Tierspuren im Sand (Bild: Brigitte Werner)

Das Fährtenlesen ähnelt dem Lesen von Buchstaben und Wörtern

Als sich die Weißen immer mehr im Gebiet der Indianer ausbreiteten, benutzten sie auf ihren Eroberungsfeldzügen stets indianische Scouts, die es meisterhaft verstanden, die Spuren ihrer eigenen Landsleute richtig zu deuten. Diese Fährtenleser trugen übrigens eine Mitschuld daran, dass die Indianer im Kampf gegen die Weißen unterlagen und ihres Landes beraubt wurden. Die Indianer beherrschten das Fährtenlesen in höchster Perfektion. Viele weiße Trapper und Scouts bemühten sich vergeblich, diese Kunst auch nur annähernd zu erlernen. Dabei ist das Fährtenlesen dem Lesen von Buchstaben und Wörtern sehr ähnlich.

Aus den kleinen und großen Spuren konnten die amerikanischen Ureinwohner Informationen herausziehen, die für ein ungeschultes Auge nicht sichtbar waren. Neben dem Aufspüren der Beute hatten es die Indianer auch beim Anschleichen zu einer unübertroffenen Perfektion gebracht. Wenn kleinere Gruppen von Jägern (meistens waren es nicht mehr als zwei bis drei Männer) jagbares Wild ausgemacht hatten, begann eine lautlose Hatz.

Erfolgreiche Jäger galten bei ihrem Stamm als Helden

Die Indianer stülpten sich Masken über, sodass sie von weitem wie Artgenossen dieser Tiere aussahen. Dann pirschten sie sich gegen den Wind an und töteten das Wild mit Pfeil und Bogen, manchmal sogar aus nächster Nähe mit dem Messer. Biber, Füchse und andere Pelztiere wurden in Fallen gefangen. Die Prärie-Indianer lebten zwar vorwiegend von der Jagd, jedoch ging es dabei nicht ausschließlich um den Nahrungserwerb. Sie hatte auch eine sportliche Note.

In harten Zeiten konnte das Erlegen eines großen Beutetieres für den Stamm zu einer Frage des Überlebens werden. Der erfolgreiche Schütze, der den Hirsch oder Bison getötet hatte, wurde hochgeehrt, und galt in seinem Stamm als Held. Nur ihm kam die Jagdtrophäe zu: Ein Horn oder der ganze Schädel, von großem Flugwild ein paar Schwungfedern und die Krallen, vom Raubwild und Wildschwein die Zähne. Einige Teile davon trug er stets in seinem Medizinbeutel bei sich. Für ihn war die Jagdtrophäe nicht nur Schmuck, sie war eine Auszeichnung.

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