Marine Le Pen und der Ball der Burschenschaften

Nur noch wenige Wochen trennen die Franzosen von der Präsidentschaftswahl. Marine Le Pen, Vorsitzende der rechtsextremen Front National, hat in ihrer Marketing-Strategie schon manches erreicht. Ihre islamophobe Basis beibehaltend konnte sie Wählergunst gewinnen vornehmlich durch ihre Kritik an Europa und am Euro, ihrem Ruf nach Schutzzöllen und nach dem Rückkehr des Franc. Wichtig war und ist auch das antisemitische Image ihrer Partei abzuschütteln und unerlässlich, um in der jüdischen Wählerschaft Fuss zu fassen. Denn ihr Vater ging gerne ans Eingemachte und die Front National des Jean-Marie Le Pen war für Frankreichs Juden nicht wählbar. Die Konzentrationslager seien ein Detail des Zweiten Weltkrieges gewesen, sagte der Vater. Die Tochter bekräftigt öffentlich, dass die Shoah ein in der Geschichte einmaliges Jahrhundertverbrechen sei, und Frankreichs Juden nehmen es aufmerksam zur Kenntnis, manche anerkennend, viele noch skeptisch. Die Strassen in den Vorstädten um Paris mit starkem moslemischem Anteil seien von den Moslems « besetzt », wenn sie ihre Freitagsgebete auf der Strasse abhalten, sagte die Tochter und leistete sich damit eine demagogische Umdeutung des Begriffes « Besetzung », der traditionell mit der Besetzung Frankreichs durch Nazideutschland verbunden wird, eine Besetzung, die « so inhuman nicht » gewesen sei, wie Le Pen, der Vater gesagt hat – das Appelationsgericht in Paris hat seine Verurteilung wegen dieser Äusserung kürzlich bestätigt. Während die Justiz sich also noch immer mit den antisemitischen Äusserungen von Jean-Marie Le Pen beschäftigt, vermeidet seine Tochter erfolgreich, ähnliche Äusserungen von sich zu geben. Aber es gibt nicht nur den Stil, die Worte, es gibt auch die Taten und der Umgang, den ein Politiker pflegt, beides kann Auskunft geben über dessen wahre Natur, jenseits von professionellen Marketingtechniken und Imagepflege.

 

Da gibt es doch diese Burschenschaft in Wien, auf deren Heimseite (altdeutsch für Homepage) man folgende kernige Sätze findet: « Im Bekenntnis an die Traditionen des deutschen Idealismus, fordern wir in Weiterentwicklung und Fortbildung unserer Mitglieder ebenso "germanistische”, wie "arministische” Werte für die burschenschaftliche Zukunftsbewegung ein. Nämlich jene deutschsittlichen und nationalpolitischen Werte des Benehmens und des Anstandes und der politischen Betätigung, welche in EHRE, FREIHEIT, VATERLAND ihre Versinnbildlichung finden und durch das schwarz-rot-goldenen Ethos der burschenschaftlichen Freiheits- und Einigungsbewegung symbolisiert sind. « Es handelt sich bei dieser Burschenschaft Olympia leider nicht um eine unbedeutende Gruppe. Im Gegenteil, sie ist die zur Zeit bekannteste der Burschenschaften. Einer der ranghöchsten Vertreter Österreichs, der dritte Nationalratspräsident Dr. Martin Graf, gehört ihr an. Die protokollarische Rangordnung führt den Nationalratspräsidenten an zweiter Stelle nach dem Präsidenten. Und der FPÖ gehört er auch an. Aber die Burschenschaft Olympia ist weltoffen, auch für den rechtsextremen Norbert Burger war Platz. Norbert Burger war Gründer der österreichischen NDP, die wegen Wiederbetätigung verboten wurde, er selbst wurde von einem italienischen Gericht wegen terroristischer Angriffe in Südtirol zu lebenslanger Haft verurteilt. Zu diesen Kreisen gehört nicht zuletzt auch der FPÖ-Obmann H.C. Strache, der sieben Jahre lang mit Burgers Tochter verlobt war, und dessen Biographie mit islamophober Hetze, rechtsextremen Verbindungen und Ausländerhetze hier Seiten füllen würde, ich will nur eines hervorheben. Im Gegensatz zu Deutschland, das im September 2009 gesetzlich Deserteure während des Zweiten Weltkrieges generell, nicht mehr erst nach Einzelfallprüfung, als NS-Justizopfer rehabilitierte, wurde die auch für Österreich geforderte Debatte darüber von Strache abgelehnt, denn: die Deserteure der Wehrmacht seien "oftmals Mörder gewesen" seien, sie hätten "eigene Kameraden und Soldaten vielleicht teilweise auch erschossen und umgebracht". (2)

 

Diese illustre Truppe lud zu einem Ball ein, an der rechtsextreme Burschen und Mädels aus ganz Europa kamen: der Vlaams-Block, die Front National … Ein Strauss, wie Jean-Marie Le Pen antisemitisch witzelte, ohne Kahn (eine Anspielung auf Dominique Strauss-Kahn) (3)

 

Nun gibt es aber nicht nur Strache, es gibt auch Lasar. David Lasar, Wiener Gemeinderat der FPÖ, « nicht amtsführender » Stadtrat, Jude, Mitglied der Israelitischen Kulturgemeinde. Gemeinsam haben sie in Israel den Siedlern ihre volle Unterstützung zugesichert, was konservative Juden anerkennend registrierten. Auch nach Lybien reiste Lasar und bekundete Gaddafi seine volle Sympathie. Seine antiislamistische Haltung wird von nicht wenigen Juden oft als Kritik verharmlost – wissen sie, dass er behauptet hat, dass alleine im Wiener Allgemeinen Krankenhaus in muslimischen Familien pro Jahr fünfzig behinderte Babys geboren werden, gezeugt durch Inzest-Beziehungen? (7)

 

Dass nicht nur Lasar sondern auch der jüdische Schwede Kent Ekeroth an diesem Ball teilgenommen haben, ist für manche französische Juden der Beweis dafür, dass die Teilnahme Marine Le Pens daran nicht zu verurteilen sei. Immerhin bekämpfe sie wie Strache nur den Islamismus und sie hatte gesagt, dass sie die Shoah überhaupt nicht gut fände. Auch die Sympathie Straches für Israel und seine Siedler wird benutzt, um die antisemitischen Tendenzen der Veranstalter des Balls der Vampire zu verleugnen, an dem auch die « Fledermaus » (so der französische Präsidentschaftskandidat Mélénchon über Marine Le Pen) teilnahm.

 

 

Der Philosoph Bernard-Henri Levy, so behauptet die UFJ Union des Français Juifs, hätte die Unwahrheit gesagt über den Ball der Vampire. Er hätte behauptet, er wäre für Juden verboten, was nicht der Fall sei, siehe Lasar, siehe Ekeroth. Und im Internet heisst es dann, er würde wider besseres Wissen den Antisemitismus instrumentalisieren.

 

In Wahrheit spielte Bernard-Henri Levy darauf an, dass die Veranstalter des Balls der Vampire Journalisten nicht zuliessen, laut L'Express wurden 12O professionellen Journalisten der Zutritt versperrt. Damit wäre eine Teilnahme von Juden « verboten », « de facto », von einem tatsächlichen Verbot sprach er nicht, sondern eher von einer moralischen Unmöglichkeit.(8)

 

 

 


http://olympia.burschenschaft.at/

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz-Christian_Strache

http://www.lepoint.fr/politique/election-presidentielle-2012/a-cotes/les-mauvaises-blagues-de-jean-marie-le-pen-02-02-2012-1426631_369.php

http://www.20minutes.fr/ledirect/870816/bal-autriche-bhl-marine-pen-peut-etre-ruine-chances-etre-2e-tour

http://u-f-j.org/bhl-le-maitre-menteur/

6 http://www.lexpress.fr/actualite/monde/europe/marine-le-pen-valse-a-vienne-avec-des-pangermanistes_1076264.html

7 http://www.kobuk.at/2012/01/die-migranten-inzest-babys-der-kronen-zeitung/

8 « Comment a-t-elle pu prendre le risque d'aller valser dans le seul des bals viennois interdit, de fait, aux juifs et aux journalistes ? »http://www.bernard-henri-levy.com/madame-le-pen-et-les-nostalgiques-autrichiens-du-iiie-reich-le-point-2-fevrier-2012-26946.html

 

 

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