Der Neusiedler See - Mitteleuropas einziger Steppensee

Im Osten Österreichs, im für die Alpenrepublik eher untypischen Burgenland, liegt der Neusiedler See. Das große, flache Binnengewässer, dessen südlicher Teil bereits auf ungarischem Gebiet liegt, ist der einzige richtige Steppensee Mitteleuropas. An seinen Ufern findet man viele Urlaubsorte, das Klima ist mild und sonnig, und es gedeihen zahlreiche wärmeliebende Pflanzen, Weinreben und viele verschiedene Obstsorten. 

Im breiten Schilfgürtel des Neusiedler Sees leben viele Tiere. So findet man hier besonders seltene Brutvögel wie den Purpurreiher. Auch für Reptilien, Amphibien, Insekten, Fische und Weichtiere bietet die einzigartige Seeregion ein ideales Refugium. Und auch so manch seltene Säugetierart, die im restlichen Österreich nicht vorkommt, kann man bei Naturerkundungen entdecken – wie den Feldhamster oder das Ziesel (Bild).

Ziesel (Bild: RoyBuri / Pixabay)

Nun aber zurück zu den Wildhunden!

Schon seit den 1980er Jahren wurden in Österreich immer wieder kleinere Wildhunde festgestellt. Zoologen wurden befragt, und schließlich konnte man eine kleine Sensation vermerken – es waren Goldschakale (Canis aureus)! Diese kleineren Verwandten der Wölfe werden zwischen 80 und 95 Zentimeter lang, sie können, an ihrer Schulterhöhe gemessen, bis zu 50 cm hoch und etwa acht bis zehn Kilogramm schwer werden. Das Hauptverbreitungsgebiet der kleinen Beutegreifer liegt in den Trockengebieten Afrikas und Asiens, einige Vorkommen gibt es aber auch in Südosteuropa, von Griechenland bis nach Ungarn. Vermutlich haben sich die Tiere von hier nach Österreich verbreitet.

Goldschakale leben meist zu zweit als Paar, oder in einem kleine Rudel, das aus Mitgliedern ihrer Familie besteht. Für die Aufzucht ihrer Jungtiere suchen sie Schutz in Höhlen. Wenn die sechs bis neun Welpen geboren sind, werden sie vom Weibchen in den ersten drei Wochen mit Muttermilch ernährt. Dann ernähren die Elterntiere die Jungen bis zu einem halben Jahr mit erbeuteter Nahrung. Wenn Goldschakale auf Jagd gehen, tun sie dies meist im Rudel oder paarweise. Zu den Beutetieren gehören Insekten, Nagetiere, Vögel und andere Kleintiere, manchmal auch junge Huftiere. Goldschakale gehen aber auch an Aas.

Goldschakal

Goldschakal (Bild: Pixabay)

Goldschakale haben ein großes Verbreitungsgebiet

In ihrem relativ großen Verbreitungsgebiet sind zahlreiche Unterarten von Goldschakalen entstanden, wobei die Systematik der kleinen Beutegreifer von Zoologen neu ausgearbeitet wird. So hat man inzwischen festgestellt, dass die ägyptische Unterart (Canis aureus lupaster) genetisch sogar eng mit Wölfen verwandt ist. Weitere Verwandte des Goldschakals sind der afrikanische Streifenschakal (Canis adustus) und der afrikanische Schabrackenschakal (Canis mesomelas) sowie der Äthiopische Wolf (Canis simensis). 

Wölfe sind in Europa die wichtigsten Feinde der Goldschakale. Daher kommen die kleineren Verwandten des Wolfs vor allem dort vor, wo es keine oder nur wenig Wölfe gibt – und wo der Mensch sie leben lässt. Gefahr für Menschen geht von Schakalen jedenfalls nicht aus, und Haustiere wie Hühner können vor ihnen mit einbruchsicheren Ställen geschützt werden. 

Nicht nur aus Österreich, sogar auch aus der Schweiz und Deutschland gibt es in den letzten Jahren Nachweise. So wurde in Brandenburg ein Goldschakal illegal geschossen, und im Bayerischen Wald und in einigen Kantonen in der Südschweiz konnten einige Tiere in Fotofallen automatisch fotografiert werden. Wenn sich Goldschakale weiter nach Norden ausbreiten, werden die schönen kleinen Wildhunde sicher eine Bereicherung der mitteleuropäischen Fauna.

(Bild: Pixabay)

Wunderschöner Goldschakal im Portrait

Wunderschöner Goldschakal im Portrait (Bild: Pixabay)

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