So wurde früher eingekauft

Foto:Kaufhaus Pfeifffer, FLM Neuhausen ob Eck

Bis in den sechziger Jahren, in Kleinstädten auch noch später, waren Einzelhandelsgeschäfte, in denen die Waren noch über die Theke, an den Kunden persönlich ausgehändigt, wurden an der Tagesordnung. Heute sind "Tante Emma Läden" wie solche Geschäfte in den 60er Jahren genannt wurden, selten. Einkaufen, neu zeitig shoppen genannt, geht der Kunde in Supermärkten, und in Online-Shops können Waren bestellt und auf Wunsch direkt nach Hause geliefert werden. Im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck ist das historische "Kaufhaus Pfeiffer" ein Anziehungspunkt, für alle die sich gerne an früher erinnern..

Ein Blick in die Handlung und das Kaufhaus Pfeiffer

Wer das Freilichtmuseum besucht, wird sich, in die "Handlung Pfeiffer", die später zum "Kaufhaus Pfeiffer "erweitert und umgebaut wurde, in die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts zurück versetzt fühlen. Das Ladengebäude selbst wurde an seinem ursprünglichen Ort, Stetten am kalten Markt, abgetragen und im Freilichtmuseum wieder aufgebaut. Damit die Besucher einen Eindruck bekommen wie es zur damaligen Zeit vor Ort aussah, wie die Menschen lebten und arbeiteten, hat der Geschichts-und Museumsverein Stetten a. k. M Fotos aus dieser Zeit zusammengetragen. Es gibt viel zu bestaunen, denn im Laden ist die Warenwelt der vergangenen 100 Jahre zu sehen. Die Ladeneinrichtung wurde mit Elementen der Drogerie Arnaud, aus Sigmaringen, ergänzt.

So funktionierte der Einkauf in einem Lebensmittelladen

Oft wurden Einkäufe täglich, meist von der Mutter, Oma oder den Kindern erledigt. Dazu wurde daheim eine Einkaufliste angefertigt. Im Geschäft mussten Wartezeiten eingeplant werden. Wer an die Reihe kam, äußerte seine Wünsche an eine Verkäuferin oder einen Verkäufer, die hinter einer Warentheke standen, bekam die Ware auf die Theke gelegt, zahlte direkt oder die Summe wurde im Kassenbuch bis zum Wochen- oder Monatsende angeschrieben. Das eingekaufte Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte zum Beispiel, wurden in Spitztüten aus Papier gefüllt und mit einer Einkauftasche oder einem Netz nach Hause transportiert. Für den Einkauf von Milch und Milchprodukten standen spezielle Milchgeschäfte zur Verfügung.

Foto: Ladeneinrichtung, FLM Neuhausen ob Eck

Im Nachhinein sehen viele Menschen den Einkauf in einem Einzelhandelsgeschäft für Lebensmittel, Milch oder Bekleidung nostalgisch verklärt. Hier in Kürze die vor und Nachteile:

Vorteile eines Kaufs im Einzelhandel:

Frische, oft regionale Ware, Kauf auch nach Ladenschluss, Zahlung wöchentlich möglich, kleiner Plausch am Vormittag über Tagesereignisse, gute Umtauschmöglichkeit, Verrechnung mit eigenen Produkten (Eiern, Obst, Gemüse), das Gedächtnis wurde trainiert, Kopfrechen wurde täglich gefragt.

Nachteile:

Die Produkte waren auf dem Land oft teurer, manchmal war die Ware knapp und die Käufer warteten in langen Warteschlangen, jeder kann sehen was eingekauft wird und weiß Bescheid über die finanziellen Angelegenheiten der anderen Einwohner, Klatsch und Tratsch, der nicht nur informiert, sondern Vorurteile hätschelt und Existenzen vernichten kann.

Vorteile beim Kauf im Internet:

Bequeme Bestellung und Bezahlung, wenn der Kunde den ihm genehmen Shop getestet und für gut befunden hat. Ware die vor Ort nicht erhältlich ist, kann schnell geliefert werden.

Nachteile:

Streiks bei Post und Bahn können sich auf Lebensmitteltransporte ungünstig auswirken.

Aus der Online-Welt mit einem Ladengeschäft ins reale Leben

Wioletta Wagner mit ihren "Modellen" Copyright: Wioletta Wagner"Rosa und Prinz", ein Online-Shop für Damenmode, mit Sitz im Waghäuseler Stadtteil Kirrlach, wagt, zunächst probeweise, jeden Freitag, den Weg vom Online-Shop ins Ladengeschäft. Dort können Kundinnen vor Ort, neue Bekleidung anprobieren und kaufen.

Damit hat Inhaberin Wioletta Wagner einen eher branchenunüblichen Weg eingeschlagen. Meist baut heutzutage eine Boutique, zusätzlich zum Verkauf in Ladengeschäften, auf den Onlinehandel.

Bei "Rosa und Prinz" ist es genau umgekehrt. Aus dem Internet geht es raus ins richtige Leben.

Die ersten Schritte im Internet und dann...

Aus den Anfängen als eBay-Shop stammt der ungewöhnliche Name "Rosa und Prinz", in dem nur Kindermode angeboten wurde.

Inzwischen besteht das Sortiment hauptsächlich aus tragbarer Mode zu moderaten Preisen. Abgerundet wird das Sortiment durch die skandinavische Marke Soyaconcept. Das in Italien gefertigte Standardsortiment wird saisonal um Elemente neuer Kollektionen erweitert.

Die Wiesentaler Unternehmerin hat auf der Social-Media-Plattform Instagram, wo die neuen Kollektionen und Kleidungsstücke, einschließlich Schuhe und Accessoires, präsentiert werden, fast 22.000 Abonnenten.

Bisherige Erfahrung mit dem neuen Verkaufskonzept

Wioletta Wagner zeigt ihre Kollektion Bild: WagnerAufwendige Werbeaufnahmen werden, so Wiletta Wagner, für den Laden nicht benötigt. Sie setzt auf spontane Selfies von Mitarbeiterinnen und Kundinnen und gelegentlich auf professionelle Aufnahmen. Die Möglichkeit bei "Rosa und Prinz" vorbeikommen zu können und Kleidung vor Ort anprobieren zu können, war eine Anregung von Stammkundinnen. Wie sich herausstellte, nehmen viele von ihnen eine lange Anfahrt in Kauf, um auch einmal das eine oder andere Schnäppchen zu entdecken, bevor es im Online-Shop angeboten wird.

Das scheint zunächst aufwendig, sprach sich jedoch bei eher spontan kaufenden Kundinnen herum und sorgt zusätzlich auf Instagram und im Shop für zusätzliche Interessentinnen.

Im Internetgeschäft sei der Verkauf schnelllebig und Unternehmer müssten am Ball bleiben, wenn sie in der Zukunft ebenfalls erfolgreich sein wollten. Darum setzt die Boutiquebesitzerin Wiletta Wagner auf das in dieser Beziehung entschleunigende Ladengeschäft.

MonikaHermeling, am 11.06.2012
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Bildquelle:
Michael A. Wahle/ Dr. Ingeborg Schlömer (Die Kriegskinder in Deutschland nach 1945)

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