Der Süden Irlands ist geprägt von wundervollen Landschaften.

Jeder, der schon mal in Irland war, gibt den Rat, ja blos regenfeste Kleidung mitzunehmen. Mitte Oktober hatten wir aber angenehmes Herbstwetter. Wir flogen mit Air Lingus. Die Gesellschaft ist seit 30 Jahren unfallfrei und recht ordentlich. Gebucht war ein inclusiv- Angebot. Bed and Breakfast, Leihwagen, Hin- und Rückflug. Das ist was für Abenteurer.

Von Frankfurt nach Dublin. Die Kontrollen sind doch recht streng. Schon am Airport begegnen wir zwei Welten. Alte bunte "Schuhputzerstühle" in den modernen Terminals. An das gälische Englisch muss man sich erst gewöhnen.

Unser Mietwagen war nicht verfügbar. Wir bekamen einen kleineren Ersatz. Was für ein Glück. Ich kann jedem nur raten, Vollkasko-Versicherung abzuschließen. Die Übergabe war unterkühlt freundlich. Hier sind die Schlüssel, die Karre steht irgendwo da hinten. Erst mal ein par Bilder machen für den Fall der Fälle.  Rechts sitzen, links schalten ist ungewohnt. Aber es geht ja in Richtung Süden aufs Land. Also ruhig und langsam mal an den Linksverkehr gewöhnen. Das Problem, wenn man schon mal Merlin heißt, gelten Murphy`s Gesetze doppelt. Meine ersten Fahrstunden legte ich im Berufsverkehr von Dublin hin. Einmal im Kreisverkehr, der ja andersrum läuft, falsch abgebogen.  Zum Glück erkennen Polizisten die Leihwagen und trotteligen Touris. Das wäre sonst teuer geworden.

Die Liebe und der Mut zur Farbe war beeindruckend.

Persian Cat in Ireland (Chat Persan En Irland) (Bild: Isy Ochoa / AllPosters)

Bei "Bed and Breakfast" bekommt man vom Veranstalter eine Routen-Karte. Und für jede Übernachtung eine Adresse und einen Gutschein.

Übernachtet wird bei Gastfamilien, das sind meist kleine Hotel garni oder private Zimmervermietung. Sehr freundliche Aufnahme. Frühstück gibt es gegen 8 Uhr. Das typische "Irish Breakfast" ist deftig. Gebratene Wurst, Speck, Ei und Brot. "One egg a day, is o.k.". Natürlich auch Joghurt, Müsli, Marmelade, Obst, Saft, Kaffee oder Tee. Bei so einer Tour übernachtet man jeden Abend in einer anderen Stadt. Wir waren schlecht beraten. Unsere Tagestouren hatten ca. 180 – 220 Km pro Strecke. Die Tage im Herbst sind schon kürzer. Wenn man dann unterwegs noch etwas besichtigen will, muss man schon Gas geben. Nicht so einfach auf Irlands Straßen. Die Definition einer französischen "Chaussee" lautet : "Links ein Baum, rechts ein Baum, in der Mitte Zwischenraum". Hier auf der Insel geht das folgendermaßen: "Rechts eine zugewachsene Mauer, links eine zugewachsene, unsichtbare Mauer, in der Mitte kaum Platz". Bei Gegenverkehr erscheint ein Trabant wie eine Stretchlimousine. Kommt ein LKW, fährst du einige Km rückwärts. Also ausweichen geht nicht. Wer es versucht, besser mit Vollkasko. Und Schafe laufen hier frei rum. 

Wenn du das Licht am Ende des Tunnels siehst, ist es bestimmt der Gegenzug. (Murphy was an optimist!)

Der Humor der Iren ist genial. Einer hat seinen entlaufenen Hund per Steckbrief gesucht.

Wantet: Irisch Terrier, rötlich braun. Merkmale: Auf einem Auge blind. Linke Ohr wurde abgebissen. Rechter Vorderlauf ist steif. Ein Fangzahn bei einer Beißerei verloren. Der Schwanz wurde in einer Fuchsfalle abgeschlagen.

Hört auf den Namen "Lucky"!

Geschichte Irlands in groben Zügen.

Vor ca. 10000 Jahren kamen Jäger und Sammler über eine Festlandverbindung von Schottland hierher. 4 500 v. Chr. im Neolithikum wurden die Menschen sesshaft. Sie begannen Getreide anzubauen und Vieh zu züchten. Die Kelten (Gaels) erreichten etwa 700 v. Chr. die Insel. Die Christianisierung bringt ein goldenes Zeitalter. Klöster entstehen, Kunst, Kultur, Handwerk (hier besonders die Metallverarbeitung) blüht. 800 n. Chr. landen Wikinger. Sie plündern und morden vor allem in den Klöstern. Werden aber auch sesshaft. Vermutlich geht auf sie die Gründung Dublins zurück. "Dubh Linn" = Schwarzer Pool, der Name ist womöglich von den Torfmooren in den nahe gelegenen Wicklow Mountains abgeleitet. Absolut sehenswert, eben noch Stadt, dann einsame, wüste, atemberaubende Bergwelt.

Danach kamen die Engländer. Die Barone bauten die Städte, Burgen und Schlösser. Es kam zu Religionskriegen, die bis heute andauern. Der Süden ist aber sicher. 1850/60 kam es dann durch eine von der Kartoffelfäule hervorgerufenen Hungersnot zur großen Auswanderungswelle Richtung Amerika. In die große Freiheit, direkt auf die Schlachtfelder des Sezessionskrieges. Die hatten es noch nie einfach. Immer wieder aufflammender Religionskrieg, erst Mitte der 90er Jahre beruhigt sich die Lage. Irland wird zum Musterschüler der EU mit 15 % Wirtschaftswachstum. Und nun wieder Absturz.

Irland beizustehen ist unsere Pflicht!

12000 Jahre Kultur lassen wir nicht von selbsternannten Finanzwächtern (Rating-Agenturen) kaputt reden. Und schon garnicht, wenn deren eigene Historie mal gerade 200 Jahre alt ist.

Das Lied von sweet Molly Melon hatten wir schon in der Schule gesungen. Anscheinend gab es sie wirklich. Sehenswert sind die armen Bauernkotten. Schafe, Hühner eine Brennerei für Irish Whiskey, halt der tägliche Kampf ums Überleben in bitterer Armut.

Es gibt soviele Sehenswürdigkeiten, dass man eigentlich Jahre bräuchte alles zu sehen.

Ob Ross Castle, der Killarney-Nationalpark mit seinen uralten Eichen, der Ring of Kerry (eine 140 Km lange extrem schmale Küstenstraße), die Kylemore Abbey, der Connemara Nationalpark, Dungaire Castle oder Poulnabron Dolmen (ein Portalgrab inmitten des Burren, einer Karstlandschaft) oder das Kloster Clonmacnoise am Ufer des Shannon River. Einfach zu wenig Zeit alles zu erfassen.

Besonders gefallen haben mir Glendalough, eine Pilgerstätte auf den Spuren des Heiligen Kevin. Heute ist der ja überall on board.

Hill of Tara, zwar nicht besonders beeindruckend. Aber der Sitz von Göttern und Druiden. Bei soviel spiritueller Bedeutung kribbelt es überall. Da knistert die Luft.

Coole Park, in der Grafschaft Galway, Landsitz und Lustgarten von Lady Gregory. Wundervoll gestaltet, vom Golfstrom gestreichelt, einfach sehenswert. In der Bucht tummeln sich Delfine. Hier trafen sich die Schöngeister und Literaten Irlands. Shaw, Synge, O'Casey sowie William Buttler Yeats weilten in dieser Anlage.

Ich könnte noch endlos fortfahren, aber das würde den Rahmen sprengen.

Aber unendlich grandios sind auch die Cliffs of Moher.

Nicht so gut finde ich, dass fast alles abgegrenzt ist, und überall Eintritt kostet. Naja, die leben halt vom Tourismus und investieren auch sehr viel.

Raten kann ich nur, sich gut vorzubereiten. Kurze

Etappen, Ruhefasen an den schönen Stränden, genau festlegen, was Ihnen sehenswert und wichtig erscheint. Genießen Sie irische Küche bei einem Kilkenny in der gleichnamigen Stadt. Nehmen Sie sich Zeit für Irland, Sie werden es nicht bereuen.

Bed and breakfast ist eine günstige Art Urlaub zu machen. Essen kann man in Lebensmittelmärkten kaufen, das berühmte fish and chips with salt and vinegar,  bekommt man auch im Büdchen an der Ecke. Es schmeckt, mit den Fingern gegessen, einfach gut.

Dingel / Country Kerry / Strand Street - Die Halbinsel Dingle ist bei Touristen beliebt, frischer Fisch vom Kutter.
Autor seit 5 Jahren
268 Seiten
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