Ich unternehme mit dem folgenden Beitrag den Versuch die Zielgruppen der Abspeckindustrie vor einer Reihe der größten und hartnäckigsten Unwahrheiten im Diät-Geschäft zu warnen.
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Zu viel Diät!

01 Gute und schlechte Nahrungsmittel

Es gibt keine guten und schlechten Nahrungsmittel. Es gibt nur vernünftige und unvernünftige Ernährungsweisen. Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, kann sich auch seine Pizza, den Cheeseburger, die Schokolade oder das Sahneeis gönnen. Wer sich ausschließlich von Junk Food oder Süßkram ernährt, findet diese auf Hüften und Bauch als Speckrollen wieder. Den ständiger Verzicht auf Leckereien hält kaum jemand lange durch. Er schlägt auf die Stimmung, macht dich ungenießbar und läßt dich über kurz oder lang gegen jede strenge Diät sündigen. Essen muß Spaß machen und Genuß bringen, sonst klappt es mit dem Abnehmen nicht.

02 Verzicht auf Fett macht schlank

Dem Körper ist es völlig egal, aus welchen Nährstoff (Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate) er seine Energie bezieht. Fett ist zudem ein natürlicher Geschmacksverstärker. Kein Sternekoch der Welt würde fettreduzierte Magarine für seine Gerichte verwenden! Fettarme Diäten sind auf Dauer genauso wirkungslos wie kohlenhydratreduzierte bzw. alle auf eine einseitige Ernährung ausgerichteten Diäten.
Ausschlaggebend für eine Gewichtsabnahme ist das Verhältnis von aufgenommener Energie (Kalorien/Joule) zu verbrauchter Energie. Nur wenn du längerfristig mehr Energie verbrauchst, als über Nahrungsmittel aufnimmst, kannst du dein Körpergewicht reduzieren.

03 Diätprodukte machen schlank

Fettreduzierte Produkte schmecken künstlich. Anstatt Fett beinhalten sie mehr Kalorien (Energie) über Kohlenhydrate (Zucker) plus ungesunde Zusatzstoffe, wie etwa Geschmacksverstärker. Den Körper kannst du auf Dauer nicht überlisten, da er auf seine benötigte Energiemenge pocht. Du wirst mehr von den Diätprodukten essen, als du es von Vollwert- und Vollfettprodukten tun würdest, da der Sättigungseffekt fehlt. Zudem verzichtest du auf das zufriedenstellende Geschmackserlebnis.

04 Mahlzeiten ausfallen lassen macht schlank

Dem Körper ist es völlig egal, wann du etwas isst. Er braucht eine bestimmte Menge an Energie und die fordert er ein. Wenn du abends nichts mehr isst, wirst du spätestens am nächsten Morgen mit einem Heißhunger erwachen, da du auch nachts Energie verbrauchst, um deine Körperfunktionen aufrecht zu erhalten.
Ob du am frühen oder späten Abend etwas isst, beeinträchtigt allenfalls deine Schlafqualität, aber nicht dein Körpergewicht. Auch das Frühstück ausfallen zu lassen, ist eine schlechte Idee, da dein Körper über Nacht die Energie aus deinen Glykogenvorräten benutzt hat, um deine Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und dein Blutzuckerspiegel damit ziemlich abgesunken ist. Zusätzlich ist dein Körper durch nächtliche Atmung und das Schwitzen dehydriert. Beides beeinträchtigt deine Konzentration und Vitalität am Morgen. Ausschlaggebend für eine Gewichtsabnahme ist die längerfristige, negative Gesamtkalorienbilanz und nicht, wann du innerhalb von 24 Stunden etwas isst.

05 Moderater Sport macht schlank

Drei mal pro Woche eine halbe Stunde moderater Sport ist besser als gar keine körperliche Bewegung – aber die zusätzliche Energie, die du dabei verbrennst, reicht für eine Gewichtsreduktion leider nicht aus. Dein Körpergefühl und Wohlbefinden steigert sich, aber die Fettpölsterchen bleiben. Um ein Kilogramm Körperfett abzubauen, musst du ca. 7000 kcal verbrennen. Wenn du ein Herzfrequenzmessgerät mit Kalorienverbrauchsanzeige besitzt und deine korrekten Daten (Körpergröße, Gewicht etc.) eingegeben hast, kannst du selbst testen wie lange und intensiv du dich sportlich betätigen musst, um ungefähr 1000kcal zu verbrauchen. (Die Werte deines HFmessgerätes sind dabei keine exakten Werte, sondern Näherungswerte.)

06 Abführmittel machen schlank

Abnehmen wirst du dadurch nicht, dass die einmal zu sich genommene Nahrung schneller aus deinem Körper hinausbefördert wird. Mit Abführmitteln störst du die Funktion deines natürlichen Verdauungssystems und in größerem Ausmaß den Elektrolyt- und Wasserhaushalt deines Körpers, was zur Abhängigkeit und schweren Mangelzuständen führen kann. Dein Verdauungstrakt wird durch eine längerfristige Einnahme von Abführpräparaten träge und damit abhängig, d.h. er kann nicht mehr ohne die Hilfe des Abführmittels arbeiten. Abführmittel dehydrieren den Körper, da die Nahrung verflüssigt schneller durchrutschen kann. Ein Wasserentzug und eine damit einhergehende erhöhte Wasserausscheidung, schwemmt auch mehr Mineralstoffe aus, was zu weiteren Mangelzuständen führen kann.

07 Mit Nahrungsmitteln „essend Fett verbrennen“

Immer wieder werden bestimmte Lebensmittel als "fatburner" oder "Stoffwechsel-Booster" propagiert. Was die Werbung verschweigt: Um tatsächlich einen fettverbrennenden Effekt zu generieren, musst du dich ausschließlich von dem Lebensmittel ernähren und so große Mengen davon vertilgen, dass du ein Zeit-Volumen-Problem herauf beschwören würdest. Das heisst du bist nicht dazu in der Lage, die dazu benötigte Nahrungsmenge innerhalb von 24 Stunden zu vertilgen. Die Eintönigkeit der Diät verhindert ein längerfristiges Durchhalten und damit eine Gewichtsreduzierung. Und: Jede einseitige Ernährung begünstigt das Entstehen von Mangelzuständen.

08 X Prozent der deutschen Bevölkerung muss abnehmen

Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht. Was heutzutage über die Medien, von Ärzten und Ernährungsgesellschaften als Normal- oder gar Idealgewicht propagiert wird, entspricht keinem gesunden Körpergewicht – jedenfalls nicht für das Gros der Menschen, die damit traktiert werden.
Abgespeckte Dicke sind nicht gesünder als Dicke und sie leben auch nicht länger.
Unangenehme Nebeneffekte des Abspeckens können sein: Jojo-Effekt, Herzrhythmusstörungen bis zum Herzinfarkt, Gallensteinbildung, Osteoporose, Knochenbrüche, erhöhter Harnsäurespiegel, Störungen der Leberfunktion, Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt, Verlust von Muskelmasse, Diabetes und Eßstörungen.

09 Am besten ist das Idealgewicht

Urheberin des Idealgewichtwahns war eine amerikanische Versicherungsgesellschaft, die danach trachtete Ihr Prämiensystem zu optimieren. Anhand von Aufnahmeanträgen und Totenscheinen wurden Daten von fünf Millionen Männern und Frauen analysiert, die bei der Gesellschaft eine Lebensversicherung im Zeitraum von 1935 bis 1953 abgeschlossen hatten und daraus eine Tabelle gebastelt, die das "ideale Körpergewicht" repräsentieren sollte, bei dem die Sterblichkeit am geringsten ist. Wer mehr wog, zahlte mehr. Komisch, dass bereits beim ersten Erscheinen der Tabelle im Jahr 1959, das "Idealgewicht" zwischen sieben und elf Kilogramm unter dem Durchschnittsgewicht des amerikanischen Bürgers lag...ein gelungener finanzieller Schachzug.

10 Crash-Diäten

Drei Kilo in zwei Tagen. So oder so ähnlich sehen die Schlagzeilen jedes Jahr zur Badesaison aus. Was du in so kurzer Zeit über Diäten verlieren kannst, ist Wasser - keine Fettmasse. Und die so verlorene Flüssigkeitsmenge ersetzt sich bei der Abkehr von der Diät und Rückkehr zu den ursprünglichen Essgewohnheiten sehr schnell. Hochleistungssportler in Sportarten mit Gewichtsklassen nutzen solche Crash-Diäten um sich in die nächst niedrigere Gewichtsklasse zu schummeln. Die negativen Konsequenzen solcher Diäten sind meist Jojo-Effekt, Gewichtszunahme und die Begleitsymptome einer Dehydrierung.
Autor seit 6 Jahren
5 Seiten
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