Was sind "Märchen"?

Die Schweizerische Märchengesellschaft SMG definiert es sehr treffend:

Märchen sind bildhafte Prosaerzählungen ohne räumliche oder zeitliche Bindung. Die Naturgesetze sind im Märchen aufgehoben. Im Mittelpunkt stehen Held oder Heldin, welche Auseinandersetzungen mit guten und bösen, natürlichen und übernatürlichen Kräften bestehen müssen.

Das Wort "Märchen" ist die Verkleinerungsform des mittelhochdeutschen Wortes "maere", das "Geschichte" oder "Kunde" bedeutet.

Märchen sind also "kleine Geschichten".

Typisch Märchen:

  • Jede Kultur kennt und erzählt Märchen.
  • Märchen enthalten fast immer fantastische Elemente, z.B. Zauber oder sprechende Tiere.
  • In Märchen gibt es meist eine strenge Abgrenzung von "Gut" und "Böse".
  • Märchen sind (anders als Sagen) unabhängig von einer bestimmten Zeit oder einem bestimmten Ort.
  • In Märchen siegt fast immer das Gute, es gibt ein sogenanntes "Happy End".
Jacob und Wilhelm Grimm

Jacob and Wilhelm Grimm German Folklorists and Philologists (Bild: AllPosters)

15 interessante, wissenswerte und kuriose Fakten über die Gebrüder Grimm und ihre Märchen

  1. Die Gebrüder Grimm, das sind Jacob Ludwig Karl Grimm (1785-1863) und Wilhelm Carl Grimm (1786-1859), die Ältesten von neun Geschwistern einer Amtsmannsfamilie aus Hessen. Die Bezeichnung "Gebrüder Grimm" ("Brüder Grimm") haben Jacob und Wilhelm selbst gewählt, um so einen "Wiedererkennungsfaktor" für ihre Leser zu schaffen.

  2. Heute sind die Brüder Grimm nicht nur als Herausgeber der wohl bekanntesten Märchensammlung der Welt bekannt, sondern auch als Sprachwissenschaftler und "Gründungsväter der deutschen Philologie bzw. Germanistik" (Wikipedia).

  3. Gesammelt haben die Brüder Grimm ihre Märchen im eigenen bürgerlichen (hessischen) Umfeld. Beigetragen zur Märchensammlung haben u.a. Menschen wie die Bäuerin Dorothea Viehmann, aber auch bekannte literarische Persönlichkeiten wie die Dichterin Annette von Droste Hülshoff und deren Schwester.

  4. Einige der Grimmschen Märchen haben die Brüder Jacob und Wilhelm vermutlich selbst verfasst.

  5. Die Brüder Grimm interessierten sich für die deutsche Geschichte und die Ursprünge der deutschen Literatur: Mit ihrer Märchensammlung wollten sie dazu beitragen, deutsches Volksgut zu bewahren. Auch deutsche Sagen haben die beiden Brüder gesammelt und veröffentlicht - jedoch längst nicht so erfolgreich.

  6. Als "hessische Märchen" bezeichneten die Gebrüder Grimm ihre Geschichten: Dabei stammt eine ihrer wichtigsten Quellen, Dorothea Viehmann, aus einer Gastwirtsfamilie mit hugenottischen Wurzeln. Auch Märchen des französischen Märchendichters Charles Perrault haben die Grimms in ihre Sammlung übernommen.

  7. Gibt es etwas "typisches Deutsches" an den Grimmschen Märchen? - Märchen sind weder an eine Zeit noch an einen Ort gebunden (siehe Definition). "Typisch deutsch", so die Forscher und Experten, sei höchstens ein Schauplatz, der häufig in den Geschichten eine Rolle spielt: Der Wald.

  8. Die "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm umfassen 210 Geschichten - heute sind sie meist unter dem Namen "Grimms Märchen" oder "Grimmsche Märchen" bekannt.

  9. Zuerst dienten die Märchen der Brüder Grimm nicht als Kinderlektüre, sondern als eher derbe Unterhaltung für die unteren Volksschichten. Erst für spätere Auflagen wurden brisante Passagen (meist mit erotischem Unterton) verharmlost, allzu grausame Schilderungen gestrichen, christliche Moralvorstellungen in die Geschichten eingewebt.

  10. Die nächste Ausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" 1815 wurde von den Grimms ganz bewusst als "Erziehungsbuch" deklariert.

  11. Durch seine Bearbeitung der mündlich überlieferten Geschichten hat vor allem Wilhelm Grimm eine neue Märchengattung geschaffen: Die "Gattung Grimm" oder das Buchmärchen: Eine Mischung aus (mündlich überliefertem) Volksmärchen und dem sogenannten Kunstmärchen, bei dem es sich um "die Schöpfung eines Dichters oder Schriftstellers" handelt. 

  12. Inzwischen wurden die Grimmschen Märchen in mehr als 160 Sprachen übersetzt und die Original-Manuskripte der Gebrüder Grimm zum Weltdokumentenerbe der UNESCO erklärt: Dazu gehören "wertvolle Buchbestände (...) die das kollektive Gedächtnis der Menschen in den verschiedenen Ländern unserer Erde repräsentieren."

  13. Zum Verkaufsschlager und Weltbestseller wurden die Grimmschen Märchen erst nach dem Tod der beiden Herausgeber: Jacob und Wilhelm Grimm erlebten den großen Erfolg ihrer Märchensammlung nicht mehr.

  14. Viele der Märchenfassungen, die wir heute kennen, haben mit den Originaltexten aus der Grimmschen Märchensammlung kaum noch etwas gemeinsam.

  15. Nur etwa 40 Prozent aller Grimmschen Märchen beginnen mit der bekannten Eröffnung: "Es war einmal..."

Titelblatt einer in Berlin veröffentlichten Erstausgabe der Grimmschen Märchen

(Bild: AllPosters)

Bekannte und unbekannte Märchen der Gebrüder Grimm

Den "König Drosselbart", "Dornröschen", auch "Tischlein deck dich" oder natürlich "Hänsel und Gretel" kennt beinahe jeder:

Aber wie steht es mit anderen Märchen aus den "Kinder- und Hausmärchen" der Gebrüder Grimm: Zum Beispiel "Der Räuberbräutigam", "Die Bienenkönigin" oder "Die drei Glückskinder"?

Eine ausführliche Auflistung aller im ersten Band der Grimmschen Märchensammlung enthaltenen Geschichten bietet Wikipedia.

"Sterntaler"

Euer Lieblingsmärchen?

Gibt es ein bestimmtes (vielleicht eher unbekanntes) Märchen, das ihr empfehlen könnt?

Welches Märchenbuch sollte man unbedingt gelesen haben?

Kennt ihr moderne Märchenverfilmungen, die ihr sehenswert findet?

Meine drei persönlichen Tipps:

  • Wahrscheinlich kennt inzwischen jeder die tschechische Verfilmung vom Aschenputtel-Märchen: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" - einer der schönsten Märchenfilme, den es gibt.

  • Dieses Buch, auch eine originelle Version des Aschenputtel-Märchens, gehört zu den wenigen Fantasy-Romanen, die mir gut gefallen haben: "Ella, verzaubert" von Gail Carson Levine. (Den zugehörigen Film würde ich dagegen nicht empfehlen.)

  • Und noch ein Titel für erwachsene Leser: Eine sehr ansprechende Variante des König-Drosselbart-Märchens ist "Der Spielmann" von Ingrid Ganß. 

Michaela, am 19.05.2012
2 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
M. Steininger - Die Persönliche Note (Warum Märchen für Kinder so wichtig sind)
M. Steininger - Die Persönliche Note (Kinderbücher, die Kindern auch in 100 Jahren noch Spaß machen werden)
M. Steininger - Die Persönliche Note (15 Gründe, warum man Kindern mit Vorlesen so viel Gutes tun kann – ...)

Laden ...
Fehler!