Heutzutage sind die Kräuter, infolge der Klimaveränderung, Mitte August oft schon verblüht. Aus diesem Grund werden sie manchmal schon früher gesammelt und am "Frauentag" geweiht. Vielen Frauen wird erst durch das Kräuter binden, bewusst, dass oft, gleich vor der Haustür, kraftvolle und heilbringende Pflanzen wachsen.
Einige der Pflanzen können auch im Garten, in einem Kräuterbeet oder einer Kräuterspirale angebaut werden, damit sie im Bedarfsfall zur Hand sind.

Woher kommt der Brauch des Kräuterbuschens binden?

Erntefeste, bei denen den Göttern für eine gute Ernte gedankt wurde, sind in Deutschland seit undenklicher Zeit bekannt. Bereits die Kelten verehrten mit den Kräutern die Götter. Vom Christentum wurde dieser Brauch übernommen und speziell der Marienverehrung gewidmet. Der Zusammenhang zwischen der Mutter Jesu, Maria, und den Kräutern wird mit in Legenden aus der Frühzeit der Kirche begründet. In ihnen wird berichten, dass die Apostel den Leichnam Marias umbetten wollten und beim Öffnen ihres Grabes, statt des Körpers, Rosen vorgefunden haben.

Welche Kräuter gehören in den Kräuterbuschen?

Kräuterbuschen und Marienbild, M.HermelingIn jeder Region, ja schon von Familie zu Familie ist die Tradition des Kräuter bindens unterschiedlich. Auch über die Kräuter, die in das Büschel gehören, gibt es keine Einigkeit.
Die grundlegenden Kräuter sind:
Salbei, Lavendel, Petersilie, Huflattichblätter, Johanniskraut, Tausendgüldenkraut, Meisterwurz, Wermut, Schafgarbe, Pfefferminze, Kamille, Holunder, Kreuzraute und Majoran. Ergänzt werden sie oft mit den Blüten von Zwiebeln und Knoblauch.
Von diesen Kräutern werden mindestens sieben gesammelt und zu einem Kräuterbüschel gebunden. Es gibt auch 9er, 12er, 15er und 19er Kräuterbüschel. Wichtig ist es eine magische Zahl zu wählen, um die Wirksamkeit zu verstärken. Darin sind sich die Kräuterkundigen einig.
Wer umfangreichere Kräuterbüschel binden will, wählt 66 oder 77 Kräuter aus. Zu ihnen gehören, neben den Vorgenannten, die Schafgarbe, Baldrian, Arnika, Wermut, Beifuß, Tausentgüldenkraut, Alant, Engelswurz, Zinnkraut. Bei diesen Büscheln ist die Königskerze immer in der Mitte zu binden.

Bezug zwischen Kräutern und Marienverehrung
Marienpflanzen: Der geheimnisvolle Garten Maria...

Welche Heilkraft wird Kräuterbuschen zugesprochen?

Kräuterbuschen symbolisierten Fruchtbarkeit und Gesundheit. Dem Kräuterbuschen wurde früher Heikraft nachgesagt. Diese sollte sich durch die Anwesenheit der Kräuter und berühren auf den Menschen übertragen.
Kräuterbuschen wurden, nach der Weihe, traditionell oft, im "Herrgottswinkel" in einer Ecke der Wohnung, wo bei Katholiken das Kruzifix ist, aufgehängt. Dort stand er, bei Alltagsbewerden, zur Verfügung. Heute wird die Kräuterweihe als Ausdruck des Menschen, der Achtung vor der Schöpfung und die Heilkraft der Kräuter, als Symbol für die Zuwendung Gottes an den Menschen, gesehen.
Helfen sollten die geweihten Kräuter, gebunden oder als Tee, bei allen Arten von Verzauberung von Mensch oder Tier, bei Gewitter, als Schutz vor Krankheiten. Durch sie sollte für eine gute Ernte und ein immerwährendes Eheglück, mit vielen gesunden Kindern, gesorgt werden. Um diesen Erfolg zu haben, wurden Stall und Stube in den Rauhnächten oder zu Sylvester, zusätzlich, von Kräuterkundigen oder einem Priester, mit diesen Kräutern ausgeräuchert.
Damals galt das Ausräuchern von Krankenstuben als besonders heilkräftig, wenn zusätzlich zu den üblichen Kräutern Weihrach verwendet wurde.
Sieben Kräuter für die grüne Soße
Die Wildkräuter des Kräuterbüschels dürfen nicht mit den Küchenkräutern Pimpinelle, Kresse, Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Borretsch und Sauerampfer verwechselt werden, die ein hauptsächlicher Bestandteil der "Grüne Soße" sind, die am Gründonnerstag, dem Tag vor dem Karfreitag, in katholischen Gegenden bevorzugt, verzehrt wird.

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