Ist die Blindschleiche eine Schlange?

Nein. Obwohl die Blindschleiche weder Arme noch Füße hat, ist sie keine Schlange. Sie ist eine Echse aus der Familie der Schleichen. Früher einmal ging sie wie andere Echsen auf vier Beinen, inzwischen sind davon jedoch nur noch Becken- und Schulterknochen übrig.

Anders als die Kreuzotter ist die Blindschleiche keine Giftschlange
Kreuzotter

Kreuzotter (Bild: Mark Hamblin / AllPosters)

Ist die Blindschleiche wirklich blind?

Nein. Sie hat Augen und kann sehen. Woher der Name Blindschleiche kommt, weiß man nicht genau. Möglicherweise hielten die Menschen das kleine Reptil früher tatsächlich für blind. Sowohl die französische als auch die italienische Bezeichnung für die Blindschleiche gehen auf das lateinische Wort "orbus" (= blind) zurück.

Es wird aber vermutet, dass die Blindschleiche ihren Namen vom althochdeutschen Wort "plint" bekommen hat, das "blendend" bedeutet. Das "blenden" oder "blinken" bezieht sich auf das metallisch glänzende Schuppenkleid der Echse.

Unwahrscheinlich ist auch die Vermutung, dass sich das "blind" auf die "blinden" bzw. fehlenden Extremitäten der kleinen Schleiche bezieht.

Übrigens: Wenn man genau hinguckt, dann sieht man, dass die Blindschleiche nicht nur Augen hat, sondern auch Augenlider. Ein weiterer Punkt, der sie von den Schlangen unterscheidet. Eine Blindschleiche kann blinzeln, eine Schlange kann das nicht.

Blindschleichen haben Augen und können sehen

Ist die Blindschleiche giftig?

Nein. Denn – wie bereits erklärt – ist die Blindschleiche eine Echse, keine Schlange. Sie ist völlig harmlos und kann auch Hunden und Katzen keinen Schaden zufügen – das geht leider nur umgekehrt.

Kann die Blindschleiche beißen?

Wie jedes andere Tier kann natürlich auch eine Echse wie die Blindschleiche beißen, wenn sie sich in einer Notsituation befindet und sich wehren möchte. Dieser Fall scheint aber extrem selten zu sein und ein Biss der Blindschleiche könnte einem Menschen wohl kaum Schaden zufügen. Die Blindschleiche lebt so scheu und unauffällig, dass sie es auf eine Konfrontation mit Menschen niemals anlegt.

Eine Vergiftung durch den Biss einer Blindschleiche muss weder Mensch noch Tier fürchten.

Wirklich gefährlich werden kann die Blindschleiche vor allem den Nacktschnecken – die sind neben Regenwürmern, Insekten und Spinnen ihre bevorzugte Beute.

Eidechsen: Die wahren Verwandten der Blindschleiche

Warum nennt man die Blindschleiche "zerbrechlich"?

Anguis fragilis lautet ihr lateinischer Name, auf Deutsch: "zerbrechliche Schlange". Im Volksmund wird sie auch als "Glasschlange" bezeichnet.

Da die Blindschleiche weder besonders wehrhaft ist noch im Notfall Gift verspritzen kann, bleibt ihr – neben der Tarnung - nur eine Strategie, um es mit Beutejägern aufzunehmen: Die kontrollierte Selbstverstümmelung. Das bedeutet: Die Blindschleiche wirft im Notfall ihren Schwanz ab. Sollbruchstellen an jedem Schwanzwirbel machen das möglich. Allerdings wächst der Schwanz später nicht mehr nach, nur noch ein Stumpf bleibt erhalten.

Wo kann man Blindschleichen sehen?

Die Blindschleiche ist in ganz Europa verbreitet und man kann sie in fast allen Arten von Landschaften antreffen. Besonders wohl fühlt sie sich dort, wo es feucht und pflanzenreich ist.

Sie lebt unauffällig und versteckt, nur in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung kommt sie zum Vorschein, um Beute zu suchen oder sich zu sonnen. Auch nach einem Regenschauer werden Blindschleichen aktiv, um Jagd auf Regenwürmer zu machen.

Wohl fühlt sich die Blindschleiche auch in einem naturnahen Garten – im Gegenzug hilft sie dem Hobbygärtner indem sie die ungeliebten Nacktschnecken vertilgt.

Lesetipp: Der eigene Garten als Oase für nützliche Tiere

Interessant:

  • Blindschleichen gibt es schon seit 70 – 130 Millionen Jahren.

  • Sie sind ovovivipar, das heißt: Sie legen keine Eier, sondern ihre Jungen werden lebend geboren.

  • Die englische Bezeichnung für die Blindschleiche ist slow worm, "langsamer Wurm".

  • In Gefangenschaft können Blindschleichen bis zu 50 Jahre alt werden.

  • Findet man eine Blindschleiche mit blauen Schuppen, handelt es sich dabei um ein älteres Männchen.

Bitte Augen auf und Rücksicht nehmen!

Die Blindschleiche steht wie alle Eidechsenarten Deutschlands auf der Roten Liste. Sie gilt als geschützt und darf nicht gefangen oder getötet werden.

Fehlender Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Pestizide und Schneckenkorn machen der Blindschleiche das Leben schwer. 

Besonders häufig wird sie aber zum Verkehrsopfer, überfahren oder zertreten. Wer also in den Frühjahrs- und Sommermonaten mit dem Auto zum Gartengrundstück fährt, mit dem Fahrrad oder als Spaziergänger auf Nebenstraßen und Feldwegen unterwegs ist, der kann der Blindschleiche mit ein wenig mehr Aufmerksamkeit helfen.

Gerne sonnt sie sich nämlich auf warmen Asphaltwegen und braucht, wie es ihr Name sagt, ein bisschen Zeit, um sich bei Gegenverkehr "davonschleichen" zu können.

 

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Die Blindschleiche und ihre Verwandten: Echsen in Deutschland (BUND.net)

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