Alkohol kennt viele Ausreden und fadenscheinige Begründungen

Alkohol verdunstet beim Kochen

ist eine beliebte Redewendung. Sie stimmt aber nur zum Teil. Tatsächlich verdunstet Alkohol ab einer Kochhitze von 78 Grad schneller als Wasser. Er verbleibt aber in den Lebensmitteln. Auch nach einer Kochzeit von 15 Minuten sind noch etwa 40 Prozent des Alkohols im Essen enthalten.

Ein Schnaps nach dem Essen hilft bei der Verdauung

gehört ebenfalls in die Schublade der großen Irrtümer. Mit dem "Schnaps danach" benötigt der Körper sogar länger als ohne Schnaps, das Fett im Magen abzubauen.

Rotwein schützt Herz und Gefäße

ist eine beliebte Begründung für ein Glas Rotwein. Ein Schutz des Herzens durch den Alkohol im Rotwein ist nicht nachgewiesen, wohl aber für die Flavonoiden, die auch im Traubensaft und Tee enthalten sind. Grundsätzlich begünstigt Alkohol bis zu 60 verschiedene Krankheiten.

Ein Gläschen düfen auch Schwangere trinken

ist der wohl größte Irrglaube. Das ungeborene Kind muss jeden Schluck mittrinken. Es hilft während der Schwangerschaft nur ein unbedingter Verzicht auf Alkohol, der in kleinsten Dosen schon zu einer Schädigung der Organe und Nerven des ungeborenen Kindes führen kann. Auch nur ein kleines bisschen Gift bleibt Gift.

Nach einer Stunde Warten ins Auto?

Nein, denn erst nach einer Stunde hat sich der Alkohol so richtig im Körper platziert und der Promillewert seinen Höchststand erreicht. Der Körper braucht zum Abbau des Alkohols für 0,1 bis 0,2 Promille eine Stunde, egal, ob der Mensch schläft oder nicht. Und dazu: Schon mit 0,3 Promille kann ein Unfall zu einer Straftat werden.

Alkoholismus ist eine "schleichende" Krankheit

"So viel trinke ich doch gar nicht, und die anderen trinken doch viel mehr" ist der beliebte Standardsatz, wenn Menschen auf ihr regelmäßiges Trinkverhalten angesprochen werden. Aber Alkoholverzehr hängt nicht vom Verhalten anderer ab. Der Betroffene spürt nämlich seine Alkoholabhängigkeit im Normalfall nicht, denn die Sucht ist ganz langsam durch Gewohnheit und langsame Steigerung der Mengen gewachsen. Meistens geht die Steigerung der Menge der "weichen Suchtmittel" mit dem gelegentlichen bis ständigen Verzehr von "harten Suchtmitteln" wie Schnaps einher. Die Alkoholsucht und -krankheit tritt "normalerweise" dann auf, wenn zwei Dinge zusammenwirken: Alkoholkonsum über viele Jahre oder gar Jahrzehnte und genetische Voraussetzungen.Die Medizin spricht dann von Alkoholkrankheit.

Ein Test zur Überprüfung der eigenen Alkoholgefährdung

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) konstatiert eine Alkiholabhängigkeit, wenn innerhalb der letzten 12 Monate zwei von sechs Indikatoren für eine Alkoholsucht erfüllt wurden:

  • Man hat den starken Wunsch, Alkohol zu konsumieren.
  • Zeitpunkt, Beginn, Beendigung und vor allen Dingen die Menge des Konsums verschieben sich.
  • Körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern treten ohne Alkoholkonsum auf.
  • Es steigt über die Zeit der Zwang, immer mehr Alkohol zu konsumieren, um die Wirkung des Alkohols zu verspüren.
  • Der Verzehr von Alkohol wird langsam wichtiger als andere Interessen wie beispielsweise Familientreffen, Sport oder andere Freizeittermine.
  • Körperliche, soziale und psychische schädliche Folgen des erhöhten und fortwährenden Alkoholkonsums hindern nicht am weiteren Alkoholkonsum.

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Es helfen nur die eigene Einsicht und der eigene Wunsch zur Änderung

Die obigen Punkte sollte jeder für sich allein im stillen Kämmerlein ehrlich beantworten. Ehrliche Selbstbeobachtung und die Erkenntnisbereitschaft zur Einsicht sind aber für viele Alkoholkranke die erste (fast) unüberwindbare Hürde, wieder Herr über sich selbst zu werden und einen erfolgreichen Kampf gegen die eigene Abhängigkeit führen zu können. Der erste, wichtigste Schritt "zurück in die Realität" ist die eigene Erkenntnis, alkoholkrank zu sein.

Alkoholsucht ist eine Krankheit

Alkoholismus ist seit 1968 als Krankheit anerkannt. Seitdem fällt die Behandlung dieser Krankheit in die Zuständigkeit der Krankenkassen und der Rentenversicherung. Nach dem jährlich erscheinenden "Jahrbuch Sucht" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erzeugt Alkohol bei Alkoholkranken meistens Abhängigkeit in rein körperlicher, aber auch psychischer Hinsicht, zumal Alkohol überall und jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar und sein Konsum gesellschaftlich zu jedem Anlass gefördert wird.. Darin besteht sein besonderes Gefährdungspotenzial. 20 Prozent der Menschen, die regelmäßig Alkohol zu sich nehmen, können alkoholkrank und damit abhängig bis stark abhängig werden, während die übrigen 80 Prozent "nur" ihren Körper schädigen: Nervenleiden, Nervenkrankheiten und Depressionen, der Abbau von Zellen vorrangig im Gehirn, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und die Rückbildung von Organen und Geweben und die Verkürzung der Lebenszeit sind die bekanntesten Folgen.

Hilfe bei der Bekämpfung der Alkoholsucht

Folgende Schritte gegen die Alkoholsucht sollten der Reihe nach unternommen werden, weil dieser Weg schon oft erfolgreich begangen wurde:

  1. Der Betroffene muss merken, dass er alkoholkrank ist, und wollen, dass er nicht mehr süchtig ist. Ohne eigene Einsicht klappt gar nichts.
  2. Einen Arzt aufsuchen, das Problem besprechen. Meist kann der Arzt eine Selbsthilfe-Organisation in der Nähe benennen, die erfolgreich arbeitet.
  3. Kontakt mit der Organisation aufnehmen. Die erste Kontaktaufnahme kann und sollte durch den Alkoholsüchtigen oder nur mit dessen Einwilligung durch den Partner geschehen.
  4. Mit Hilfe dieser Selbsthilfe-Organisationen gelingt meist noch am selben Tag die Einweisung in eine eigens darauf spezialisierte Klinik zur 10-tägigen Entgiftung.
  5. Danach Aufnahme des gewohnten Lebensrhythmus und regelmäßiger wöchentlicher Besuch des Treffens der Betroffenen.

Der "Weg zurück" ist lohnenswert

Die Bekämpfung der Alkoholsucht geschieht oftmals mit fremder, meist ärztlicher Hilfe, jedoch ist ein Erfolg nur möglich, wenn der Kopf und die Einsicht mitspielen. Aber selbst dann kann sich noch zeitweise die Sucht durchsetzen.

Es gibt meist bedauerliche, aber "normale" Rückfälle, in denen die Sucht vorübergehend über die Einsicht "siegt". Oft sind mehrere Versuche notwendig, bis es beim letzten Versuch klappt. Der "Weg zurück" lohnt immer, denn Alkohol macht einsam, lässt die Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit abnehmen, verändert die Persönlichkeit grundlegend und verhindert Sensibilität.

Der Alkoholsüchtige sollte sich auf seinem Weg zurück in die Gesellschaft jeden erfolgreichen Tag auf diesem Weg belohnen: Einfach etwas "Schönes" ohne Alkohol genießen.

Autor seit 3 Jahren
249 Seiten
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