Schild: Pidinger Klettersteig (Bild: selbst gemacht)

Der Hochstaufen - Dank seiner Nähe zur A8 auch für einen "Sonntagsausflug" geeignet

Der Berg Hochstaufen besticht durch sein steiniges Gelände und einen tollen Rundumblick über die Chiemgauer und Bad Reichenhaller Region. Die am Gipfel gelegene Berghütte, das Bad Reichenhaller Haus, lädt die Wanderer mit seiner schönen, aussichtsreichen Sonnenterrasse und den schmackhaften Kuchen zum Verweilen und Philosophieren ein. 

Man kann den Berg von Bad Reichenhall über die Padinger Alm, von Inzell/Adlgaß über den wunderschönen Frillensee, über den anspruchsvollen Steinernen Jäger oder die lange Gratwanderung über den Gamsknogel, Zwiesel, Zenerkopf, Mittelstaufen bis hin zum Hochstaufen besteigen. Für jeden Geschmack ist etwas geboten.
Ein etwas anderer Aufstieg auf den Gipfel des Hochstaufen ist der 2003 errichtete Pidinger Klettersteig. Dieser Klettersteig lässt jedes Alpinisten Herz höher Schlagen. Er ist, über die Autobahn A8, auch von der Münchner Region schnell zu erreichen und bietet sich deshalb für einen Sonntagsausflug an. Der Hochstaufen trumpft mit vollem Klettersteigvergnügen auf, ohne einen langen, anstrengenden Zustieg zu fordern und bietet einen schönen Wandersteig zurück ins Tal der alles andere als ein "Hatscher" ist.

 

Doch es gilt zu beachten: dieser Klettersteig ist sehr ausgesetzt, absolute Schwindelfreiheit ist hier Voraussetzung. Für Kinder ist er nicht geeignet, da die Stufen sehr weit auseinander stehen. Die Steiganlage erfordert eine hohe Kondition, viel Armkraft und etwas Kletterkönnen. Da es keine Wasserstelle im Steigbereich gibt, sollte man genug zu Trinken einpacken. Selbstverständlich sollte der Klettersteig nur mit kompletter Klettersteigausrüstung begangen werden. Ein guter Kletterhelm ist wichtig, da der gesamte Klettersteig stark Steinschlaggefährdet ist.

 

 

Die Anfahrt

Von München aus auf der A 8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Piding/Bad Reichenhall fahren und weiter Richtung Aufham halten. In Urwies links abbiegen und dem Wegweiser zum Wanderparkplatz folgen

Der Zustieg

Vom Wanderparkplatz geht es über eine beschilderte Forststraße erst einmal mäßig bergauf. Wir passieren einen mühevoll angelegten Bergblumengarten und erreichen kurz vor der Steiner Alm die Abzweigung zum Einstieg. (Schild Pidinger Klettersteig) Zuerst geht es noch auf einem Forstweg, dann auf Steigspuren zum Anfang des Klettersteiges. Am Einstieg angekommen, legen wir unsere Klettersteigausrüstung an.

Der Klettersteig

Die steile Einstiegswand (C) hat es in sich. Wer dort Zweifel oder Schwierigkeiten hat, sollte lieber umdrehen und den schönen Wandersteig über die Steiner Alm zum Gipfel nutzen. Hat man den Einstieg und ein leichteres Seilstück (B) hinter sich gelassen, kommt erst mal ein Stück (A) in einer Rinne, das uns zum verschnaufen einlädt. Zwei kurze Seilstücke folgen (B). Am Ende der Versicherung queren wir die Rinne, um auf der rechten Seite weiter aufzusteigen (A). Die Querung ist durch einen Steinmann markiert. Wir folgen den Steigspuren bis zum Beginn der Versicherungen am Anfang eines großen Schuttfeldes. Die Versicherungen (A/B) hinauf bis zum Notausstieg (Beschildert). Wer bis dahin Schwierigkeiten hatte, sollte lieber den Notausstieg wählen. Dieser führt auf den besagten Wandersteig Richtung Gipfel oder bergab zur Steiner Alm.


Weiter geht es für uns über einen steilen Pfeiler (C), danach folgt eine Steilwand, die uns nach links in eine sehr steile Rinne (C+) führt. Am Pfeilerkopf erreichen wir über eine kurze steile Wandstelle (C) einen Blockgrat (A/B). Der Blockgrad führt zum letzten Steilstück (C) vor einer zweiten langen Querung. Die Querung beginnt bei einer Kante und führt uns abwärts zu einer Rinne (B), auf der anderen Seite der Rinne geht es leicht aufwärts (A), bis zum Schuttkessel. Hier machen wir eine kurze Pause, bevor wir über eine kleine Plattenzone (B) zum letzten langen Steilstück kommen.


Im letzten Teilstück machen sich bei mir langsam die fehlenden Kraftreserven bemerkbar. Zuerst geht es über die erste Steilwand hinauf (B und B/C), über die es dann sehr steil (C und C/D) zu einer kurzen flachen Passage geht, vor dieser Passage kommt noch eine glatte trittlose Rampe (C). Diese trittlose Rampe ist schon sehr abgespeckt. Ein wenig Klettererfahrung ist hier von Vorteil. Ist das kurze Stück geschafft, geht es steil aufwärts (C) links in einer Kante, eine kurze Rechtsquerung (B) führt in ein Steilstück (C). An dessen Ende klettern wir um die Kante und über eine kurze Platte (B) zum Absatz, hier könnte man zum Wandbuch queren um nach oben zu klettern. Wie bleiben aber auf den versicherten Klettersteig. Die letzte Wandstelle (C) leitet auf ein Grat (B) der zum Ausstieg hin immer flacher wird (A), bis wir auf dem Gipfelplateau stehen. Geschafft! Auf dem Plateau treffen wir nicht nur auf verwunderte Wanderer, die scheinbar nicht wussten wo wir so plötzlich herkommen, sondern auch auf den Normalweg, der uns in wenigen Minuten zum Gipfel führt.

Topo Klettersteig

Leichter Überhang

Am Gipfel

Auf dem Gipfel angekommen genießen wir den wunderschönen Rundumblick des Berges : der Chiemsee, das Alpenvorland, Piding und Bad Reichenhall, bevor es auf eine "Gipfelhalbe" zum nahegelegenen Bad Reichenhaller Haus geht (5 Min. vom Gipfel).

Dort lassen wir unsere Eindrücke des Steiges revue passieren. Für mich ist klar, das die Kletterpassagen nicht das Schwierigste an diesen Steig sind, sondern die Nordlage und die Länge.

 

Gipfelglück, zu sehen ist die mögliche Überschreitung zum Nachbarn, den Zwiesel. (Bild: selbst gemacht)

Der Abstieg

Gestärkt folgen wir den Wandersteig talabwärts, immer nach der Beschilderung (Steiner Alm). Ab der Steiner Alm, die auf eine gemütliche Brotzeit einlädt, beginnt der Forstweg, der uns zum Wanderparkplatz führt (Beschildert).

 

Eine anstrengende aber lohnende Tour, die viele schöne Eindrücke zurücklässt.

Ausblick von der Steiner Alm auf den Hochstaufen (Bild: selbst gemacht)

Fakten

  • Schwierigkeit: D (sehr schwierig)
  • Höhenmeter gesamt: 1300 m
  • Höhenmeter Klettersteig: 710 m
  • Dauer Zustieg: ca. 1 Stunde
  • Dauer Klettersteig: ca. 3-4 Stunden
  • Dauer Abstieg: ca. 2,5 Stunden
Autor seit 4 Jahren
2 Seiten
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