Die Farben des Orients

Wie sind die Farben in den einzelnen orientalischen Ländern? In den von Wüste geprägten Gebieten wie z.B. Ägypten, Tunesien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Landschaft in ein sandiges Gelb gehüllt, farbige Tupfer bieten die saftig-grünen Oasen mit ihren Palmen und sprudelnden Wasserquellen. Am Mittelmeer bewundern wir die strahlend blauen Häuser mit türkisen, blauen oder grünen reich verzierten Holztüren, die manchmal die Hand der Fatima als Schutzsymbol tragen. Künstler wie August Macke und Paul Klee zeichneten begeistert die Impressionen von Sidi Bou Saïd, Tunesien. Die Erde in Marokko leuchtet in tiefem Terrakotta. Orte wie z.B. Ait Ben Haddou am Fuße des Hohen Atlas sehen aus wie aus Lebkuchen erstellt. Die Lehmhäuser verschachteln sich ineinander zu Wohnburgen mit kleinen Ecktürmchen und Zinnen. Sie sind uns aus Filmen wie z.B. Jesus von Nazareth, Himmel über der Wüste, Kundun oder Prince of Persia – der Sand der Zeit bekannt. Im Orient zeigt man Reichtum nicht offen, die Häuser wirken nach außen oft schlicht. Im Innern jedoch werden sie liebevoll dekoriert. Man schwelgt gerne in üppigen Farben. Statt Balkon bietet ein schattiger Innenhof oder ein freier Dachgarten den Menschen Kühle und Erfrischung.

Wohnlicher Innenraum mit Sitzkissen im Oman (Bild: Reisefieber)

Sidi Bou Said, Tunesien (Bild: Reisefieber)

Ait Ben Haddou (Bild: Ethel Davies / AllPosters)

Der leichte Wüstenstil

Die Farben reichen hier von hellem Weiß, leichtem Sand bis Dunkelbraun und geben dem Raum einen modernen Touch, ohne überladen zu wirken. Alles ist sehr dezent und hell. Lampen aus Naturmaterialien wie z.B. Bast, Zweige oder Leder sorgen für ein sanftes Licht. Die marokkanischen Lederlampen sind ein Zeichen traditionellen Kunsthandwerks. In den Werkstätten Marrakeschs werden sie in Handarbeit meist aus Ziegenleder hergestellt. Die filigranen Hennamuster zeigen häufig das Symbol der Sonne sowie Rautenmuster und verschlungene Ornamente. Sie sind sowohl als Stehlampe, Wandlampe als auch als Deckenleuchte erhältlich.

Über dem Sofa liegen handgewebte Tagesdecken aus naturfarbener Schafwolle, kleine Zierkissen mit verschlungenen Arabesken schmücken die Ecken. Manche Sofas haben auch dezente orientalische Muster eingewebt, sodass keine Kissen notwendig sind. Dunkle Holzschälchen bieten sich für Knabbereien an. Wer möchte, kann mit hölzernen Kamelen die Wüste locken.

Der üppige Orientstil

Der Raum wird in warme, erdige Farben gehüllt. Decken und Kissen sind mit Zierbändern aus Brokat, Perlen und Pailletten oder kleinen Bommeln verziert. Ein kleiner Messingtisch sorgt für den besonderen orientalischen Touch. Diese Tische haben häufig ein zusammenklappbares Fußteil aus Zedernholz, die preiswerte Version ein metallisches Unterteil. Das Messingtablett ist mit orientalischen Mustern, dem sogenannten Moucharabia in Handarbeit verziert. Wer durch die Gassen des Orients streift, kann die Handwerker heute noch bei der Arbeit bestaunen, wie sie von Hand in mühevoller Kleinarbeit die Verzierungen in das Blech hämmern.

Andere Tische sind aus Zedernholz und in üppigen Farben mit orientalischen Berbermotiven bemalt. Die Tische sind meist sechseckig und in vielen Farben erhältlich. Sie werden im Marokko von Hand gefertigt.

Für Farbenfreude sorgen auch Kelims, das sind Webteppiche, die Muster auch gegenständliche Motive zeigen. Ursprungsregionen des Kelim sind Anatolien, Persien sowie der Kaukasus, Länder, die an den Karawanenstraßen lagen. Die Teppiche wurden der Braut als Mitgift mitgeben. Ihre Herstellung benötigte große Sorgfalt, da sie das Ansehen der Familie stärkten. Die Flachteppiche werden gewebt, nicht geknüpft. Sie sind sehr strapazierfähig und preiswert. Kelims sind auch als Kissen, Tischläufer oder Wandbehang erhältlich.

In Istanbul habe ich viele Kelimkissen und -teppiche in den Basarstraßen gesehen, auf denen sich auch kleine Kätzchen sehr wohl fühlten.

Kätzchen auf Kelim

Kätzchen auf Kelim (Bild: Reisefieber)

Bunte Akzente bieten Orientlampen in Gelb-orange oder auch Messinglampen mit bunten Glassteinchen und filigranen Mustern. Sie werfen bunte Lichtreflexe an Decken und Wände. Die Lederlampen mit Hennaverzierung sind auch in warmen Rot- und Orangetönen erhältlich.

Bunte Teegläser, orientalische Teekannen, eine Shisha (Wasserpfeife) sorgen für kleine Highlights. Hier darf man in bunten Farben schwelgen und auch einmal ungewohnte Kombinationen probieren.

Orientalische Düfte

Auch Gerüche machen einen Raum wohnlich. Die wohlriechenden Düfte des Orients sind wohlbekannt, seien es Gewürze wie Zimt, Safran und Nelken oder Parfüm. Im Oman beduftet man Kleider und Räume mit Weihrauchmischungen. Diese riechen nicht wie bei uns in der Kirche, sondern haben ein ganzes Potpourri an Düften von frischem Zitronenaroma, warmen Honig bis holzigen Gerüchen. Bereits die Heiligen Drei Könige brachten wertvollen Weihrauch, Myrrhe und Gold als Geschenk. Der Weihrauch wird auf einem kleinen Tontöpfchen mit Holzkohle zum Klimmen gebracht.

In Ägypten werden viele Duftöle produziert. Einige wenige Tropfen auf einer Duftlampe hüllen den Raum in ein angenehmes orientalisches Wohnflair.

Reisefieber, am 03.01.2014
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Bildquelle:
Indische Lampen / Reisefieber (Die Wohnung preiswert im Bollywood-Stil einrichten – Indien für zuh...)

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