Der Ort Tenochtitlán in Mexiko (Bild: Joshart3d / Pixabay)

Ein Aquädukt versorgte die Stadt mit frischem Wasser

Als sich die Überlebenden auf einer Insel versammelten, sahen sie einen Adler, der auf einem Feigenkaktus auf einem Felsen saß. Nun hatten sie das Zeichen ihres Gottes gefunden. Die Reise der Mexica war zu Ende. Auf der Insel gründeten sie den Ort Tenochtitlán (das heutige Mexico-City). Der Name bedeutet "Ort der Kaktusfrucht". Hundert Jahre betrieben die Azteken Landgewinnung. Sie errichteten Tempel und andere öffentliche Gebäude, lebten aber selbst in sehr bescheidenen Unterkünften auf der Insel Tlatelolco. Durch Handel kamen sie allmählich zu Wohlstand.

Zudem verdingten sie sich als Söldner und verbanden sich durch eine geschickte Heiratspolitik mit den einflussreichen Familien der Tolteken. Aus behauenen Steinen bauten sie Dämme durch den Texcoco-See, die sich in alle vier Himmelsrichtungen erstreckten und eine Verbindung zwischen den Inseln und dem Festland herstellten. Anfang des 15. Jahrhunderts errichteten sie ein Aquädukt, der Tenochtitlán mit frischem Wasser aus einer sechs Kilometer entfernt liegenden Quelle auf dem Festland versorgte. Die Aztekenherrscher verfügten über ein Heer von mehr als zweihunderttausend Kriegern, zu denen auch viele Soldaten aus Vasallenstaaten gehörten. Damit befehligten sie die größte Armee der damaligen Zeit und konnten erfolgreiche Eroberungsfeldzüge unternehmen.

Die Azteken opferten Menschen, weil sie den Untergang ihres Reiches fürchteten

Die Krieger benutzten Keulen mit Feuerstein- und Obsidian-Klingen. Als Schutz dienten Schilde aus Weidengeflecht und Körperpanzer aus Baumwolle, die in Salzlage eingelegt worden waren, um fester und widerstandsfähiger zu werden. Die Kriege lieferten den Mexica Gefangene für die Menschenopfer. Sie fürchteten nämlich den Untergang ihres Reiches, deshalb opferten sie ihren Göttern das "kostbare Wasser", also Blut. Der Geopferte wurde "ixitpla" (Bild des Gottes) genannt. Die Mexica-Krieger, die Gefangene gemacht hatten, erhielten Schmuck und einen Kopfputz aus Federn. Die Erfolgreichsten konnten zum hohen Rang eines Jaguar-Ritters oder Adler-Ritters aufsteigen. Die Azteken waren jedoch nicht nur gefürchtete Krieger, sondern auch geschickte Diplomaten, indem sie die religiösen Bräuche ihrer Nachbarn übernahmen.

Doch nicht alle Nationen ließen sich unterjochen. Den Azteken gelang es nie, den Stadtstaat Tlaxcala zu besiegen, der fünfundsiebzig Kilometer östlich von Tenochtitlán lag. Dieser Umstand sollte für die Azteken noch eine wichtige Rolle spielen. Eine neue Prophezeiung warf bald einen Schatten auf ihre Zukunft. Sie betraf das Jahr 1-Schilf - 1519 nach der christlichen Zeitrechnung. Omen und Zeichen deuteten auf den Untergang der Azteken hin.

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