Romanischer Bau mit gotischen Elementen

Wo heute die Kathedrale Sé prangt, soll früher eine fünfschiffige Moschee gestanden haben. Nach der Rückeroberung der Stadt Lissabon von den Mauren 1147 nutzten die Kreuzfahrer diese zunächst als Kathedrale. Später wurde sie umgebaut, im 14. Jahrhundert durch ein Erdbeben stark beschädigt und anschließend wieder errichtet und erweitert. So kommt es, dass die Sé in zwei typischen Baustilen erscheint, dem romanischen und dem gotischen. 

Das ursprünglich romanische Gotteshaus zeigt sich im Inneren schlicht und nüchtern. Der zweigeschossige Kreuzgang mit neun Kapellen wurde jedoch elegant gotisch gestaltet. Es lohnt sich, den Eintritt zu zahlen, um in diesen hinteren Bereich der Kathedrale zu gelangen, zumal das Ticket auch gleich für die Schatzkammer der Sé gilt. Die wuchtige Westfront mit seinen zwei Türmen wurde 1380 angefügt.

Grabungen im Garten des Kreuzganges der Sé

Durch einen Eingang an der Seite des Kirchenchores gelangen Sie in den Kreuzgang, der früher einen Garten einschloss. Dieser ist als solcher nicht mehr erkennbar. Den Besucher erwartet statt dessen ein Einblick in archäologische Grabungen. Römische Spuren in Form einer Straße und Kanalisationsrohre aus dem ersten Jahrhundert wurden freigelegt. Über frei schwebende Gänge aus Gitter, kann man sich das Grabungsfeld anschauen. Auch der Kreuzgang selbst ist sehenswert. Westgotische Inschriften, verschiedene Gräber mit liegenden Figuren und ehrwürdige Säulen laden zum Verweilen ein, erst Recht, wenn man Lissabon im Sommer bei Hitze besucht. Aus diesem Bereich heraus können Sie einen herrlichen Blick über Lissaboner Dächer genießen.

Im Inneren der Kathedrale (Bild: H. Nedo)

Die Schatzkammer der Kathedrale

Die Schatzkammer ist etwas für diejenigen, die sich gerne sakrale Kunst anschauen. Eine mit 4120 Edelsteinen besetzte Monstranz ist das Glanzstück der Ausstellung. Es sind auch Roben und verschiedene Reliquien zu sehen. In die Schatzkammer gelangen Sie über einen Aufgang gleich links neben dem Haupteingang der Sé. Von einem der Räume aus haben Sie einen herrlichen Blick in die Kirche von oben. Hier stehen Sie direkt vor der Rosette in der Portalfront. Ein weiterer Raum ist mit wertvollem Mobiliar und blau-weißen Azulejos geschmückt. Ebenfalls links vom Eingang der Sé befindet sich ein Taufbecken, in dem der heilige Antonius von Padua und der Jesuitenpater Antonio Vieira (1608 – 1697) getauft worden sein sollen.

Die Kathedrale Sé ist täglich von 9,00 bis 19,00 Uhr geöffnet. Sie kann ohne Eintrittsgeld besichtigt werden. In den Kreuzgang und die Schatzkammer gelangen Sie jedoch nur mit Eintritt (4 Euro bei Erstellung dieses Artikels). Mit der Tram 28 oder 12 fahren Sie direkt bis zur Haltestelle Sé. 

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