Die Gegner: Sitting Bull und General Custer

Die Schlacht am Little Big Horn ging als letzter Triumph der bereits fast vollständig unterworfenen Prärie-Indianer in die Geschichtsschreibung ein. Auf indianischer Seite kämpften hauptsächlich die Dakota (korrekte Bezeichnung: Lakota), der mächtigste Stammesverbund Nordamerikas, unterstützt durch Krieger der Cheyenne-Stämme und der Arapaho. Als Anführer galt der Häuptling und Medizinmann der Hunkpapa-Dakota, Sitting Bull. Dies ist jedoch nur teilweise richtig. Zweifelsohne war Sitting Bull neben Crazy Horse einer der bedeutendsten Häuptlinge des riesigen Indianerlagers. Eine tatsächliche Hierarchie existierte allerdings nicht. Zudem ist zweifelhaft, ob Sitting Bull an den direkten Kämpfen teilnahm. Einige Quellen geben an, dass er sich an diesem Tag im Lager von den körperlichen Folgen einer anstrengenden, kultischen Handlung erholte.

Der Anführer der Gegenseite, George Armstrong Custer, war ein Offizier mit nicht ganz fleckenfreier Vergangenheit. Vor allem Arroganz und Disziplinlosigkeit hatten ihn bereits mehrfach in Schwierigkeiten gebracht. Diese beide Eigenschaften sollten ihm nun eine der schlimmsten Niederlagen der Indianerkriege bescheren.

Wie es zur Schlacht am Little Big Horn kam

Um die Goldvorkommen in den Black Hills erschließen zu können, beschloss man die vollständige "Umsiedlung" der Indianer aus diesem Gebiet. Weil die Betroffenen zum größten Teil jedoch Widerstand leisteten, kam es 1876 zu einer Reihe militärischer "Strafexpeditionen". Zu einer solchen gehörte auch Custers 7. Kavallerieregiment, welches sich im Rahmen einer koordinierten Truppenbewegung am Little Big Horn einfand und dort auf andere Einheiten warten sollte.

Die ungewöhnliche Größe des Indianerlagers wiederum (allein die Zahl der Krieger wird auf bis zu 4.000 geschätzt) war entstanden, weil sich eine Woche zuvor die Dakota unter Crazy Horse am südöstlich gelegenen Rosebud River siegreich gegen die Truppen von General Crook behauptet hatten. Die Stammesführer wollten nun ihr weiteres Vorgehen im Konflikt mit der US-Regierung beraten.

Custers Fehler führt zur Katastrophe

Als Custers Späher das Lager entdeckten, siegten bei dem General Ehrgeiz und Temperament über Vernunft und militärischen Gehorsam. Er ließ das Indianerlager durch zwei Bataillone unter Major Marcus Reno und Rittmeister Frederik W. Benteen umgehen und gab ihnen den Befehl zum Angriff. Dieser wurde durch den Hunkpapa-Häuptling Gall jedoch zurückgeschlagen. Die beiden Bataillone konnten sich auf ihrem Rückzug nur mit Mühe verschanzen und waren durch einen belagerungsähnlichen Zustand nahezu kaltgestellt. Gall führte seine dadurch frei werdenden Krieger nun frontal gegen Custers Hauptstreitmacht, welche zu diesem Zeitpunkt bereits im Rücken und von den Flanken her attackiert wurde. Die solchermaßen eingeschlossenen Truppen wurden vollständig vernichtet. Angeblich starb Custer selbst zuletzt. Der Schauplatz des Geschehens trägt heute den Namen "The Last Stand Hill".

Gab es weiße Überlebende der Schlacht am Little Big Horn?

Oft wird pauschal behauptet, dass kein Soldat die Schlacht überlebt habe. Differenzierter betrachtet, stellt sich die Lage folgendermaßen dar: Nahezu das ganze 7. Kavallerieregiment wurde an diesem Tag vernichtet. Rund 300 Soldaten blieben auf dem Schlachtfeld. Die Indianer zogen sich anschließend sofort zurück, denn jene Heeresteile, auf welche Custer eigentlich hatte warten sollen, näherten sich bereits dem Schlachtfeld. Nur durch diesen Glücksfall konnten die wenigen Belagerten um die Offiziere Reno und Benteen überleben. Aufgrund ihrer Augenzeugenberichte ließen sich die Geschehnisse rekonstruieren. Darüber hinaus reklamierten später mehrere Männer für sich, einziger Überlebender der Hauptstreitmacht Custers zu sein. In den meisten Fällen erschien dies jedoch wenig glaubwürdig. Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings der Bericht des angeblich einzigen Überlebenden Frank Finkel. Lesen Sie dazu hier auf Pagewizz den entsprechenden Text.

Die Indianerschlacht im Spiegel der Zeitgeschichte

Diese für das US-Militär blamable Katastrophe erfuhr umgehend eine geschichtliche Fälschung. Der Hass gegen die Indianer bekam neue Dimensionen. Zeitungen betitelten die Niederlage kurzerhand als "Massaker". Der bereits angelaufene Völkermord an den Indianern konnte auf diese Weise nachträglich "gerechtfertigt" werden. Drei Jahre später wurden auf dem zum Nationalfriedhof erklärten Gelände Grabsteine errichtet. 1926, zum 50. Jahrestag der Schlacht, fand dort ein medial aufgebauschtes "Versöhnungsfest" mit den noch lebenden indianischen Beteiligten statt. Allerdings ließen sich diese dabei nicht in der gewünschten Weise vereinnahmen.

1946, siebzig Jahre nach der Schlacht, erhielt das Kampfgebiet den Status eines nationalen Monuments. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde das bisher einseitig betrachtete Geschehen schließlich in den USA ebenfalls realistisch bewertet. Um die Jahrtausendwende konnten somit endlich auch Gedenksteine für die gefallenen Indianer enthüllt werden.

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