Verpackungen passen nicht übereinander. Verpackungsvielfalt statt Kundenfreundlichkeit.

Pfandkisten

 

Ein Produkt muss vom Erzeuger zum Großhandel. Von da zum Einzelhandel und schließlich zum Kunden. Umweltfreundliche Mehrwegverpackung, ein tolles Wort. Die Pfandkiste!

Natürlich geht der Weg irgendwann auch rückwärts, denn es heißt ja Mehrweg. Hin und zurück, eine Geschichte (nicht von Tolkien) aus dem Tollhaus. Gab es vor Jahren in Deutschland eine einheitliche Bierkiste mit gleichartigen Flaschen, und die auch noch stapelbar und damit transportfähig waren, so ist inzwischen das pure Leergut-Chaos eingetreten. Es gibt: 8er / 10er / 11er / 12er / 16er / 18er / 20er / 24er / 27er / 28er / 30er und noch Spezialanfertigungen, wie die drei mal Dreiliterflasche

u. s. w.!

Die sind auch nicht genormt oder im Verbund stapelbar, was zu einer Transportgefährdung führt. Getränkelaster verliert Ladung, ist keine Seltenheit.     

Sortenvielfalt ist schön und gut, aber wer soll das händeln?

Flaschenvielfalt

Aber des Verpackungswahnsinns noch nicht genug, schlug der Design-Teufel bei den Flaschen auch noch zu. Früher waren Bierflaschen braun oder grün (Lichtschutz) und

wurden von allen Brauereien zurückgenommen. Heute ist das kompliziert geworden.

Longneck Flaschen gegen Bigneck Flaschen, Stubbi oder Steinie,  Relief-Aufdruck,

Glasklar oder bunt, blau – grün – orange oder pink! Viele Brauereien nehmen nur noch eigenes Leergut zurück. Zahlen sogar für die Vorsortierung. Die Bayern haben die klassische Euro-Bierflasche und lassen Longneck Flaschen, vorwiegend aus dem Rheinland, umgehen.  Transportraum über 1000 Km für die Katz.    

Wahnsinn mit System oder organisierter Schwachsinn.

Leergutliste mit Preisen (Bild: eigen)

Die Preise bei Pfandkisten haben nur einen Sinn, alle in den Wahnsinn zu treiben

Bei den gängigen Biersorten haben wir Pfandwerte von 2,14 €, 2,30 €, 2,38 €, 2,46 €,

3,30 €, 2,78 €, 2,94 €, 3,10 €, 3,42 €, 6,00 €, 3,66 €, 3,74 €, 3,90 €, 25,50 €, 5,00 € -

Keine Gewähr auf Vollständigkeit. Die Flaschen mit Bügelverschluss sind auch etwas teurer in der Bepfandung. Flaschen gibt es in den Größen 0,2 / 0,3 / 0,5 / 0,7 / 0,75 / 1 Ltr / 1,25 / 1,5 / 2 Ltr. / 3 Ltr.! Noch was, ach ja. Eine große Eifelbrauerei hat ihre Flaschen dünner und leichter gemacht. Dadurch können Lastwagen mehr Menge laden, da die Tonnage sinkt.

Bedeutet aber, dass die auch nur ihre eigenen  Flaschen retour nehmen. Da Brauereien nur in vollen Kisten verkaufen, nehmen die auch nur in vollen Kisten Leergut an. Ebenso der Großhandel. Das gefällt dem Einzelhandel aber nicht. Einige schwarze Schafe bauen sogenannte Nester. Bedeutet, im Innern der Kiste fehlen Flaschen. Kleinvieh macht auch Mist.  

Der Endverbraucher hilft auch noch mit, das Chaos zu vergrößern.

Körbeweise leere Flaschen. Kiddis kaufen ihren Bölkstoff in Einzelportionen an den Tanken, Muttis schleppen ihn zu den Automaten. Da die Einzelhändler auch am liebsten beim Personal sparen, steht hinter dem Automat aber keiner, der die Flaschen sortiert.

Leere Kisten in diesen Mengen gibt es aber auch nicht. Keiner will dafür bezahlen, denn Transport ist teuer. Verdient wird am Vollgut. Also steckt der Einzelhandel sein Problem in alles, was ihm vor die Füße kommt. Kisten, Körbe, Spießbütten, Müllsäcke, Einkaufswagen und Sonstiges. Von Vorsortieren kann da keine Rede sein. Nicht zählbare Schrottpaletten mit undefinierbarem Leergut. Transportfähigkeit? So gut wie gar nicht. Ladegut sollte bündig stehen, bei dem Müll unmöglich. Autofahrer, die neben einem Getränkelaster herfahren, halte ich persönlich für Selbstmörder.

Das Ganze muss dann manuell behandelt werden, damit es sortenrein zu den Brunnen und Brauereien kommt. Vieles ist gar nicht mehr händelbar. Deshalb gibt es Schrottverwerter, die kaufen Fremdleergut für nen Appel und en Ei auf, lassen das von Billigkräften sortieren. Kisten werden zu Granulat geschreddert, wertlose Flaschen gehen auf den Müll. ---

Ist das der Mehrweggedanke? Soll das umweltfreundlich sein? Flaschen auf Karton zu stapeln und einzuschweißen? Oder wird der Mehrweg-Gedanke systematisch unterlaufen. Wieder hin zu ex und hopp? Sollen wir wieder Petcycle, Glascycle und Alucycle bekommen, weil das für die Produzenten billiger und einfacher ist? (Mehrweg zum wegwerfen)

Wird der Markt mutwillig mit Neuverpackungen überschwemmt? Oder ist es einfach die Ratlosigkeit gegenüber sinkenden Umsatzzahlen?

Meine Antwort: Zu kurz gedacht, hat noch nie geholfen! Lasst euch von mir das Feierabendbier nicht vermiesen.

 

Autor seit 5 Jahren
268 Seiten
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