Mysteriös bis zum Tode - Vom Leben und Sterben Münzenbergs

Wohl kaum jemand kennt noch seinen Namen, in den 1920er Jahren rankten sich aber zahlreiche Legenden um ihn : Willy Münzenberg. Er stand einem Medienimperium vor, das damals immer wieder mit dem Hugenberg-Konzern, dem führenden Medienkonzern der Weimarer Republik, verglichen wurde, deshalb auch oft der Beiname : Der rote Hugenberg.

Münchenberg zeichnete für Buchverlage (den "Neuen Deutschen Verlag"), verantwortlich, für Zeitungen (die "Arbeiter Illustrierte Zeitung", "Welt am Abend", "Berlin am Morgen"), eine Filmproduktionsgesellschaft ("Meschrabpom"), sogar eine Tabakfirma!

 

Diese Firmen existierten im Umfeld der kommunistischen Partei und der "Internationalen Arbeiterhilfe", besonders die Medien zeichneten sich dadurch aus, dass sie einen weniger hölzernen Ton als kommunistische Blätter aufwiesen und Kontakte zu vielen Prominenten hatten (z.B. Egon Erwin Kisch, Tucholsky und andere).

Münzenberg war prominent, beliebt, passte aber gar nicht recht in das Klischee eines führenden Kommunisten. Nach dem Reichstagsbrand mußte er sofort fliehen, über das Saarland entkam er nach Frankreich. Er stand auf der ersten Ausbürgerungsliste des 3.Reiches und wurde von den Nazis in ganz Europa gesucht.

In Paris war er besonders engagiert in der Schaffung einer Volksfront gegen die Nazis - 1935 gab es hier den berühmten Schriftstellerkongreß im Hotel "Lutetia".

Als diese Initiative (unter anderem wegen zu großer Meinungsverschiedenheiten) scheiterte, begann auch der Prozeß der Ablösung Münzenbergs von der KPD. Seine unabhänge Stellung prädestinierte ihn eigentlich ihn eigentlich zum Sündenbock und Stalin-Opfer, als er sich weigerte, zum Rapport in Moskau zu erscheinen, kam es dann zum offenen Bruch mit den Kommunisten.

Sein Ende bleibt mysteriös : 1940 überfallen die Deutschen Frankreich, alle Ausländer "feindlicher" Staaten werden interniert. Das stellte eine tödliche Gefahr für deutsche Nazigegner dar, doch noch in die Hände der Gestapo zu fallen. Ende Juni wird ein Konvoi von Flüchtlingen im Rhone-Tal aufgelöst, man soll nun versuchen, sich auf eigene Faust nach Südfrankreich durchzuschlagen. Münzenberg macht sich mit 4-5 Schicksalsgenossen auf den Weg, in der Nähe der Stadt St. Marcellin verlieren sich die Flüchtlinge...

Im Oktober 1940 findet man dann am Waldesrand des Dorfes La Montagne eine Leiche mit den Ausweispapieren Willy Münzenbergs, der Fund wird in Lokalzeitungen gemeldet.

Herrschte bei der Gestapo, die uin ganz Europa nach ihm fahndete, noch Unklarheit, so erreichte die Nachricht vom Tode allmählich die deutschen Emigrantenkolonien weltweit. Sofort entstanden Gerüchte, die sich noch jahrzehnte lang hielten : hatte ihn vielleicht die Gestapo doch erwischt? Hatte ihn vielleicht der sowjetische Geheimdienst unter Berija auf dem Gewissen? Hatten ihn (das behauptete eine französische Journalistin in einer New Yorker Zeitung) gar kommunistische Mithäftlinge als Verräter hingerichtet?

1995 entdeckte ein Historiker in einem alten Koffer mit Dokumenten aus Frankreich einen Bericht, der deutlich auf einen Selbstmord Münzenbergs hinweist. Die treuen Mitarbeiter Münzenbergs aus seiner Berliner und Pariser Zeit ereilte zumeist ein grausames Schicksal : sie starben entweder in deutschen oder sowjetischen Lagern, wurden in den 50er Jahren in stalinistischen Schauprzessen zum Tode verurteilt, einige, wenige wurden bekannte Schriftsteller z.B. Arthur Köstler.

Während man ihn in Deutschland fast vergessen hat, gab es im Ausland (Frankreich, USA) eine Münzenberg-Renaissance mit zahlreichen Publikationen.

Lutetia-Kreis von Nazi-Gegnern

Der Lutetia-Kreis war ein Komitee verschiedener politischer Strömungen, die einen antifaschistischen Grundkonsens hatten. Nach ihrem Tagungsort, dem Hotel Lutetia in Paris, wurde dieser Kern einer deutschen Volksfront als Lutetia-Kreis bekannt.
Der mysteriöse Ort des Todes von Willy Münzenberg

Führungen durch das alte Berliner Presseviertel

http://www.berlinkompakt.net/

Eine frühere Theorie zum Tode Münzenbergs
Frühzug nach Toulouse
Autor seit 6 Jahren
32 Seiten
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