Aus der Praxis des Schreibens

Buchtitel

Mein neues Buch "Das Kuriose-Tage-Buch" soll hier als Beispiel herhalten, denn an konkreten.Praxiserscheinungen lässt sich das meist anschaulicher und nachdrücklicher erklären als nur in der Theorie.

Es ist mein siebtes Buch bereits, nachdem ich bereits zwei Sachbücher und vier Anekdotensammlungen veröffentlichte. Das erste Sachbuch erreichte und verkaufte die Startauflage von 1.500 Büchern, das zweite über meine  "Erfahrungen einer Karrierefrau" (Untertitel, vergriffen), mehr so ein Zwitter zwischen Memoiren und Sachbuch, erlebte sogar eine zweite Auflage, nachdem ich das Pseudonym lüftete.

 

Gute Rezensionen, Achtungserfolge beim Verkauf, aber keine Bestseller bisher

Alles Achtungserfolge, die allenfalls die Kosten einbrachten und einen Minimalstundenlohn. Durchgehend, ungelogen, aber erhielt und erhalte ich nur positive Rezensionen, das ist eine verblüffende Tatsache. Womit meine - und nicht nur meine - These bestätigt wird: Dass noch mehr zur Auslösung eines Kaufimpulses notwendig ist als gute Buchbesprechungen.

Vom Buch "Mein andalusischer Gärtner"  verkaufte ich genau 1.300 Exemplare, 200 habe ich selbst noch auf Lager. Das Tierbuch lief kaum. Öfters hörte ich natürlich: "Leute, die Motorradfahren oder Tiere haben, fahren eben lieber Motorrad und gehen mit ihren Tieren spazieren, als Bücher zu lesen!" Da ist was dran. Weshalb ich ein Buch über unseren Hausbau gleich ad acta legte auf Anraten einer Lektorin. Häuslebauer haben schon mal gar keine Zeit!

Bücherkorb bisheriger Titel

Bücherkorb bisheriger Titel (Bild: Gabriele Hefele)

Was geht im Internet? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen?

Parallel schreibe ich online seit Januar 2009 in suite101.de und seit einem guten Jahr bei Pagewizz. Und nun kann ich mit Fug und Recht für mich als repräsentativen Schluss ziehen: Es laufen die Ratgeber-Artikel am besten. Nicht meine oft provozierenden, ironischen Glossen, die immer gute Anfangsklicks zeigen, aber dann abfallen, sondern zum x-ten Male Rezepte, Nähvorschläge, Dekorations- und Einrichtungstipps, Geschenkbastelvorlagen und dergleichen. Also nicht die mir mehr Spaß machenden belletristischen Höhenflüge, sondern handfeste, nachahmbare Tipps. So banal das auch klingt, und so hundertfach sich auch Rezepte herumtreiben mögen im Worldwide Web, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch bei anderen Autorenkollegen merke ich, dass die x-ten Artikel über Internettipps und "Wie verdiene ich mit Schreiben Geld " sehr gut laufen.

 

Ideale Zweitverwertung

Als altgediente Journalistin bin ich sowieso ein Fan der Zweit-, Dritt- und möglichst noch Viertverwertung von einmal Geschriebenem. Ohne dass sich das ins Gehege käme beispielsweise als Double Content bei Google. Viele meiner ersten Online-Artikel waren und sind einfach umgeschriebene, durchschnittlich nicht schlecht bezahlte Printartikel. Die ich dann wiederum als Buch zusammenfasse. Und wie bereits geschildert, bei Books on Demand seit den letzten drei Büchern veröffentliche, weil es schnell geht, weil ich innerhalb von vier Wochen so etwas produziere.

So probierte ich es also nach langer Zeit, eigentlich nach dem Motorradbuch, mal wieder mit einem mehr sachlichen, aber dennoch locker geschriebenem, also leicht lesbaren Buch, das ich unter Alltagsratgeber einstufte. Der Clou: Es ist eine Marktlücke als Buch - es gibt kaum Vergleichbares, schon gar nicht zu dem von mir knallhart kalkulierten Preis!

Von Kolumnen und Glossen zum Alltagsratgeber

Buchtitel Tage

Man kennt den Muttertag, Vatertag, den Valentinstag, den internationalen Frauentag, den Tag des Waldes vielleicht noch oder den Diabetestag - aber schon gehört von einem Antidiättag, einem Linkshändertag, Weltwetter-, Lach- oder Butterbrottag oder dem erst ein Jahr alten Omatag? 

In 20 Kapiteln werden die originellsten und kuriosesten Welt-, Aktions- und Gedenktage übers Jahr aufgeführt. Man erfährt - in extra abgesetzten Kästen - die oft ernsten Hintergründe zur Einrichtung der von der UNESCO, der WHO oder anderen Institutionen oder Firmen propagierten "Tage." Diese Sammlung in dieser einmaligen Art und gutem Preisleistungsverhältnis wird ergänzt durch teils freche, teils nachdenkliche oder kritische, politische Anmerkungen, oft mit eigenen Erfahrungen und beim Nudel- und Vegetariertag auch mit eigenen Rezepten garniert.

Gabriele Hefele: Das Kuriose-Tage-Buch. Eine Auswahl origineller Gedenk- und Aktions-Tage übers Jahr.  Books on Demand. 72 Seiten. Paperback. ISBN: 978-3-848-224449. 5,00 Euro. Als E-Book 2,99 Euro.  Bezugsquellen: über jede Buchhandlung, Amazon.de und Online-Shops. Direkt auch über den Shop von www.bod.de

 

 

Aus dem Netz hinein zwischen Buchdeckel - Eigener Stil und individuelles Layout notwendig

Ich decke es auf: Ich habe bei den 20 Kapiteln acht Vorlagen aus Pagewizz, vier aus Suite101.de, drei aus meinen früheren Büchern und fünf völlig neu geschriebene Themen verarbeitet (die dann umgekehrt wieder irgendwo als Artikel landen können!). Wobei die Pagewizz- und Suite-Veröffentlichungen wiederum als Basis meine 14tägige Printkolumne hatten, die nur sehr begrenzt regional an der Costa del Sol erschien.

Ich sage aber extra "Themen", die ich verarbeitete. Ich habe nicht einfach 1:1 die Artikel übernommen oder bei mir selbst nur brutal abgeschrieben! Denn wie ich schon bei der Produktion zu meinem Hörbuch schrieb: Die Transformation in ein anderes Medum verlangt eine andere Schreibe und ein ganz anderes Layout. Kapitelanfang

Bei dem genannten Beispiel bot sich natürlich das strenge Layout eines Abreisskalenderblattes zu Beginn eines jeden Kapitels an, entworfen von meinem Mann. Dies findet sich auch auf dem Titelblatt wieder. Dafür aber wählte ich die auffallende Farbe rot, liegt auf der Hand: Diese Tage soll man sich im Kalender rot anstreichen.

Rat an Autoren, Kollegen

Ich kann auf Anhieb sehen, dass es hier Autorinnen und Autoren gibt, die sofort

  • tolle Kochbücher herausgeben könnten,

  • Gesundheitsratgeber,

  • Bastelanleitungen,

  • Handwerker- und Do-it-yourself-Bücher

  • Schreib- und Stilbücher,

  • und vor allem Internet- und Online-Ratgeber.

Für mich ist das Fazit: An den Nabelschaubüchern von Anfängerautoren scheint der Markt weniger interessiert zu sein als an Anleitungen zu Problemlösungen im Alltag. Ich selbst werde mich in Zukunft mehr auf Informatives werfen, ohne meinen persönlichen Stil aber zu vergewaltigen.

Arlequina, am 10.12.2012
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