Kindheit und Jugend von Erwin Strittmatter

Erwin Strittmatter kam am 14. August 1912 in Spremberg zur Welt. Seine Eltern waren der Bäcker Heinrich Strittmatter und dessen sorbischer Gattin Pauline. Die lebten zunächst in Spremberg und später im heutigen Spremberger Ortsteil Graustein. 1919 übernahmen die Eltern eine Bäckerei mit Laden in dem Ort Bohsdorf. Der ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Felixsee.

Von 1924 bis 1930 besuchte Erwin Strittmatter das Realgymnasium in Spremberg. Dann absolvierter er bei seinem Vater in Bohsdorf eine Lehre als Bäcker. In dieser Zeit soll er sich der SPD angeschlossen haben. Nach Lehre war er als Bäcker, Kellner, Hilfsarbeiter und Tierpfleger tätig. Dann ging er nach Schwarza bei Rudolstadt. Dort arbeitete er bei der Thüringischen Zellwolle AG.

Erwin Strittmatter im Zweiten Weltkrieg

Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz soll sein Antrieb für eine Bewerbung zur Waffen-SS gewesen sein. Dort wurde er aber nicht angenommen. Ab 1941 war Erwin Strittmatter bei der Ordnungspolizei im "SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18" im Einsatz. Diese Truppe war der Waffen-SS unterstellt. In ihr war die Mitgliedschaft in der SS nicht verpflichtend. Das Regiment war in Slowenien, Finnland und Griechenland eingesetzt und dort auch an Massakern und Geiseltötungen beteiligt. In Athen überwachte es die Deportation von griechischen Juden in die Vernichtungslager.

Diesen Teil seines Lebens hatte Erwin Strittmatter Zeit seines Lebens verborgen. Der Literaturwissenschaftler Werner Liersch brachte diese Tatsachen in der FAZ vom 8.10.2008 an das Licht der Öffentlichkeit. Von dem Autor selbst stammt die Aussage, dass er als Kompanieschreiber an Gewalttaten im Krieg nicht beteiligt war. Bernd-Rainer Barth hatte im Tagesspiegel vom 20.2.2009 ebenfalls eine andere Sicht auf diese Zeit entwickelt und geht davon aus, dass Erwin Strittmatter im Kampf eingesetzt war.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er in seine Heimat, der Niederlausitz zurück. Er arbeitete zunächst als Bäcker und wurde später Redakteur bei der Märkischen Volksstimme in Senftenberg. Ab 1947 war er dann Amtsvorsteher für sieben kleine Gemeinden in der Niederlausitz. Es folgte bis 1953 eine Zeit als Assistent bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble.

Der Schriftsteller Erwin Strittmatter ab 1950

1950 erschien sein Erstlingswerk Ochsenkutscher. 1954 zog er mit seiner Gefährtin Eva Braun (1930-2011) nach Schulzenhof, einer Siedlung beim Ortsteil Dollgow der Gemeinde Stechlin im Ruppiner Land. Die beiden heirateten 1956. Dort war er bis zu seinem Tod als Schriftsteller tätig.

1955 erhielt Erwin Strittmatter erstmals den Nationalpreis der DDR. Ausgezeichnet wurde er für seinen Jugendroman Tinko. 1961 folgte der Lessing-Preis. Von 1959 bis 1961 war Erwin Strittmatter der 1. Sekretär des Deutschen Schriftstellerverbandes. 1963 erschien Ole Bienkopp. Dieser Roman wurde zu einem der meistgelesenen Bücher der DDR.

Bekannt ist, dass Erwin Strittmatter zu den Stützen des Regimes in der DDR gehörte. Von 1958 bis 1964 war er als für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS, kurz Stasi) tätig. Und unterstützte beispielsweise die Ausweisung des Schriftstellers Reiner Kunze aus der DDR.

1983 erschien die autobiographische Romantrilogie "Der Laden". Mit diesem Werk hinterließ er der Stadt Spremberg und dem Dorf Bohsdorf ein literarisches Denkmal. Er setzte sich in dieser Arbeit mit der Entwicklung des Lebens auf dem Lande im Osten Deutschlands und mit der sorbischen Bevölkerung in der Niederlausitz auseinander. 1998 wurde diese Trilogie verfilmt. Den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis heimste dieser Streifen ein.

Am 31. Januar 1994 starb Erwin Strittmatter in Schulzenhof. Dort ist er auch beigesetzt worden. Die Dichterin und Schriftstellerin Eva Strittmatter lebte noch bis zum 3. Januar 2011 in Schulzenhof und wurde an seiner Seite beigesetzt. Neben ihren eigenen Werken veröffentlichte sie auch posthum Werke ihres Gatten.

Erinnerungsstätten

In Bohsdorf wurde aus dem ehemaligen Laden der Strittmatters eine Kultstätte für Erwin Strittmatter. Seit 1999 wird er mit historischer Einrichtung vom Erwin-Strittmatter-Verein als Gedenkstätte genutzt.

Sein Wohnhaus in Schulzenhof ist inzwischen von der Familie zu einer Strittmatter-Erinnerungsstätte gestaltet. Die ist allerdings nur mit Einschränkungen zugänglich. Neben seinem Grab wurde eine Erinnerungstafel aufgestellt.

Im Ortsteil Dollgow der Gemeinde Stechlin wurde eine Erinnerungsstätte für das Schriftstellerpaar errichtet. Drei Stelen schildern das Leben des Paares und eine Holzplastik zeigt Erwin Strittmatter.

Strittmater-Haus in Schulzenhof (Bild: haros)

Ein anderer Mann aus Bohsdorf: Carl Klinke, der Held von Düppel

Carl Klinke wird heute nur noch selten erwähnt. Der am 15.Juni 1840 in Bohsdorf-Vorwerk geborene erlernte nach der Schule den Beruf des Zimmermanns in der Grube Felix. 1861 heirate er Marie Britze aus Sergen. Von 1861 bis 1863 leistete er seinen Wehrdienst im preußischen Pionierbataillon Nr. 3 auf der Festung Spandau. Nach der Entlassung wurde er Dezember 1863 wieder einberufen. Im Deutsch-Dänischen-Krieg fiel er am 18. April 1864 beim Sturm auf die Düppeler Schanzen. Der damalige Kriegsberichterstatter Theodor Fontane machte Carl Klinke in seinem Gedicht "Der Tag von Düppel" zum Helden. Dabei schuf Fontane eine Legende von einem aufrechten Preußen, der sich für das Vaterland selbstlos opferte. Eine Heldenfigur, die noch Generationen von Schülern als Vorbild vorgehalten wurde. Ein Mann, der seine zweite Tochter nie sehen konnte.

Der Erwin-Strittmatter-Preis

Nach ihm wurde der seit 1994 vom Land Brandenburg vergebene Erwin-Strittmatter-Preis benannt. Wegen seiner Zugehörigkeit zu SS wird dieser Preis nun als "Brandenburgischer Literaturpreis Umwelt" bezeichnet.

Werke von Erwin Strittmatter

  • Ochsenkutscher (1950)
  • Eine Mauer fällt (1953)
  • Katzgraben (1953)
  • Tinko (1954)
  • Paul und die Dame Daniel (1956)
  • Katzgraben – Szenen aus dem Bauernleben (1958)
  • Der Wundertäter (1957)
  • Die Holländerbraut (1959)
  • Pony Pedro (1959)
  • Ole Bienkopp (1963)
  • Schulzenhofer Kramkalender (1967)
  • Die Holländerbraut – Schauspiel in fünf Akten (1967)
  • Ein Dienstag im Dezember (1969)
  • 3/4hundert Kleingeschichten (1971)
  • Die Nachtigall-Geschichten (1972)
  • Die blaue Nachtigall (1976)
  • Sulamith Mingedö, der Doktor und die Laus (1977)
  • Meine Freundin Tina Babe (1977)
  • Ein Dienstag im September (16 Romane im Stenogramm, 1977)
  • Die alte Hofpumpe (1979)
  • Selbstermunterungen (1981)
  • Wahre Geschichten aller Ard(t) (1982)
  • Flikka (1982)
  • Der Laden (1983)
  • Ponyweihnacht (1984)
  • Grüner Juni (1986)
  • Lebenszeit (1987)
  • Die Lage in den Lüften (1990)
  • Vor der Verwandlung (Erwin & Eva Strittmatter, 1995)
  • Wie ich meinen Großvater kennenlernte (1996)
  • Geschichten ohne Heimat (2002)
  • Wie der Regen mit dem See redet (2002)
  • Der Weihnachtsmann in der Lumpenkiste (2003)
  • Kalender ohne Anfang und Ende – Notizen aus Piestany (Hrsg. Eva Strittmatter, 2003)
  • Lebenszeit – Ein Brevier (Hrsg. Helga Pankoke, 1998))
  • Todesangst – Eine Nacht (Hrsg. Helga Pankoke, 2005)

 

haros, am 29.12.2014
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Bildquelle:
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Autor seit 3 Jahren
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