Die Titanenwurz in voller Schönheit

Die Titanenwurz in voller Schönheit (Bild: Copyright Botanischer Garten)

Der Name ist nicht so ganz Ladylike

Bei solch einem Jahrhundertereignis gibt es natürlich eine Livekamera. Unter den Botanikern gilt das Ganze nun tatsächlich als Sensation: Die Pflanze blüht nur sehr selten und wenn, dann höchstens drei Tage lang. Die Riesenpflanze wächst eigentlich nur auf Sumatra und auch dann ausschließlich nachts, denn sie ist eine Nachtblüherin. Da werden sich die Botaniker in Kiel ja sicherlich auf Nachtschichten einstellen. Einen lateinischen Namen hat die extravagante Dame auch: "Amorphophallus titanum", nicht so ganz Ladylike heißt das in etwa "Unförmiger Riesenphallus". Und warum das nun eine Sie ist, versteht man auch nicht so ganz.

Bald ist die Kamera vielleicht wieder überlastet

Na klar, bald ist die Kamera vielleicht wieder nicht mehr erreichbar, so viele Leute klicken sich dann ein. Wenn die größte und übelriechendste Blume der Welt ihre Blüte öffnet, riecht es plötzlich nach Aas und Ammoniak. So weiß man nicht, ob es so ratsam ist, persönlich im Botanischen Garten vorbeizuschauen. Kann auch sein, dass zuviel Besuch die Dame stresst, sie ist sehr sensibel. Also bleibt man vielleicht doch lieber zu Hause. Zumindest der Geruch kommt ja im Internet nicht so rüber. Das mit dem Aasgeruch hat die Pflanze auch ganz schön schlau gemacht: Sie simuliert verwesendes Fleisch und lockt so Insekten wie Aaskäfer und Aasfliegen an. Die Tiere kriechen dann in die Blüte und legen dort ihre Eier ab. Auf die trickreiche Weise sichert die Titanenwurz die Bestäubung der Blüte. Die Larven der Aaskäfer verhungern dann allerdings leider nach dem Ausschlüpfen.

Es ist schwer, die Blüte genau vorherzusagen

Nun ist es schwer, die Blüte genau vorherzusagen. Im Laufe eines Nachmittags der kommenden Woche wird sich also ein großes Hochblatt (die Spatha) öffnen, das den großen Kolben (den Spadix), einem hochfliegenden Plissee-Rock gleichend, umgibt. Die Titanenwurz gibt besonders am ersten Tag in Wellen ihren intensiven Duft nach Verwesung ab. Im Laufe des zweiten Blühtages schließt sich das Hochblatt allmählich. Im Laufe des dritten Tages geht das botanische Schauspiel zu Ende: Der Blütenstand beginnt zu welken und der Kolben knickt um. In der Pressemitteilung des Botanischen Gartens heißt es: "Oft steht erst am Mittag des in der Regel nächtlichen Ereignisses fest, dass die Titanenwurz jetzt zum prächtigsten Spektakel im gesamten Pflanzenreich bereit ist. Bei der letzten Blüte im Jahr 2014 kamen Tausende Besucherinnen und Besucher. Auch in diesem Jahr wird der Botanische Garten Kiel in den beiden entscheidenden Nächten geöffnet haben, denn das Blühereignis kann bis zu 36 Stunden andauern. 'Das muss man gesehen haben', meint Nickol, 'man kann doch diese Kaiserin des Pflanzenreiches nicht einfach so alleine lassen, in ihrer Nacht der Nächte'!" Bereits jetzt können Gäste des Botanischen Gartens die schnelle Entwicklung der Titanenwurz täglich zwischen 9.30 und 17.30 Uhr im Victoriahaus in der Schaugewächshausanlage (Am Botanischen Garten 1-9) bestaunen. Und wenn dann wieder Tausende Menschen das Schauspiel sehen wollen, müssen sie sich wohl auf lange Warteschlangen gefasst machen. Sicher ist jetzt schon, dass es sich lohnt.

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