Was geschah mit den Siedlern auf Roanoke Island? (Bild: NCDOTcommunications / Flickr)

Zwischen den Siedlern und den Indianern kam es zu Konflikten

Ein weiterer, bis heute ungelöster Fall betrifft die Siedler von Roanoke Island im heutigen US-Bundesstaat North Carolina. Ursprünglich war das Gebiet die Heimat der Indianer. Sie lebten dort bereits vor über 10.000 Jahren. Der italienische Entdecker Giovanni da Verrazano (1485 - 1528) war der erste Europäer, der 1524 an der Küste anlegte. Er sollte im Auftrag des französischen Königs die amerikanische Atlantikküste kartografisch erfassen. Allerdings waren es die Engländer, die in North Carolina die erste Kolonie gründeten. Im Jahr 1584 schickte Sir Walter Raleigh Gesandte aus, um die Küste zu erkunden. Das milde Wetter und die fruchtbare Erde waren ausschlaggebend dafür, dass sie Roanoke Island als Standort für eine Siedlung wählten.

In den folgenden Jahren kamen mehr als 100 Siedler, Wissenschaftler und Entdecker nach North Carolina, um die erste englische Kolonie in Amerika zu gründen. Ursprünglich wollten die Menschen für immer bleiben. Doch das Schicksal meinte es anders. Den Siedlern gingen die Vorräte aus. Zudem kam es zu Auseinandersetzungen mit den amerikanischen Ureinwohnern. Ein Jahr später kehrten die Pioniere zurück nach England. Am 22. Juli 1587 versuchte eine Gruppe von 90 Männern, 17 Frauen und 11 Kindern erneut ihr Glück auf Roanoke Island. Angeführt wurden sie von John White, der bereits zu den ersten Siedlern gehört hatte.

Von den Siedlern fehlte jede Spur

Am 25. August segelte er abermals nach England, um Versorgungsgüter zu beschaffen. Ursprünglich wollte er sofort wieder zurückkehren, doch der Ausbruch des englisch-spanischen Krieges vereitelte seine Pläne. Als White drei Jahre später, am 18 August 1590 mit einem Versorgungsschiff die Insel anlief, gab es keine Siedler mehr. Die Häuser waren verlassen, die Festung aus Erdwällen menschenleer. Es gab auch keine Spuren eines Überfalls oder Kampfes. Nur einen Hinweis hatten die Siedler hinterlassen. In einen Holzpfeiler war das Wort "Croatoan" geschnitzt. Dabei handelte es sich um den Namen einer nahegelegenen Insel, die heute Hatteras heißt (benannt nach dem gleichnamigen Indianerstamm). Als ein Hurrikan aufzog, musste White die Suche abbrechen und nach England zurückkehren.

Im Jahr 1602 schickte Raleigh eine weitere Expedition nach Roanoke Island, die jedoch ebenfalls keine Spuren fand. Bis heute weiß niemand, was den Pionieren zugestoßen ist. Wurden sie von Indianern umgebracht? Oder zogen sie um nach Croatoan Island? Einer Theorie zufolge trennten sich die Siedler. Einige wurden von Indianern getötet, andere schlossen sich verschiedenen Stämmen an. Aus welchem Grund sie dies taten, ist jedoch unklar, da weder persönliche Gegenstände noch Aufzeichnungen gefunden wurden. Auffällig ist allerdings, dass sich Einheimische in der Nähe von Croatoan an weiße Vorfahren erinnern. Zudem haben einige eine graue Augenfarbe, die sonst bei Indianern unüblich ist. Um 1880 traf der Forscher MacMillian auf Angehörige des Stammes der Pembrokes, die Englsich sprachen und deutliche europäische Gesichtszüge aufwiesen.

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