Die Überschwemmung des Marktes

Nichts ist heute einfacher, als ein Buch per Internet zu veröffentlichen. Über verschiedene Dienste ist es möglich, die Textdatei direkt hochzuladen, ein Cover zu erstellen und nach wenigen Stunden oder einem Tag ist das Ebook im Shop gelistet.

Meistens müssen die Dateien zwar vorher in eine PDF umgewandelt werden, aber dafür gibt es gute und sogar kostenlose Programme.

Unwesentlich unkomplizierter wird es bei der Erstellung eines Taschenbuchs, wobei auch hier die Programme teils direkt auf der Webseite des Anbieters genutzt werden können. Books on Demand beispielsweise bietet eine Software zum Erstellen eines Buchcovers an, die derart einfach funktioniert, dass man sich als geübter Computerbenutzer unterfordert fühlt.

 

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Autoren dieser Variante bedienen, um ihre Werke unter die Menschheit zu bringen. Könnte man es ihnen denn noch einfacher machen?

In einem Zeitalter, in dem kleine Verlage nach und nach aussterben, scheint es ja auch nur wenige Alternativen für Nachwuchsautoren zu geben. Die großen Verlage weisen meist schon auf der Webseite auf exorbitante Bearbeitungszeiten von eingesendeten Manuskripten hin oder warnen, dass diese direkt vernichtet werden.

 

Eigentlich schade, denn ich hatte selbst eine sehr gute Erfahrung mit einem Zufallskauf eines eher unbekannten Autors. Vor einiger Zeit bekam ich im Zuge eines Ausverkaufs das Werk Pharmakos des deutschen Schriftstellers Andreas Laudan in die Finger. Für einen Schleuderpreis bekam ich hier systemkritische Unterhaltung mit hohem Spannungsfaktor in Verbindung mit einem Schuss auf die Schwächen unseres Sozialversicherungssystems.

Kurz: Einer der besten Spontankäufe meines Lebens!

Das resultierende Problem

Es läuft fast, wie im Namen enthalten, von selbst. Dabei kommt eine Menge Schund herum.

Äußerlich können diese Bücher durchaus, wenn man sich ein wenig Mühe bei der Covergestaltung gibt, einem Exemplar vom Verlag ähneln. Wir sehen also nicht auf den ersten Blick, dass es sich um ein Werk für den Ofen handelt, wenn der Autor bereit war, einem Coverdesigner 100€ zu zahlen.

Anleitungen für die richtige Formatierung des Textes, um eine bestmögliche Lesbarkeit zu erreichen, finden wir ebenfalls in Massen. Anhand eines bebilderten Tutorials kann ein jeder Depp seinen Text in die richtige Form bringen oder einfach für Geld formatieren lassen.

Es ist also wirklich schwierig, ein mit Mühe und Herzblut geschriebenes Stück Belletristik von einem rechtschreiblichen Fehlgriff in das metaphorische Klo zu unterscheiden, welcher mit viel Kapital ermöglicht wurde.

 

Was sollen wir also tun? Keine Bücher mehr von Selfpublishern kaufen, weil einige schwarze Schafe den Markt mit überteuertem Müll überschwemmen?

Nein, nicht unbedingt. Es gibt Möglichkeiten, im Voraus zu entscheiden, was der Schreiberling wirklich taugt.

Kritisch untersuchen

Wie finden wir jetzt heraus, ob der Autor wirklich schreiben kann?

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, mit denen sich die Qualitäten, zumindest grob, überprüfen lassen. Dies sind zwar keine perfekten Mittel, aber sie liefern Anhaltspunkte für die Schreibqualität des Autors.

  1. Stichwort: Rezensionen. Eine große Hilfe sind die Rezensionen anderer Leser, welche das Buch schon "gefressen" haben. Hier gibt es nur zwei Schwierigkeiten: Erstens verfügen gerade neue Bücher häufig über wenige bis gar keine Rezensionen und zweitens werden bekanntlich Rezensionen von Freunden und Bekannten erfragt, um besser dazustehen. Eine Info an dieser Stelle: Amazon sortiert verdächtige Rezensionen radikal aus und will damit geschäftsmäßige Bewertungen eindämmen.
  2. Seht Euch die Webseite des Autors an. Jemand, der Bücher schreibt, wird niemanden dafür bezahlen, seine Webseitentexte zu erstellen, sondern das selbst erledigen. Achtet darauf: Wie verfasst und gliedert er seine Texte? Ist die Wortwahl den Themen angemessen oder verschachtelt er selbst einfachste Sachverhalte bis zur Unkenntlichkeit? Sind hier Rechtschreibfehler zu finden? Ist der Stil gleichbleibend oder wirkt es, als hätten mehrere Personen daran geschrieben?
  3. Sucht nach Leseproben. Es heißt: "Angst hat nur der, der etwas verbirgt". Für mich als Selfpublisher war es selbstverständlich, Amazon und co. Leseproben zur Verfügung zu stellen. Außerdem habe ich noch zusätzlich eigene Leseproben ausgewählt und auf meiner Webseite zum Download angeboten. Wie sonst sollen wir, wenn wir nicht über das nötige Kleingeld für eine Werbekampagne verfügen, auf uns aufmerksam machen und die Leser für unsere Bücher begeistern? Sollte ein Autor keinerlei Leseproben bereitstellen, ist das natürlich ein seltsames Zeichen. Die meisten Anbieter wählen diese Seitenzahlen rein zufällig und ohne Mitwirken des Autors.
  4. Wie ist das Buchcover beschaffen? Handelt es sich hier um einen Vordruck, wie ihn die Plattformen bereithalten? Gleicht er sich mit ähnlichen Werken? Wurde auf einen Handyschnappschuss mit Arial ein Buchtitel gekritzelt? Lasst es kurz auf Euch einwirken. Wenn es Euch berührt und das Motiv mit dem Titel und dem Klappentext harmoniert, dann hat sich hier jemand Gedanken gemacht.
  5. Durch welches Werbemittel seid Ihr auf das Buch aufmerksam geworden? Wie professionell oder aufdringlich vermarktet der Autor sein Buch? Ein negatives Beispiel: Ich geriet einmal in einem Forum mit einem Autor von Kurzgeschichten ins Gespräch und schon in der zweiten Nachricht fand ich seinen 20 zeiligen Standardtext vor, in welchem er sein Buch anpreist, welches nur mäßig zu unserem vorherigen Thema passte. Das, werter Kollege, war kein Marketing, sondern Bettelei.

Verschafft Euch einen Gesamteindruck von dem, was der Autor ist und was er vorgibt, zu sein. Nehmt das Gesamtbild dieser einzelnen Punkte und erlaubt Euch damit ein Urteil. Ihr habt zwar keine Garantie, da auch Webseitentexte per Fremdvergabe perfektioniert werden und Rezensionen gefälscht sein können, aber vielleicht findet Ihr ja einen Hinweis darauf, dass Ihr es mit einem dieser Ofenautoren zu tun habt.

Das Preis-Leistungsverhältnis

Dank der Möglichkeit, die Marge pro verkauftem Exemplar über den Buchpreis bestimmen zu können, scheinen vielen Autoren Flügel zu wachsen. Ich stolperte schon über ein Ebook mit einer 28 seitigen Kurzgeschichte im Bereich der Belletristik, welches 5,99€ kosten sollte. Sorry lieber Autor, aber für diesen Preis bekomme ich in den meisten anderen Fällen 200 Seiten oder noch mehr.

Im Vergleich wirkt das nicht nur teuer, sondern schon gierig, denn das Self Publishing ist überraschend günstig. Bei einer normalen Taschenbuchgröße ohne farbige Seiten kommt man mit einem Verkaufspreis von etwa 25 Seiten pro Euro aus. Also ein Buch mit 200 Seiten dürfte um die 8€ kosten. Beim Ebook sinkt der Preis noch, da die Herstellungskosten fast komplett entfallen.

 

Die große Ausnahme: Spezialthemen

Werter Autor, wenn Sie über ein Fachwissen verfügen, das nur 10 Personen nachweisen können, welches aber 10.000 sehr gerne besäßen, dann sind selbstverständlich auch 50€ für 100 Seiten gerechtfertigt. Die Nachfrage bestimmt schließlich den Preis und wenn Sie Ihr Buch zu diesem Preis verkaufen können, dann gratuliere ich Ihnen zum Erfolg.

Fazit

Es gibt gute Autoren und es gibt weniger gute Autoren.

Leider übernimmt das System des Self Publishing nicht genau die gleichen Aufgaben, welche früher die Verlage erfüllten. Diese sortierten nämlich jene Autoren, deren Rechtschreibkenntnis der eines Drittklässlers entspricht, radikal aus und förderten nur Autoren mit Potential. Im Selbstverlag jedoch haben alle Autoren die gleichen Bedingungen.

Nun jedoch, da wir mit diesem Problem leben müssen, können wir nur genauer hinschauen, wenn uns ein Buchcover ins Auge springt. Glücklicherweise haben wir ja die Möglichkeit, im Internet nach dem Autor zu suchen, dessen Auftritt im Web zu analysieren und seine Rezensionen zu lesen. Nur das bewahrt den Vielleser noch davor, sich in einem Dschungel schlecht geschriebener Bücher zu verlaufen.

Generell bietet das System der Print-On-Demand Verlage eine großartige Möglichkeit für junge Autoren, erste Erfahrungen in der Branche zu sammeln. Leider wird diese Möglichkeit durch verschiedene Faktoren beeinflusst, von denen nicht alle durch den Autor selbst kontrollierbar sind. Ich habe einmalig eine Lieferverzögerung von 3 Wochen verzeichnet und in dieser Zeit wurde von BoD noch nicht einmal eine Meldung ausgegeben. Weder an mich als Autor, noch an die Buchhandlungen, in denen bestellt wurde.

 

Wenn Ihr nun gespannt seid, ob ich zu jenen Ofenautoren gehöre, dann dürft Ihr mich selbstverständlich auf meiner Webseite, auf Facebook oder Google+ besuchen.

Wie schon erwähnt, habe ich ebenfalls ein Buch veröffentlicht. Es beinhaltet Erzählungen zu sehr verschiedenen Themen, da ich ein recht vielseitiger Mensch bin (fragt meine Frau, die muss das alles mitmachen). Leseproben findet Ihr auf meiner Webseite oder über eine kurze Google-Suche.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch ein paar Minuten Zeit nehmt, Euch reinlest und an meiner Umfrage teilnehmt.

Denn ich habe, im Gegensatz zu einigen schwarzen Schafen in diesem Geschäft, nichts zu verbergen.

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Autor seit 5 Monaten
7 Seiten
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