Gaviale sind in ihrer Heimat Indien fast ausgestorben

Die ursprüngliche Heimat des Gangesgavials (Gavialis gangeticus) sind die Flusssysteme des Ganges, Brahmaputra und Indus, also Nord-Indien. In einigen Gegenden wird er als heilig verehrt. Früher sollen Exemplare gefangen worden sein vier bis sechs Meter lang waren. Die gibt es heute nicht mehr. In Pakistan, Bhutan, Bangladesch und Burma gilt er als ausgerottet. Nur in Nordindien und in Nepal leben in Schutzgebieten kleine Populationen. Diese Gebiete umfassen nur noch zwei Prozent des ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Die Fortpflanzungsrate ist niedrig, sodass die Spezies als bedroht auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht. Die Angaben über Zahl in der Natur frei lebender und sich fortpflanzender Gaviale schwanken zwischen 200 und 300 Exemplare. Die größte Population im Chambal Schutzgebiet umfasst nicht einmal 100 Individuen. Die Jagd – früher des Leders wegen – ist streng verboten.
Geschlechtsunterschiede bei Krokodilen

Den Namen hat der Gavial aus einer indischen Sprache. In Hindi heißt Krokodil "ghariyal." Dieses leitet sich von dem Wort Ghara für einen Tontopf ab. Die einheimische Bevölkerung gab dem Gavial diesen Namen nach der knotenartigen Verdickung oben auf der Schnauzenspitze. Diese ist beim männlichen Gavial größer als bei der weiblichen Gavialin. Dieser äußere Geschlechtsunterschied macht Gaviale einzigartig. Denn sie sind die einzigen Krokodile mit einem sekundären Geschlechtsdimorphismus.

Fischfressende Schnabelkrokodile

Gaviale sehen mit ihrem zahnbewehrten Maul furchterregend aus. Doch sie sind recht harmlose Tiere. Sie werden weder dem Menschen, noch anderen Säugetieren gefährlich.

Gaviale verlassen das Wasser ungern. Mit dem lange Schwanz und den Rückenkielen schwimmen Gaviale wendig und elegant. Ihre Beine sind verhältnismäßig schwach entwickelt. Nur zum Sonnen und zur Fortpflanzung gehen sie an Land. Der besondere Bau der langen, schmalen und flach gedrückten Schnauze mit den bezahnten Kiefern weist Gaviale als Fischjäger aus. In den Kiefern sitzen insgesamt 106 bis 110 Zähne. Mit denen wird die zappelige Schuppenbeute festgehalten. Die Schnauze hat zu dem früheren Namen Schnabelkrokodil geführt. Dieser passt, weil die Krokodile zusammen mit den schnabeltragenden Vögeln von Sauriern abstammen.

Gangesgaviale im Zoo Prag

Die indischen Seltenheiten werden in der Prager Innenstadt mit Plakaten beworben. Der Prager Zoo liegt im Stadtteil Trojá an der Moldau, wo auch das gleichnamige Schloss steht. Von der U-Bahnstation Holešovice fährt man mit Bus der Linie 112 (Zoo Praha) direkt zum Tierpark. Ins Navi fürs Auto gibt man Trojská ein. Im Tierpark sind anhand der Beschilderungen oder des Lageplans die "Gaviáli" zwar auf Tschechisch ausgeschildert, aber dennoch schnell zu finden.

Die sieben Gaviale leben in einem eigenen Gehege. Bei warmer Witterung können sie einen Außenbereich nutzen. Die Gruppe stammt aus einer Zuchtanlage im südindischen Tamil Nadu. In Mamallapuram züchtet die Madras Crocodile Bank mehrere Arten von Krokodilen. Der Gavial-Nachwuchs von dort kam unter Mitwirkung von Dr. Ivan Rehák, dem Präsidenten der Tschechischen Herpotologischen Gesellschaft, in die Moldaurepublik.

Eines von den vier Weibchen starb 2009 an einem Magenkatarrh. Die Gaviale sind jetzt etwa fünfeinhalb Jahre alt. In der Natur werden sie mit fünfzehn, sechszehn Jahren geschlechtsreif. "Auf Zuchterfolge in Prag wird man wohl noch ein paar Jahre warten müssen," meint Tierpfleger Petr Velenský.

Artenschützer hoffen, dass in diesem Jahrzehnt das erste Paar Gaviale ihre Eier schichtweise in die vorhandenen Sandgruben legt. Im Prager Zoo stehen die Brutkästen bereit.

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