Schwitzhütte (Bild: Fellwalker / Flickr)

Die Apachen haben ihre überlieferten Feuertänze bis heute bewahrt

Die Feuerrituale der meisten Völker haben ihren Ursprung in schamanistischen Gesellschaften der Eisenzeit in Zentralasien. Für die Jakuten, Mongolen und Tataren war das Feuer eines der größten Mysterien der Natur. Sie fürchteten und verehrten es gleichermaßen. Bei den Jakuten gab es ein Sprichwort, demzufolge der erste Schmied, der erste Schamane und der erste Töpfer Blutsbrüder waren. Vor allem der Schmied genoss höchste Achtung. Er war der "Meister des Feuers". Er schluckte glühende Kohlen, lief über die Glut und konnte mit bloßen Händen rotglühendes Eisen halten. Dschingis Khan, der Anführer der Tataren soll Hufschmied gewesen sein. Es wird behauptet, das er neben dem Feuer durch Erzeugung "innerer" und "spiritueller" Hitze in der Lage gewesen sei, eisiger Kälte zu widerstehen. Diese "übermenschlichen" Fähigkeiten machten ihn in den Augen der anderen zu einem Geist oder Halbgott.

Durch die prähistorischen Völkerwanderungen bis ca. 500 vor Christus kam das Wissen der Feuerbeherrschung bis nach China, Japan und Tibet sowie auf den indischen Subkontinent. Von Sibirien über Alaska gelangten die Rituale schließlich nach Amerika. Bis heute haben die in Kanada lebenden Huronen und die im amerikanischen Südwesten beheimateten Apachen ihre überlieferten Fähigkeiten fast unverändert bewahrt. Aber auch einige Prärie-Stämme, wie beispielsweise die Sioux und Cheyenne praktizieren Feuertänze. Die Schwarzfuß- und Pueblo-Indianer reiben sich mit der Asche ein.

Die Teilnehmer sitzen um das Feuer bis die Flammen erloschen sind

Die Feuerreinigungszeremonie der Navajo-Indianer gehört zu den interessantesten aller nordamerikanischen Ureinwohner. In ihr verbinden sich Elemente des Schamanismus und der uralten Saunakultur der Finnen. Durch das Entfachen eines lodernden Feuers in der Schwitzhütte (Hogan) bereiten sich die Dorfbewohner auf die jährliche Reinigung vor. Dann entkleiden sie sch. Geführt vom Schamanen betreten sie die Hütte und umkreisen das Feuer, während der Schamane Weihrauch als Opfergabe in die vier Himmelsrichtungen schwenkt. Anschließend folgt ein ritueller Tanz. Die Frauen drehen sich mit scharrenden Füßen um das Feuer. Die Männer überspringen die Flammen oder laufen durch sie hindurch. Nach dem Tanz sondern sich Männer und Frauen voneinander ab.

Der Schamane hält lange Holzpfähle ins Feuer, bis sie zu glühender Holzkohle werden. Diese legt er zunächst auf die eigenen Beine und anschließend auf die der anderen Dorfbewohner. Jene, die Schmerzen verspüren, müssen mit dem Beten fortfahren. Danach trinkt jeder eine Schüssel Salzwasser und erbricht sich in eine mit Sand gefüllte Schale. Jeder, der sich nicht erbricht, gilt als unrein und muss das Ritual wiederholen. Schließlich wird der Eingang der Hütte verschlossen und sowohl der Schamane als auch die Teilnehmenden sitzen um das Feuer, bis die Flammen verlöschen und die Asche auskühlt. Diese wird mit dem Erbrochenen vermischt und nach draußen gestellt, wo das Gemisch trocknet und vom Wind verweht wird.

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