Substitutionale und limitationale Produktionsfaktoren

Im Prinzip setzt sich jede herstellende Tätigkeit aus einer Kombination solcher Möglichkeiten zusammen. Die verschiedenen Bestandteile einer Fertigung heißen Produktionsfaktoren. Dazu gehören Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe ebenso, wie menschliche oder maschinelle Arbeit. Kategorisiert werden die Produktionsfaktoren nach ihrer Einsatzfähigkeit in substitutional und limitational.

  • Limitationale Faktoren weisen eine "natürliche" Begrenzung auf. Wenn etwa eine Druckmaschine für eine Zeitschrift eine Minute benötigt, ist das Verhältnis Maschinenstunden zu Arbeitsstunden von vornherein fest definiert. Zwei Zeitschriften dauern also zwei Minuten... Die zusätzliche Bereitstellung von Papier oder Bedienpersonal führt in diesem Fall zu keiner Änderung.
  • Substitutional hingegen bedeutet, dass ein Faktor austauschbar ist. Beispielsweise könnte die vollautomatische Montage einer Baugruppe ebenso in Handarbeit durch einen Arbeiter erfolgen. Zusätzlich erforderliche Maschinenstunden könnten damit auch durch den entsprechenden Mehraufwand an manuellen Arbeitsstunden ersetzt werden.

Das Ertragsgesetz und seine Entdeckung

Beim Einsatz substitutionaler Produktionsfaktoren kommt es zu einer durch das Ertragsgesetz definierten Entwicklung. Als eine der ältesten Erkenntnisse der Produktionstheorie beschreibt es folgenden Sachverhalt: Wird ein Produktionsfaktor gesteigert, während alle anderen Faktoren konstant bleiben, führt dies zunächst zu steigenden, später zu sinkenden und schließlich zu negativen Ertragszuwächsen. Dargelegt wurde diese Tatsache erstmals von Anne Robert Jacques Turgot (1727-1781).

Der Ökonom plante umfassende Wirtschaftsreformen im merkantilistischen Frankreich, scheiterte aber am Widerstand des Adels. 1768 formulierte er die oben beschriebene Tatsache als "Gesetz vom abnehmenden Bodenertrag". Einige Jahrzehnte später überprüfte und konkretisierte der Deutsche Johann Heinrich von Thünen (1783-1850) diese Aussage und nannte sie "Gesetz vom abnehmenden Bodenertragszuwachs".

Die vier Entwicklungsphasen nach dem Ertragsgesetz

Die Grundaussage dieser heute kurz als Ertragsgesetz bezeichneten Formel lässt sich in vier Abschnitte unterteilen. Dabei wird nicht nur der Gesamtertrag betrachtet, sondern auch der so genannte Durchschnittsertrag. Jener gibt das Verhältnis zwischen dem Gesamtertrag und der dafür aufgewendeten Menge wieder. Das Verhältnis dieser Größen zum Ertragszuwachs stellt sich demnach wie folgt dar:

  1. Zunächst zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Gesamtertrag und Durchschnittsertrag steigen. Der Ertragszuwachs erreicht seinen höchsten Wert.
  2. Der Gesamtertrag steigt weiter. Der Durchschnittsertrag erreicht sein Maximum. Der Ertragszuwachs ist jedoch bereits rückläufig, so dass die Erträge langsamer ansteigen.
  3. Der Gesamtertrag erreicht seine Obergrenze. Durchschnittsertrag und Ertragszuwachs sinken. Letzterer fällt bis zum Nullwert ab. Die Erträge steigen also nicht mehr weiter an.
  4. Im letzten Abschnitt dieses Vorgangs sinken alle drei Werte ab. Es kommt zu Verlusten, da der Ertragszuwachs negativ ist.

Kritik und heutige Einordnung des Ertragsgesetzes

Dieses Vier-Phasen-Schema wurde im 20. Jahrhundert durch Erich Gutenberg definiert. Der Wirtschaftswissenschaftler erkannte jedoch auch die Schwächen des Rechenmodells. Das Ertragsgesetz erfordert beispielsweise den Einsatz rein substitutionaler Produktionsfaktoren. Deren Kombination unterliegt zudem nicht nur ökonomischen, sondern auch technischen Begrenzungen. Aufgrund der deshalb recht theoretischen Ausgangssituation kann das Ertragsgesetz nur in der Landwirtschaft (aus der es ursprünglich entwickelt wurde) Anwendung finden. Die eingesetzten Faktoren heißen dabei Boden, Arbeit und Kapital. Den unter diesen Bedingungen im Ertragsgesetz beschriebenen Verlauf formulierte Erich Gutenberg als "Produktionsfunktion Typ A".

In weiteren Funktionstypen hingegen wird den Gegebenheiten anderer Wirtschaftszweige Rechnung getragen. Hier kommen verstärkt limitationale Faktoren zum Einsatz. Dennoch ist bis heute die Diskussion darüber nicht verstummt, inwiefern das Ertragsgesetz beispielsweise auch industriell anwendbar ist.

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