Ein interessantes Grab offenbart ein kurzes Leben...

Spaziert man über den Berliner Invalidenfriedhof, stößt man nicht immer auf positive Erinnerungen an die deutsche Geschichte. Schließlich sind hier u.a. Heydrich, Todt und Schlieffen begraben. Geht es um Personen aus der Fliegerei, die zweifellos Pioniere der Luftfahrt waren, vervollständigt sich der Eindruck. Schon die Namen Udet und Mölders sprechen für tragische Schicksale und viel Mut, jedoch sollte der Kontext (hier zweiter Weltkrieg und deutsche Aggression im Ausland) nicht unterschätzt werden. 1925 bis 1975 befand sich auch das Grab Richthofens, des Roten Barons, auf dem Friedhof - auch hier viel Grund zum Nachdenken - sicherlich ein genialer Flieger, aber seine Erfolge erzielte er vor allem außerhalb des deutschen Territoriums, was man nicht vergessen sollte.

Auch der Luftfahrtpionier Carl-August Freiherr von Gablenz (1893 -1942) ruht unter einer Grabplatte mit Lufthansa-Kranich : er war einer der Pioniere der zivilen Langstreckenflüge der Lufthansa, besonders nach Südamerika und Asien.

Man findet hier auch einen "Restitutionsstein" für Rudolf Berthold, einen zweifellos erfolgreichen Flieger des 1. Weltkrieges, der allerdings nach 1918 in Freikorps aktiv war, um sich dann 1920 am Kapp-Putsch, dem Putsch gegen die Republik zu beteiligen. In Hamburg-Harburg kam er unter ungeklärten Umständen um, nachdem sich die Mirglieder des Korps immer wieder durch Androhung und Anwendung von Gewalt auszeichneten. Held und Opfer? Auf seinem ursprünglichen Grabstein stand u.a. :" Geehrt vom Feinde, erschlagen von deutschen Brüdern am 15. März 1920...". Später wurden in der Weimarer Republik Legenden gestrickt, er sei angeblich mit dem Band seines Ordens "Pour le merite" erwürgt, nach anderen Quellen gar von "vertierten Weibern" geköpft worden.

Hans-Joachim Buddecke (1890 - 1918) bliebt diese Weichenstellung erspart : in Berlin hatte er glänzende Aussichten auf eine militärische Karriere, er quittierte jedoch den Militärdienst und ging nach Amerika - eine außergewöhnliche Entscheidung in diesen Kreisen! In den USA beschäftigte er sich mit der Fliegerei, als 1914 der Krieg ausbrach, kehrte er unter falschem Namen mit einem griechischen Frachter nach Europa zurück.

Ab 1915 war er dann als Militärflieger in der Türkei tätig, wo er u.a. an der Schlacht um Gallipoli teilnahm. Als Hauptmann der osmanischen Armee erwarb er sich hier den Ehrennamen "El Shahin" - der "Jagdfalke". Im Herbst 1916 wurde er an die Westfront gerufen, Ende 1917 war er wieder in der Türkei aktiv. Am 10.3.1918 fiel er bei Lille an der Westfront.

Seine ungewöhnliche Grabform - eine Säule mit einem stilisierten Falken an der Spitze - bewirkt, dass sich bis heute immer noch Passanten mit ihm, einen Luftfahrtpionier der Militärluftfahrt, beschäftigen.

Grab des Fliegers Buddecke mit einem Falken

Bographie auf Wikipedia

Hans-Joachim Buddecke war ein deutsch-osmanischer Offizier sowie Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.

Seite über Fliegerbiographien im 1. Weltkrieg

http://www.buddecke.de/

Führungen über den Berliner Invalidenfriedhof

http://www.berlinkompakt.net/

Autor seit 6 Jahren
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