gebäude. Gelegentlich standen die Pfähle auch an den Wasserquellen des Dorfes - als Willkommensgruß für Besucher.

Russische Jäger überfielen die Dörfer der Tlingit-Indianer

Alle geschnitzten und bemalten Symbole der Totempfähle haben eine konkrete Bedeutung. Sie blieben aber meist das Geheimnis ihrer Erbauer. Man kann sie nur entschlüsseln, wenn man genaue Kenntnisse über Geschichte und Brauchtum der Gruppe hat, in der sie entstanden sind. Auf vielen Hausfronten und Holzschnitzereien ist "Gonankadet" dargestellt. Dabei handelt es sich um ein mystisches Wesen, das unter dem Wasser herrscht.

Die beherrschenden Clans waren die Raben (Yeil) und die Adler (Chaak). Die Gegenstände, die für die zahlreichen Rituale notwendig waren, gehörten zwar dem ganzen Clan, wurden aber überwiegend von den Schamanen verwendet. Die Schamanen hatten eine einflussreiche Position. In der Glaubensvorstellung der Tlingit war jedes Wesen, jede Pflanze und jeder Gegenstand beseelt.

Ab 1743 wurden die Dörfer der Küsten-Indianer von russischen Jägern und Pelzhändlern überfallen. Sie nahmen die Frauen und Kinder als Geiseln, vergewaltigten und misshandelten sie und zwangen die Männer, solange Seeotter zu jagen, bis sie genug Pelze hatten, um ihre Familien freizukaufen. Sobald ein Gebiet leer gejagt war, zogen die Russen weiter. Zunächst ostwärts über die Aleuten und dann weiter nach Kalifornien. Die Jäger der Tlingit mussten sie begleiten. Doch immer mehr indianer leisteten Widerstand. Viele von ihnen wurden getötet. Russische Missionare bekehrten die Überlebenden zum griechisch-orthodoxen Glauben. Und sie hatten leichtes Spiel, denn die Indianer waren davon überzeugt, dass eine Religion, die sogar die Russen retten konnte, sehr stark sein musste.

BerndT, am 14.03.2017
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Bildquelle:
UW Digital Collections / Flickr (Das Volk der Tlingit-Indianer)

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