Opferzeremonie der Maya (Bild: Efraimstochter / Pixabay)

Die Götter der Maya hatten eine doppelte Persönlichkeit

Diesen Schriften zufolge bestand die Welt der Maya aus dreizehn oberen und neun unterirdischen Ebenen. Den Himmel stellten sie sich als den gebogenen Körper einer großen, zweiköpfigen Schlange vor und die Erde als eine flache Ebene. In den vier Himmelsrichtungen standen Gottheiten, die "Bacabs, nahe der vier heiligen Bäume, der "Ceibas". Sie trugen den Himmel auf ihrem Rücken. Durch die Mitte der Welt wuchs ein fünfter Ceiba, dessen Blattwerk die Form eines Vogels hatte, über dem eine Sonne kreiste. Der Baum wurzelte in der unterirdischen Welt, dem Aufenthaltsort der Toten und dem nächtlichen Reich der Sonne.

Die Götter der Maya hatten eine doppelte Persönlichkeit, in der das Gute und das Böse zusammenwohnten. Sie zeigten sich mal von der einen, mal von der anderen Seite. Begründer der Maya-Kultur war Itzamná, der Gott des Himmels und der Priester und Beherrscher der Schreibkunst. Der Maisgott Yumkaax und der Regengott Chac wurden besonders verehrt. Bestimmte Riten verlangten von den Gläubigen eine Hingabe, die bis zur Opferung des eigenen Lebens gehen konnte.

Die Bücher der Maya bestanden aus Rindenpapierstreifen

Die Maya-Hieroglyphenschrift entwickelte sich von Glyphen vollständiger Figuren zu einfachen Kartuschen mit phonetischen Symbolen wie bei den gängigen Schriftsystemen. Die Maya waren das einzige präkolumbianische Indianervolk, das ein solches System entwickelte. Erst im 20. Jahrhundert gelang es Gelehrten, die Glyphen weitgehend zu entziffern und die Kultur der Maya zu verstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war man davon ausgegangen, dass es sich um friedliche Indianer gehandelt hatte, die von religiösen Führern regiert wurden. Doch nun offenbarte sich das genaue Gegenteil. Die Maya waren eine aggressive, militärisch ausgerichtete Gesellschaft, die grausame Blutopfer zelebrierte. Aber sie interessierten sich auch für viele andere Dinge.

Durch Befragen der Sterne und durch Berechnungen der Zeit versuchten die Maya hinter das Geheimnis der Bestimmung des Menschen zu kommen. Zu diesem Zweck gab es mehrere Kalender. "Tzolkin", der "heilige Kreis", umfasste 260 Tage und diente für Rituale und Weissagungen. "Haab" war ein Sonnenkalender mit 365 Tagen. Er war in 18 Monate mit zwanzig Tagen eingeteilt. Dazu kam am Jahresende ein Monat mit fünf Schalttagen. Die "lange Zählung" erlaubte die Datierung eines Ereignisses anhand der Anzahl der Tage, die seit dem Beginn der Maya-Epoche (3114 v. Chr.) vergangen waren.

Die Gelehrten waren Priester und zugleich Astronomen, Wahrsager, Lehrer und Ärzte. Vom "Caracol", dem Observatorium von Chichén Itzá, beobachteten sie den Planeten Venus so genau, dass sie seine Sichtbarkeitsphasen exakt bestimmen konnten. Die Bücher der Maya bestanden aus langen, im Zickzack gefalteten Rindenpapierstreifen, die beschrieben und bemalt wurden. Aufgabe der Schreiber war es, Wissen und Ereignisse festzuhalten. Sie gehörten zu den hohen Würdenträgern der Maya.

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