Steckt Deutschland vielleicht tiefer im Sumpf des Verbrechens als man es glauben möchte?

Wenn wir das Wort Mafia hören, denken wir meist sofort an Italien oder Amerika, verknüpfen diesen Begriff unweigerlich mit Spielfilmen wie "Der Pate", "Good Fellas" oder "Scarface" und vergessen dabei allzu oft, dass es solche kriminellen Vereinigungen tatsächlich gibt. Schauspielgrößen wie Robert de Niro oder Al Pacino haben allerdings mit der traurigen Wirklichkeit der Mafia nicht viel gemeinsam. Im Gegenteil - diese Hollywoodstreifen bedienen oftmals lediglich falsche Klischees über eine "ehrenwerte Gesellschaft", die im täglichen Leben leider nur wenig mit Ehre oder Anstand zu tun hat. Vielmehr ist es so, dass mafiöse Strukturen wie die Camorra, die Cosa Nostra oder die Ndrangheta straff durchorganisierte kriminelle Vereinigungen sind, denen es, ähnlich den großen Wirtschaftsunternehmen, nur um eines geht - einen möglichst hohen finanziellen Gewinn erwirtschaften um die damit verbundene Unabhängigkeit und Macht gezielt auszubauen. Brachte man die Mafia aber noch vor dreißig Jahren fast ausschließlich mit Schutzgelderpressung und Prostitution in Verbindung, so muss man dies heute korrigieren und auf fast alle wirtschaftlich profitablen Zweige ausdehnen, in denen man, wie auch immer, das große Geld verdienen kann. Immobilienwirtschaft, Gastronomie und Glücksspiel aber auch die illegale Müllentsorgung und der Strassenbau gehören heute ebenso zu den Einnahmequellen der Mafia wie der Handel mit Waffen, Drogen und Prostituierten. Auch kann man diese Organisationen längst nicht mehr auf den südlichen Teil Italiens beschränken und sich im restlichen Europa sicher fühlen - im Gegenteil. Laut Jürgen Roth (Buchautor und investigativer Journalist) hat die Mafia auch Deutschland schon sehr lange fest in ihrem Griff und unterwandert unbemerkt, still und heimlich unser scheinbar noch seelenruhig schlafendes Rechtssystem. Warum auch nicht? Während die deutsche Politik sich ja offenbar viel lieber mit gefälschten Doktorarbeiten oder der Tilgung des Weltschuldenberges beschäftigt, müssen unsere Polizisten zeitgeich zu Unrecht entlassene Schwerverbrecher beschatten, Projekte wie Stuttgart 21 überwachen und in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, dafür aber zu Tausenden, unseren geliebten "Castor-Transporten" hinterherlaufen. 

Währenddessen beschäftigt sich das hochkriminelle Milieu still und leise weiter damit, wie es den Staat möglichst effektiv unterwandern und für seine Zwecke ausnutzen kann. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass mächtige Familien ganze Stadtteile beherrschen und unter anderem durch großzügige Geldspenden oder öffentliche Wohltätigkeitsveranstaltungen bis in die höchsten Kreise der Politik vorgedrungen sind. Dort setzen sie alles daran ihre Position in der Gesellschaft weiter zu festigen und mit Hilfe ihrer politischen Freunde auszubauen. Wohin diese undurchsichtigen Verstrickungen letztlich führen können, hat uns unser Nachbarland Italien leider schon mehr als deutlich vor Augen geführt. Expertenschätzungen zufolge wird dort beispielsweise ein erheblicher Anteil aller staatlich vergebenen Bauaufträge von Firmen durchgeführt, deren Verbindungen zum organisierten Verbrechen eindeutig nachweisbar sind und auch die Müllentsorgung in vielen Regionen steht ganz offensichtlich unter der alleinigen Kontrolle der Mafia. Neben der Tatsache, dass hier ganz offiziell öffentliche Finanzmittel für kriminelle Organisationen zugänglich gemacht werden, zeigt dieses Beispiel außerdem, dass die Grenzen zwischen öffentlichem Leben und illegalen Interessen nach und nach unmerklich verwischt werden. Zunächst unbemerkt von der Öffentlichkeit bestechen die Boten des organisierten Verbrechens nach und nach wichtige behördliche Stellen und Schlüsselpositionen der Politik. Anschließend werden öffentliche Aufträge nun ganz offiziell durch Firmen der Mafia übernommen und mehr oder weniger ordnungsgemäß durchgeführt. Letztlich steht der Staat immer häufiger in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zur italienischen Unterwelt. Das so selbst höchste politische Ämter letztlich sogar von Strohmännern der Mafia besetzt werden können verdeutlicht das Beispiel des amtierenden Ministerpräsidenten Berlusconi, dem bis heute intensive Kontakte zur italienischen Mafia nachgesagt werden (Quelle: Spiegel),  sehr eindrucksvoll. Auch Berlusconi besaß zunächst ein größeres Bauunternehmen, gründete dann ein eigenes Medienimperium und schließlich auch seine eigene Partei, die "Forza Italia", für deren Unterstützung sich damals ganz plötzlich einige der wichtigsten Mafia-Bosse Italiens stark machten. 

Zwar ist es derzeit nicht eindeutig nachweisbar, ob und in welcher Form auch in der Bundesrepublik Deutschland solche oder ähnlich mafiöse Vereinigungen ihre Verbindungen zu höchsten Politikkreisen pflegen. Sicher ist jedoch, dass zumindest auf Kommunal- und Landesebene auch in Deutschland immer häufiger Fälle von Korruption und Amtsmissbrauch bekannt werden, bei denen man eindeutige Parallelen zum italienischen Vorbild erkennen kann. Als Beispiel seien hier nur die undurchsichtigen Machenschaften diverser internationaler Motorradclubs oder aber auch die illegalen Geschäfte der 2005 verurteilten XY-Bande zu nennen, die zwischen 1990 und 2005 eine, nach dem Vorbild der italienischen Mafia aufgebaute, kriminelle Vereinigung gründeten und mit Hilfe korrupter Politiker und Polizisten einen Millionenumsatz erwirtschaften konnten.  

Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur die wachsame Bevölkerung unseres Landes ihre Augen offen hält, sondern auch die vom deutschen Volk gewählten Politikvertreter endlich aufwachen und ihrer verantwortungsvollen Pflicht nachkommen, um unser schönes Land vor einem unbestimmten Schicksal in den Fängen des organisierten Verbrechens zu bewahren.                                  GeHo

GeHo, am 24.05.2011
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