Südliche Schönheit - Algarve und Alentejo

Wer im Januar morgens noch bei Schnee und Sturm in den Flieger steigt, um Mittags in Faro zu landen, wer sich von dort auf den Weg zur Unterkunft begibt, kann schon in der ersten Stunde sagen: die Algarve ist schön. Allein das milde Wetter sorgt dafür, dass jeden Winter unzählige Urlauber an diese Küste fliehen. Am Straßenrand gibt es Orangen in 5-Kilo-Säcken, preiswert, vor Ort geerntet, von Palmen oder hohen Pinien beschattet. Frisch gepresster Orangensaft oder ein Sagres, das typische portugiesische Bier, in einem der zahlreichen Restaurants direkt am Meer getrunken, machen viele Orte zu den schönsten der Küste, je nachdem, wo Sie gerade sitzen. Januar und Februar sind mit ihrer Mandelblüte eine herrliche Reisezeit. Dazu kommt eine Felsküste mit Buchten und Sandstränden, die bei jedem Wetter einem Naturwunder gleicht. Oft lässt es die Sonne zu, im T-Shirt zu verweilen. Neben der Natur der Algarve brauchen sich Städte wie Lagos, Faro, Sagres und Portimão nicht verstecken. Sie laden ein zum Bummel durch schmale Gassen oder zum Promenieren direkt am Meer. Von Lagos aus etwas weiter in Richtung Westen gelaufen (oder auch gefahren), befindet sich die Ponta da Piedade, eine Felsformation im Atlantik, die schon tausendfach fotografiert wurde. Über eine Treppe gelangen Sie vom oberen Rand des Aussichtspunktes bis nach ganz unten, so wie es in der Algarve an vielen Stellen üblich ist. Im Winter ist es möglich, auf diese Art eine Bucht zu finden, in der Sie ganz allein sind. Sand, Felsen, das Meer und Sie - vielleicht ist es dort am schönsten in Portugal? Immer wieder, egal ob bei Sturm oder blauem Himmel, beeindruckt mich das Cabo de São Vicente. Es ist der südwestlichste Zipfel Europas. Vor Jahrhunderten glaubte man, hier befindet sich das Ende der Welt. Der Platz selbst vor dem Cab ist nicht umwerfend, der unverbaute Blick vom Felsen hinab und in die Weite dagegen sehr.

Nördlich an die Algarve schließt sich der Alentejo an. Das Gebiet ist groß und reicht bis nach Lissabon. Korkeichenwälder und Eukalyptusplantagen, die Berge des Monchique und vor allem die raue Westküste in Richtung Norden halten stille oder auch atemberaubende Eindrücke bereit. Der Alentejo ist eine dünn besiedelte Region, die sich immer noch so zeigt, wie sie vor der Erfindung von Tourismus aussah. Das kleine Dörfchen, in dem eine unserer Bekannten lebt, besteht aus fünf Häusern, der Nachbar etwa fünf Kilometer entfernt, bei Regen nur mit Allradwagen erreichbar: herrlich abenteuerlich, herrlich still, herrlich unberührte Natur!

Atlantik bei Benagil - Algarve

Atlantik bei Benagil - Algarve (Bild: Heike Nedo)

Lissabon - Stadt der sieben Hügel


Tram 28 - Heike NedoWeniger einsam präsentiert sich Lissabon aber keinesfalls hektisch, abgesehen vom Verkehr, der eine Herausforderung ist, wenn die Berufspendler unterwegs sind. Den Tag beginnen viele Portugiesen in einer Pastellaria mit Milchkaffee( Galaun) oder einem kleine, starken Bica. Lissabon können Sie sich erlaufen oder mit Metro beziehungsweise Bus oder Tram erschließen. Zusätzlich helfen innerstädtische Aufzüge dabei, die Höhenunterschiede zwischen den Stadtteilen zu überwinden. Abends vor dem beleuchteten Elevador de Santa Justa zu stehen und von irgendwoher Fado zu hören, ist ein wunderschöner Augenblick. Beeindruckend sind das Hieronymuskloster (Mosteiro dos Jerónimos), Torre de Belém, das Pantheon, die Catedral Sé oder das Entdeckerdenkmal direkt am Tejo gelegen. Neben dem alten Lissabon bildet das moderne Expogelände mit dem Ozeaneum einen sehenswerten Kontrast. Diese großen Bauten, die Reiseführer füllen, sind nicht allein das schönste an Lissabon. Für mich sind es die Miradouros, also die Aussichtspunkte, die stillen Orte in grünen Parks, die kleinen, auf den ersten Blick nicht gerade einladenden Restaurants mit jedoch immer freundlichem Wirt, in denen sich mittags die Portugiesen drängen, die engen, maroden Gassen in der Alfama und deren winzige Läden mit Obst und Gemüse. Dazu kommt natürlich die Tram 28, obwohl uns dort ein Portemonnaies abhanden gekommen ist, und zusätzlich alle Fassaden, die sich mit Azulejos schmücken. Die glatte Fläche der Fliesen glitzert in der Sonne, die Farben und vor allem die Muster faszinieren mich immer wieder. Daher soll hier nicht vergessen werden, das Azulejo-Museum im ehemaligen Kloster Madre de Deus zu erwähnen. Ich habe es mehrmals besucht. Und noch ein Ort in Lissabon soll benannt sein: das Café A Brasileira nahe der U-Bahn Baixa-Chiado. Es eignet sich auch für einen guten Portwein, direkt am Tresen im Stehen getrunken. Dieses Kaffee gehört für mich zu den schönsten in Lissabon. Obwohl man denken könnte, dass mancher Portugiese diesen Touristenmagnet lieber meidet, konnten wir hier mehrfach beobachten, wie Einheimische auf die Schnelle am Tresen ihren Bica trinken: zum Feierabend kurz bestellt, schnell bezahlt, sofort genossen und dann weiter.

Orte zwischen Lissabon und Porto

Es geht weiter Richtung Norden. Noch nahe der Hauptstadt liegt Sintra, das in der Liste der schönsten Orte Portugals nicht fehlen darf. Das kleine Städtchen mit seinen Palästen gehört zum Weltkulturerbe und ist umgeben von tropischer Landschaft. Erwähnenswert sind sicher auch Batalha, Alcobaça, Óbidos und natürlich Fátima, als bedeutendster Pilgerort Portugals, weit über dessen Grenzen hinaus berühmt. Ich habe diese Kirchen und Paläste besucht, kann deren Pracht und Atmosphäre nur schwer beschreiben und möchte dennoch eine andere Stadt benennen. Es ist Caldas de Rainha, ein beschauliches Städtchen, dass Sie im Reiseführer zwar finden, aber nicht so beschrieben, als könnte hier der schönste Fleck von Portugal liegen. In Caldas de Rainha steht das älteste Krankenhaus Europas. Ein kleiner, wunderbarer Parkt lädt zum Verweilen ein, Bänke sind genug da, und inmitten dessen befindet sich ein Museum für portugiesische Malerei. Am Rand des Parks ein weiteres Keramikmuseum, was in keine andere Stadt besser passt, als hierher. Caldas de Rainha ist die Hochburg der Keramikproduktion Portugals und hat sich zu einem Zentrum portugiesischer Kunst entwickelt. Im ganzen Land sind Produkte der Fabrik Bordalo Pinheiro berühmt. Im Laden vor Ort werden auch Waren zweiter Wahl angeboten. Das macht es möglich, die begehrten Stücke für einen erschwinglichen Preis zu ergattern. Auf dem Marktplatz im Zentrum gab es bis vor kurzem täglich ein reges Markttreiben mit besonderem Flair. Gegenwärtig wird sein typisches portugiesisches, schwarz-weißes Pflaster restauriert. Das kunstvoll verlegte Pflaster, calcada portuguesa, ist im ganzen Land vom Süden bis in den Norden weit verbreitet. Caldas de Rainha wird für mich immer wieder einen Besuch wert sein. Nicht zuletzt, um erneut einen Blick in die Kirche der Stadt zu werfen. Azulejos schmücken das Innere bis unter die Decke. Klein aber fein und leider renovierungsbedürftig. Die Uhren des Kirchturms haben nur einen Zeiger. Es scheint so sein zu sollen und ist Absicht. Charmant, bescheiden und freundlich wirkt Caldas de Rainha. Portugals Reichtum ist hier verblasst, schimmert aber überall mit Stolz durch. Vielleicht sind diese verwunschenen Orte die schönsten von Portugal?

Im Park von Caldas de Raina (Bild: Heike Nedo)

Portwein und das Dourotal

In Porto wird gearbeitet, in Lissabon gefeiert, ein in Portugal verbreiteter Spruch. Was Sie nicht davon abhalten sollte, Porto und seine Umgebung zu besuchen. Wenn es möglich ist, bringen Sie genug Zeit mit. Porto ist anders als Lissabon, nicht schöner, nicht weniger schön, nur anders. Ich glaube, es ist quirliger. Wenn Sie mit dem Zug anreisen, empfängt Sie Porto gleich mit dem wohl beeindruckendsten Bahnhof des Landes. Blau-weiße Azulejo-Bilder schmücken die Wände der Halle großformatig. Auch Porto ist zu Fuß zu entdecken. Für das Hinterland sollten Sie einen Schiffsausflug einplanen. Eine Strecke mit dem Zug und eine per Schiff das Dourotal hinab, gehört zu den ganz besonderen Erlebnissen. Nicht nur der Blick vom Fluss aus in die hügelige Landschaft mit Weinbergen, auch eine Schleuse, die etwa 30 Meter überbrückt, bleiben unvergessen. Nachdem Sie gesehen haben, wo der Wein wächst, will dieser auch gekostet werden. In Porto ist das gut möglich, an beiden Ufern des Douro. Die eine Seite des Douro heißt Porto, auf der anderen liegt Vila Nova de Gaia, wo sich alle großen Portweinproduzenten mit ihren Lagerhallen niedergelassen haben. Mit einer Gondelbahn können Sie über die Dächer dieser Hallen schweben. Verbunden werden beide Teile über die Brücke Ponte Luis I. Der Blick auf Portos alte Häuser am Flussufer ist berühmt und nicht nur auf Fotos schön. Die Realität entspricht dem, was die Bilder in Reiseführern versprechen. Wenn es die Zeit erlaubt, sollten Sie sich unbedingt den Weg in die schönste Buchhandlung Portugals gönnen, Lello e Irmão: fotografieren verboten, was ich verstehen kann. Der Buchhändler würde vor lauter Blitzlichtern kaum in Ruhe arbeiten können. Trotzdem muss ich gestehen, habe ich heimlich ein Bild gemacht. Zu verführerisch ist das Innere des Ladens, zu groß der Wunsch, diese Eindrücke festzuhalten. Inzwischen habe ich einen Bildband "Die schönsten Buchläden der Welt", in dem die Livraria Lello würdig in Wort und Bild beschrieben wird. Ich würde beim nächsten Portobesuch wieder hinein gehen, auch wenn ich nur einen Tag Zeit für die Stadt hätte.

Freundliche Menschen und Gelassenheit - schönes Portugal

Meine Liste der schönsten Orte von Portugal könnte noch länger werden. Allerdings bringt jede Reise andere schönste Flecken hervor. Denn letztendlich sind es die Menschen, die einen Ort, eine Landschaft, ein ganzes Land schön machen. Portugiesen sind außerordentlich freundliche und hilfsbereite Menschen. Das ist keine Floskel. Sie werden es erleben. Lernen Sie ein paar Worte portugiesisch: Danke, Bitte, Entschuldigung, die Begrüßungsformeln und vielleicht einige Gerichte. Es wird gerne gehört und gedankt. In Portugal wird Ihnen manches begegnen, was wir ordentlichen Deutschen anders machen würden. Mit der Gelassenheit der Portugiesen können wir nicht mithalten. Die Frage: "Wo ist es am schönsten in Portugal?" lässt sich noch nach einem Urlaub beantworten. Reisen Sie allerdings mehrfach und immer wieder, werden daraus viele schöne Erinnerungen. Wo ist es am schönsten in Portugal? Vielleicht gerade dort, wo es sie hin verschlägt? Sehen Sie es Gelassen.

Straßenhandel (Bild: Heike Nedo)

Autor seit 5 Jahren
128 Seiten
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