Sind Pflanzen Lebewesen?

Gertraud Benke studierte an der Stanford University School of Education. Sie arbeitet am Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung und schloss, 2015, an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt, ihre Habilitation zum Thema Unterrichtsforschung ab. Sie untersuchte die Hintergründe der Frage: Sind Pflanzen Lebewesen?, und kommt zur Schlussfolgerung:

"In der Beurteilung, ob Pflanzen Lebewesen sind, kommt es auf den eigenen Standpunkt an. Menschen, die akzeptieren das Pflanzen Lebewesen sind, haben oft schon als Kind, ein umfassendes Verantwortungsgefühl für Pflanzen, Tiere und andere Menschen gezeigt Kinder, im magischen Alter, zwischen neun und elf Jahren, würden, so die Wissenschaftlerin Gertraud Benke, die Frage, ob Pflanzen Lebewesen sind, spontan mit "Ja" beantworten. Sie können verstehen, wenn Pflanzen sich im Märchen bewegen, sprechen und Gefühle äußern. Erwachsene sind da zögerlicher. Sie sind in der Biologie und der christlichen Schöpfungsgeschichte bewandert, kennen die Eigenschaften von Pflanzen und trennen zwischen pflanzlichen und menschlichen Eigenschaften exakter.

Sind Pflanzen Lebewesen?

Sind Pflanzen Lebewesen? (Bild: Monika Hermeling)

Was tun Pflanzen für den Menschen?

Vereinfacht gesehen gibt es eine religiöse und eine biologische Antwort auf die Frage. Laut Bibel wurde die Erde mit Pflanzen ausgestattet, damit Menschen komfortabel auf ihr leben können. Die Liste der Eigenschaften die Pflanzen haben und die sie Menschen und Tieren, unentgeltlich, zur Verfügung stellen, ist, biologisch gesehen, lang. Grob gerechnet, sind es wenigstens 100 unterschiedliche Dienstleistungen, die Pflanzen kostenlos für uns erledigen.

Einige Beispiele für die Tätigkeit von Pflanzen:

  • Pflanzen erzeugen Sauerstoff und ermöglichen damit, dass Menschen und Tiere auf der Erde leben können
  • Sie reinigen die Atemluft
  • Sie erzeugen, durch die Aufspaltung von CO 2, Energie
  • Pflanzen erhalten uns, indem wir sie verzehren, durch ihre Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe gesund, und schmecken lecker
  • Pflanzen wirken erotisierend
  • Blumen erfreuen uns durch ihre Form- und Farbenpracht und ihren Duft
  • Sie haben eine eigene Sprache
  • Pflanzen sind friedlich, vertilgen aber auch Insekten
  • Pflanzen regulieren das Ökosystem und den Wasserkreislauf

Grüne Paprika (Bild: Monika Hermeling)

Dalien (Bild: Monika Hermeling)

Was tun Menschen für die Pflanzen?

Auf die Frage der Wissenschaftlerin Gertraud Benke an ältere Grundschulkinder, ob Pflanzen Menschen zum Überleben brauchen, stellten viele Kinder fest, dass Pflanzen Menschen und Tiere brauchen, weil die Gewächse sonst ungehindert die Erde überwuchern würden. Nur wenn sie regelmäßig geerntet werden, könnten Pflanzen, Tiere und Menschen im ökologischen Gleichgewicht miteinander leiben.

In der Sorge des Menschen für die Pflanzen sieht es eher dürftig aus. Ein grundlegendes Umdenken sieht Gertraud Benke darin, schon in Kindergärten und Schulen fachübergreifend über die Funktion von Pflanzen aufzuklären. Bisher stehen, zu ihrem Bedauern, für diesen Zweck, nur zahlreiche Forschungen zum Thema Tier zur Verfügung.

Ein stolzer Gärtner

Ein stolzer Gärtner (Bild: Monika Hermeling)

Gibt es den "parentaler Umwelteffekt" bei allen Pflanzen?

Ob und in welchem Umfang Pflanzen ihre Erfahrungen weiter geben, hängt, wie eine grundlegende Studie von Professor, Dr. Katja Tielbörger, die an der Universität Tübingen im Fachbereich Biologie/ Vegetationsökologie, forscht, bestätigt, zum Beispiel zusätzlich von den Klimabedingungen und der Dichte ab, in der die Pflanzen an ihrem Standort wachsen. Die Studie zeigte zusätzlich, dass die Fähigkeit, Nachkommen auf eventuelle Umweltbedingungen "vorzubereiten", vielfältig ist und sogar innerhalb einer Art unterschiedlich sein kann.

Sehr zum Erstaunen der Autoren zeigte das Gras nicht den erwarteten parentalen Umwelteffekt. Dies bestätigt wiederum die Beobachtung früherer Studien, dass einjährige Pflanzen noch weitere Strategien nutzen können, um in variablen Ökosystemen zu überleben.

Könnten diese Reaktionen der Pflanzen zufällig sein? Frühere Studien zeigten, dass parentale Umwelteffekte bei bestimmten Arten von Pflanzen zu beobachten sind. Die aktuelle Studie ergänzt, dass diese umfangreicher sind als gedacht, denn sie variieren auch innerhalb von Arten. Das beweist, dass sie nicht zufällig entstanden sein können, sondern, sehr wahrscheinlich, durch eine natürliche Selektion.

Gräser

Gräser (Bild: Monika Hermeling)

Gartenzwerge, Sigmaringen

Gartenzwerge, Sigmaringen (Bild: Monika Hermeling)

Was bedeuten diese Erkenntnisse für Gärtner?

Auch Gärtner sind eher an "intelligenten" Pflanzen, die sorgsam mit Wasser umgehen können und zum Beispiel ihre Warnungen vor wechselnden Umweltbedingungen, Schutz vor Krankheiten und Schädlinge an ihre nächste Generation weiter geben können, interessiert. Diese intelligenten Pflanzen passen sich ihrer Umgebung an und liefern auch dann eine gute Ernte, wenn nicht "geschulte" Pflanzen das nicht schaffen. Die Entwicklung dieser Eigenschaften setzt voraus, dass die "Elternpflanzen" langjährig an einem Ort unter ähnlichen Bedingungen wuchsen. Nur so können sie selber genug Erfahrungen sammeln und in ihren Genen speichern, um Vorhersagen, zum Beispiel über das Wetter treffen zu können. In der Folge sind nur sie in der Lage, in Notsituationen, ihren Nachkommen mit wertvollen Informationen weiter zu helfen. Diese Erkenntnisse bestätigen Gärtner darin, ihre Pflanzen selbst zu säen oder vor zu ziehen, damit diese mit den örtlichen Bedingungen vertraut werden. Logisch gedacht, lohnt es sich, Jungpflanzen regional zu erwerben. Denn diese passen sich schnell den Bedingungen in einem örtlichen Garten an. Damit ist eine gute Ernte oder prächtige Wuchs- und Blüheigenschaften wahrscheinlicher.

Damit ist auch die Frage beantwortet, warum Jungpflanzen, die in einer anderen Region gute Eigenschaften hervorbringen, oft am neuen Standort nur zögerlich wachsen. Manchmal benötigen sie nur eine Zeit zur Akklimatisierung, manchmal gelingt so ein Verpflanzen aber auch gar nicht. Die hilfreichen "parentalen Umwelteffekte" sind vor allem in einer Umwelt von Vorteil, deren Klimabedingungen in Tages- und Jahreszeit stark schwanken. Beispielsweise in Wüstenregionen wo sich die Tages- und Nachttemperaturen stark unterscheiden und die Regenmengen schwankend sind.

MonikaHermeling, am 22.07.2019
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Bildquelle:
Monika Hermeling (Brauchen Pflanzen einen Schutz?)
Wie die Pflanze reagiert, Grafik: Rob Ro (Wie Pflanzen sich selbst gegen Bakterien schützen)

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