So kennt man sie: Die Amsel

Wer sie ist

Die Amsel ist ein Singvogel und gehört zur Familie der Drosseln. Ihr lateinischer Name turdus merula bedeutet in der deutschen Übersetzung "Schwarzdrossel".

Zu den engen Verwandten der Amsel gehören die Singdrossel, die Misteldrossel, die Wacholderdrossel oder die Ringdrossel.

Wie sie aussieht

Männliche Amseln sind schwarz gefärbt und haben einen leuchtend gelben oder orangefarbenen Schnabel. Je leuchtender die Schnabelfarbe desto attraktiver wirken Amselhähne auf das weibliche Geschlecht.

Kurios: Die Blütenfarbe gelber Blumen wie z.B. die der Krokusse scheint Amselmännchen an die Schnabelspitze der Rivalen zu erinnern. Bei der Revierverteidigung kommt es deshalb immer wieder vor, dass Amselhähne in Blumenbeeten "randalieren":

Gelb macht Amselmännchen wütend

Das typische tropfenförmige Gefiedermuster der Drosseln haben auch die Amseln - bei den männlichen Vögeln ist jedoch so viel schwarzes Pigment (Melanin) in den Federn abgelagert, dass man die Musterung nicht mehr erkennen kann.

Deutlicher zu sehen ist sie bei den weiblichen Amseln. Wie bei vielen Vogelarten sind die Amselweibchen schlichter und unauffälliger gefärbt als die Männchen. Sie tragen ein dunkelbraunes Tarnkleid und haben auch eine weniger auffallende Schnabelfarbe.

Amselmännchen

Amselmännchen (Bild: Guillermoleconde / Pixabay)

Wo sie lebt

Noch vor über 150 Jahren lebten die Amseln scheu und zurückgezogen im Wald. Damals gab es in den Städten kaum Vögel - nur Turmfalken, Tauben und Sperlinge hatten die hohen Stadtmauern überwunden und sich der Lebensweise in den Städten angepasst.

Die Amseln folgten erst als die Siedlungen grüner wurden, es mehr naturnahe Vororte und Gärten gab. Man nennt sie deshalb einen Kulturfolger.

Noch vor dem 1. Weltkrieg waren nur westlich der Oder-Neiße-Linie Stadtamseln zu finden.

Inzwischen gibt es Amseln in ganz Deutschland - in Gärten, Parks und auch in städtischen Zentren und Industriegebieten. Nach dem Sperling ist die Amsel die häufigste Vogelart Deutschlands, in beinahe allen Arten von Landschaften - Streuobstwiesen, Wäldern, Gärten, Feldern, ... - kommt sie heute vor.

Erstaunliches haben Forscher festgestellt: Durch das wärmere Klima in den Städten werden Amseln früher paarungsbereit, Hoden und Keimdrüsen der Amselmännchen können früher reifen. Auch sollen Amselmännchen in der Stadt doppelt so lange leben wie Amselweibchen.

Amselweibchen

Amselweibchen (Bild: Guillermoleconde / Pixabay)

Wie sie lebt

Amseln ernähren sich vorwiegend von Würmern, Insekten, kleineren Wirbeltieren, Beeren und Früchten.

Das Online-Lexikon Wikipedia schreibt: "Es gibt viele Beobachtungen von ungewöhnlich erscheinenden Ernährungsgewohnheiten bei Amseln. Hierzu zählen das Plündern der Nester anderer Drossel- und Finkenarten sowie der Verzehr aus dem Nest gefallener Sperlinge. Auch Aas wird offensichtlich verwertet, zudem gibt es Berichte über Koprophagie (Verzehr von Kot) und Kannibalismus."

Als Freibrüter bauen Amseln offene Nester, gerne etwas höher gelegen in Bäumen oder Büschen. Allerdings sind sie, was den Nistplatz betrifft, nicht wählerisch: Auch Kräne, Autos, Leuchtreklame oder der Gepäckträger eines Fahrrads mussten schon als "Amselwohnung" herhalten.

Dabei, so Wikipedia, haben sie offenbar "eine Vorliebe für runde Buchstaben und eine offensichtliche Abneigung gegen die Farbe Rot."

Amseln können im Jahr bis zu 4 Bruten haben, meist besteht ein Gelege aus 4 bis 5 Eiern. Die Jungen bleiben etwa 14 Tage im Nest und werden dann noch weitere 3 Wochen von ihren Eltern gefüttert. Das Weibchen brütet alleine, die Fütterung der Jungen übernimmt das Amselpaar gemeinsam.

Die Amsel gehört zu den Teilziehern, das bedeutet, dass einige Vögel im Brutgebiet bleiben, andere sich dem Vogelzug anschließen. Bei den Stadtamseln ist der Zugtrieb meist vollständig erloschen. Das wärmere Klima und das günstige Nahrungsangebot sorgen dafür, dass Amseln in der Stadt das ganze Jahr über gut versorgt sind.

Wie sie klingt

Berühmt sind die Amselmännchen für ihren Gesang. (Die Amselweibchen singen nur selten und eher verhalten.) Meist singt die Amsel als erster Vogel am Morgen und als letzter Vogel am Abend. Amselmännchen singen bevorzugt von hohen Warten aus, ihr Repertoire kann bis zu 100 individuelle Strophen umfassen. Wer genau hinhört, kann im Amselgesang das Schlussmotiv von Beethovens Violinkonzert erkennen - wer da wohl wen inspiriert hat? 

Die Reviergesänge der Amselhähne nennt man Kontersingen: Die Männchen singen gegeneinander an, antworten mit eigenen Strophen auf die Gesänge der Rivalen. Die Botschaft ist deutlich: "Hier herrsche ich!"

Auch die Alarmrufe der Amsel wird jeder schon einmal gehört haben: Das erregte Zicken gilt Feinden am Boden, ein hohes Fiepen dagegen warnt vor Feinden in der Luft.

... und wer ist eigentlich die Wasseramsel?

Direkt mit den Amseln bzw. den Drosseln verwandt ist die Wasseramsel (cinclus cinclus) nicht.

Trotzdem ist der kleine Singvogel, der auch im Aussehen ein bisschen an die Amsel erinnert, ein faszinierendes Tier: Wasseramseln sind perfekte Unterwasserjäger, können beim Tauchen die Nasenlöcher verschließen, unter Wasser "fliegen" und auf dem Grund eines Gewässers gegen den Strom anlaufen.

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