Wie Frank Finkel die Indianerschlacht überlebt haben will

Die Schlacht am Little Big Horn fand am 25. Juni 1876 statt. Es sollte eine der schlimmsten Niederlagen des US-Militärs während der Indianerkriege werden. General Custer führte das 7. Kavallerieregiment in den Kampf gegen die Dakota-Indianer und fand gemeinsam mit seinen Soldaten den Tod. Finkels Angaben zufolge gelang jedoch ihm allein durch einen Zufall die Flucht. Als sich am Nachmittag des 25. Juni 1876 der indianische Ring um Custers Hauptstreitmacht noch nicht vollständig geschlossen hatte, erlitt Finkels Pferd eine Verletzung und ging durch. Der Soldat war zu diesem Zeitpunkt bereits nur noch eingeschränkt kampffähig. Als eine Kugel seinen Gewehrkolben zersplitterte, wurde Finkel im Gesicht verletzt und konnte durch das austretende Blut nicht mehr richtig sehen. Er klammerte sich also einfach an seinem ausbrechenden Pferd fest. Während dieser Flucht trafen Finkel zwei Schüsse in Bein und Seite. Vermutlich durchquerte er anschließend unwissentlich einen 275 Meter breiten Hinterhalt der Dakota, blieb aber unbehelligt, da die versteckten Indianer wegen eines Mannes ihren Standort nicht durch Schüsse verraten wollten. Außer Reichweite des Kampfgeschehens gelang es Finkel, das Pferd anzuhalten. Während er rastete und seine Wunden versorgte, näherten sich zwei Indianer. Der Soldat stellte sich leblos und konnte dadurch einen seiner Gegner überraschend töten. Der andere Indianer ergriff die Flucht. Krank, entkräftet und hungrig setzte Frank Finkel seinen Weg fort und stieß am nächsten Tag auf eine Hütte. Die dort lebenden Gesetzlosen waren zunächst misstrauisch, nahmen ihn aber schließlich dennoch auf und pflegten ihn gesund. Finkel berichtet sogar von dem Versuch, ihm das verletzte Bein mittels einer Säge zu amputieren, was er jedoch vehement ablehnte.

Frank Finkels Rückkehr in die Zivilisation

Im Oktober 1876 war Frank Finkels Genesung soweit fortgeschritten, dass er sich im nächsten Militärstützpunkt, dem Fort Benton, melden konnte. Aufgrund seiner verletzungsbedingten Untauglichkeit bat er um Entlassung aus dem Militärdienst. Man glaubte seinen Angaben jedoch nicht und verlangte zwei Zeugen zur Bestätigung. Dies war natürlich nicht möglich. Der zu erwartende Wintereinbruch sowie die Indianerunruhen verhinderten zudem eine Kontaktaufnahme mit Finkels ursprünglichem Stützpunkt, dem rund 800 Meilen entfernten Fort Lincoln. Also sperrte man ihn angeblich zunächst ins Gefängnis, aus welchem ihm jedoch die Flucht gelungen sein will.

Wohlstand und Anerkennung – ein neues Leben für den Flüchtling

Spätere Dokumente verzeichnen Frank Finkel erstaunlicherweise als reichen und angesehenen Bürger des Ortes Dayton. Über seine Abenteuer schwieg er sich allerdings lange Zeit aus. Erst 1921 kam die Geschichte unter Mitwirkung seiner zweiten Ehefrau an die Öffentlichkeit, fand aber nur schwachen Anklang. 1930 starb Frank Finkel. Erst sieben Jahre nach seinem Tod machten verschiedene Zeitungen die Geschehnisse mit gutem Erfolg erneut publik.

Wie wahrscheinlich ist Frank Finkels Bericht?

Es gab allerhand "einzige Überlebende" der Indianerschlacht. Glaubwürdig war kaum einer von ihnen. Auch im Fall Frank Finkel gibt es eine Ungereimtheit. Diese bezieht sich auf seinen Namen. Wie der Mann, der sich Frank Finkel nannte, wirklich hieß, ist nicht mehr nachvollziehbar. Man weiß nur, dass er um 1853 im Bundesstaat Ohio geboren wurde und im Oktober 1874 als Frank Hall in die US-Armee eintrat. Man teilte ihn dem Eskadron C des 7. Kavallerie-Regiments in Wyoming zu, wo er offenbar von Freunden den Nachnamen Finkel erhielt. Dieser Name taucht jedoch in den Mannschaftslisten nicht auf. Allerdings waren willkürliche Namensangaben und -änderungen damals durchaus üblich.

Für die Richtigkeit von Frank Finkels Angaben sprechen hingegen mehrere Fakten:

  • Mehrere Indianer, darunter angesehene Dakota-Häuptlinge wie Crazy Horse oder Red Cloud, berichten übereinstimmend, dass einem einzelnen, verwundeten Mann die Flucht gelungen sein soll.
  • Die meisten Soldaten stiegen auf Custers Befehl von den Pferden ab. Finkel jedoch gehörte zur einzigen Einheit, welche trotzdem beritten blieb, was seine Aussage über den Grund der Flucht wiederum untermauert.
  • Die Angaben zum Schlachtverlauf sowie zu den örtlichen Gegebenheiten zeugen von einer genauen Kenntnis der Situation, soweit sie heute aus indianischen Berichten und der Lage der Grabsteine rekonstruierbar ist.
  • Frank Finkels Glaubwürdigkeit wird nicht zuletzt auch dadurch untermauert, dass er niemals aus seiner Geschichte finanziellen oder politischen Gewinn schlug, sondern vielmehr jahrzehntelang darüber schwieg.

Obwohl also die Mehrzahl der Fakten für die Glaubwürdigkeit Frank Finkels spricht, kann er dennoch nicht als einzig weißer Überlebender der Indianerschlacht am Little Big Horn angesehen werden, denn bis heute gelten einige Soldaten offiziell lediglich als vermisst.

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