Tipp 1: Unbedingt einen Schärfepunkt festlegen!
Nebel-Drama im „Woid“, wie der ...

Nebel-Drama im „Woid“, wie der Bayerische Wald auch genannt wird (Bild: Lisa Stadler)

Dieses Foto mag auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär wirken, aber es entfaltet seine Wirkung spätestens mit dem zweiten Blick.

"Was jedes Bild braucht, ist ein Schärfepunkt", sagt Stadler. "Quasi der Magnetpunkt fürs Auge – dorthin geht der Blick." Auf dem Foto oben übernimmt jener Nebelfleck die Funktion des Magnetpunkts, der sich, einem explodierenden Sternenhaufen im Weltall gleich, ins Sonnenlicht schiebt. In diesem Moment hat ihn die Fotografin erwischt – Sekunden später, und der Bildaufbau wäre komplett anders.

Was noch macht das Foto bemerkenswert? Vielleicht die Herbstfarben des Hains unten? Oder die Nebelbank, die wie eine Lage Creme auf der Torte Schicht von Schicht trennt? Sind es die schrägen, fast parallel angeordneten Höhenzüge, die aus dem Bild herauszukippen scheinen? Oder ist es möglicherweise der Schock, den die vier Tannen beim Betrachter auslösen, wenn er erkennt, dass sie eine Wand andeuten, die sich in die Höhe türmt?

Für diese Aufnahme waren zwei Dinge wichtig: ein gutes Auge für die Szenerie und eine schnelle Reaktion – genauso wie beim folgenden Foto.

Hochzeitsbote

Hochzeitsbote (Bild: Lisa Stadler)

Tipp 2: Suche nach einer ungewöhnlichen Perspektive

"Wahrscheinlich jeder in der Kirche hat nur auf das Brautpaar am Altar geschaut", erzählt Stadler, wie es zu diesem Foto kam. "Ich war offizielle Fotografin der Hochzeit und wie immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Momenten, die die Stimmung am Rand der Feier wiedergeben konnten. Da schwirrte der Schmetterling in die Kirche."

Eine der wichtigsten Tugenden beim Fotografieren: Geduld! Auf der einen Seite gibt es Motive (siehe das Foto Nebelbank), die durch Warten unter Umständen unwiederbringlich verdorben werden; aber genauso gut werden magische Aufnahmen möglich, wenn ein Fotograf den Dingen Zeit lässt. Bei der Kinderfotografie beispielsweise ist das der Fall; oder beim Fotografieren von Tieren.

"Der Schmetterling gaukelte im Dunkel der Kirche umher, es war unmöglich, ihn aufs Bild zu bannen. Mir fehlte die entsprechende Technik (dazu gleich mehr; jofl), und bisher waren seine Flugbewegungen nicht sonderlich aufregend. Doch dann ließ er sich nieder."

Der Schmetterling fand einen Platz an der Sonne; und wenn man das Foto betrachtet, vermeint man förmlich zu spüren, wie sie dem Tagpfauenauge gefehlt hat während seines Umherirrens im Kirchenraum. Woher kommt das?

Stadler hat den Schmetterling nicht ins Zentrum des Bildes gerückt, und doch ist er der Mittelpunkt. Die Tiefe des Raumes schwebt ans Licht heran, die Diskrepanz zwischen kühlem Kirchenschiff und warmer Holzbank weckt das Mitgefühl des Betrachters mit dem Tier, das irgendwie gestrandet erscheint.

Ungewöhnliche Perspektive

Und was ist das nun, die "ungewöhnliche Perspektive"? Stadler: "Man muss selbst neugierig bleiben und verschiedene Standorte ausprobieren!" Auf ihren Wanderungen legt sie sich auch schon einmal auf den Boden und fotografiert von unten. Oder sie geht eine Böschung herab und gewinnt dadurch einen noch steileren Blickwinkel. Oder sie rückt das Motiv, auf dem der Schärfepunkt liegt, an eine unerwartete Position. "Ausprobieren!", lautet Stadlers Rat. Und sich überraschen lassen!

Tiefe schaffen
Schottland

Schottland (Bild: Lisa Stadler)

Tipp 3: Nachbearbeitung – unabdingbar für gute Fotokalender

Keine Frage: Spiegelreflexkameras machen qualitativ bessere Aufnahmen als Digicams. Doch auch mit den Automatikprogrammen der Digicams gelingen Fotos für ein Fotobuch oder einen Fotokalender, die beim Betrachter für Staunen sorgen. Entscheidenden Anteil an dem Eindruck hat ein Prozess, der früher ausschließlich in den Entwicklungslabors stattfand: die Nachbearbeitung. 

Nachbearbeitung, was ist das? Ein kurzer Exkurs für bessere Bilder

Der Sensor einer Kamera kann noch so hochgepixelt sein, an das Auflösungsvermögen des Auges (Unterscheidung von hell/dunkel und Farbnuancen) reicht kein Sensor heran! Unser Auge erkennt noch die Maus im Schatten, obwohl die Sonne am blauen Himmel steht, doch auf dem Foto ist nur eine dunkle Ecke in der Gasse zu sehen.

Trotzdem aber hat die Kamera die Information "Maus" auf ihrem Sensor gespeichert; wir müssen nur an diese Information herankommen, das heißt, sie sichtbar machen. Das geschieht in der Nachbearbeitung.

Unterschiedliche Dateiformate

Was leistet nun die Nachbearbeitung? Für den Profi bedeutet sie, aus Gold Diamant zu machen, für den Anfänger bedeutet sie das Tor zu einer neuen Welt: Mit einem Mal werden Details auf seinen Fotos sichtbar, die bisher kaum wahrgenommen wurden.

In der Nachbearbeitung lassen sich dunklere Stellen aufhellen, hellere Stellen lassen sich abschwächen, falsche Belichtungen können in Maßen korrigiert und unscharfe Passage nachgeschärft werden. Farben gewinnen an Leuchtkraft, und wenn man im richtigen Format fotografiert hat, kann man auch störendes "Rauschen" beseitigen, jenen griseligen Eindruck, der oft auf Bildern zu erkennen ist, die in dunklen Situationen aufgenommen wurden.

"Ich fotografiere ausschließlich im RAW-Format", sagt Stadler. "Dieses Format bietet für die Nachbearbeitung unvergleichlich mehr Möglichkeiten als das bekanntere JPG-Format!" 

Doch auch mit Bilddateien im JPG-Format kann der Vorher-Nachher-Effekt atemberaubend sein. In meinem Artikel über Aperture, das Bildbearbeitungsprogramm von Apple, gebe ich dazu ein Beispiel.

Software für die Nachbearbeitung

Für die Arbeit an Fotokalendern bzw. Fotobüchern bedeutet das: Mit Hilfe der Nachbearbeitung erfahren Bilder einen deutlichen Qualitätszuwachs! Die Nachbearbeitung ist ein wichtiger Teil des ganzen Produktionsprozesses und durch nichts zu ersetzen. Sie muss sein!

Die Rechner aus dem Hause Apple sind mit einem Nachbearbeitungsprogramm ausgerüstet, das wesentliche Punkte erfüllt: iPhoto kann vieles. Wer etwas Geld investiert, macht mit Aperture den nächsten Schritt. Die Software Gimp ist zwar mächtig, aber etwas umständlich zu bedienen – dafür erhält man sie kostenlos. Als Profi benötigt Stadler eine Software, die professionellen Ansprüchen genügt: "Ich arbeite mit Lightroom aus dem Hause Photoshop."

Die Technik ist zweitrangig

Digicams schießen wunderbar scharfe Fotos und besitzen mittlerweile hervorragende Automatikprogramme für unterschiedliche Situationen: "Ausprobieren!", lautet auch hier der Rat von Stadler. Nicht immer muss man das Porträt mit der gleichnamigen Einstellung aufnehmen, nicht jede Landschaftsaufnahme "muss" mit der Voreinstellung für Landschaften fotografiert werden.

Diese Automatikprogramme legen jedoch das Limit von Digicams fest. Sie und die Objektive. Erst mit den frei wählbaren Einstellungen von Blende, von Belichtung, von Belichtungsdauer und den entsprechenden Objektiven wird das "Knipsen" zum "Fotografieren".

"Am Anfang habe ich mich schwer getan." Stadler beschreibt, wie es vielen geht beim Umstieg auf eine Spiegelreflexkamera. Heute ignoriert sie die Automatikprogramme und stellt von Hand ein; die Ergebnisse rechtfertigen diese Entscheidung. "Es war etwas mühsam, dorthin zu gelangen. Gott sei Dank, müssen wir keine Kosten mehr für Filmmaterial und Entwicklung ausgeben, sondern können die Ergebnisse direkt am Display oder Computer vergleichen. So habe ich gelernt: Dasselbe Motiv immer und immer wieder mit veränderten Einstellungen aufgenommen. Und langsam hat sich das Wissen herangebildet, sodass ich nun weiß, was ich einstellen muss, um einen bestimmten Effekt zu erzielen." Wobei "Effekt" auch bedeuten kann: einfach ein sauberes Foto.

Auf ihren Wanderungen durch aufgelassene Ortschaften im ehemaligen Grenzgebiet zwischen Ost und West, auf ihren Streifzügen durch die Einsamkeit der Region um Lusen, Steinfleckberg, Mitterfirmiansreut und Finsterau begnügt sich Stadler mit einfacher Ausrüstung. "Ein Stativ habe ich selten dabei, ich schieße meist ‚aus der Hand‘ oder lege die Kamera auf einen Baumstamm oder Felsen. Wenn ich weiß, dass ich überwiegend Berg- und Landschaftsaufnahmen mache, sind auch nur zwei Objektive in meiner Fototasche: ein Weitwinkel 18-35 mm für die Landschaft, ein Tele 70-200 mm für die weiter entfernten Motive."

Nachtrag

Soweit also die Hinweise, die fürs Aufnehmen der Bilder wichtig sein können. Welche Empfehlungen Lisa Stadler für die Produktion der Fotokalender bzw. Fotobücher bereithält, beschreibt sie auf Ihrer Website, beispielsweise in ihrem Fotoblog. Dort lassen sich auch einzelne Fotos für persönliche Zwecke erstehen: Wer als Selfpublisher (als Schriftsteller also, der über Amazon veröffentlicht) auf der Suche ist nach starken Motiven fürs Buchcover, sollte sich auf ihrer Seite umsehen.

Wer bereits jetzt schon Appetit bekommen hat auf die Bilder der "Woid"-Fotografin, findet weiter unten einen Hinweis auf einen Fotokalender von ihr; auf Ihrer Website und auf Lisa Stadlers Facebook-Seite gibt es natürlich auch immer Neues zu entdecken.

Ein kleiner Nachtrag noch: Bitte haben Sie Verständnis, wenn die hier abgebildeten Fotos in einer niedrigen Auflösung veröffentlicht werden und somit nicht die Brillanz und Schärfe der Originale aufweisen. Die niedrigere Auflösung dient dem schnelleren "Laden" dieses Artikel und somit dem Lesevergnügen. Vielen Dank fürs Verständnis!

Autor: Johannes Flörsch

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jofl, am 06.01.2014
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Bildquelle:
Ruth Weitz (Wie macht man ein schönes Profilbild)

Autor seit 5 Jahren
119 Seiten
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