Apokalypse statt Hochzeit?

Eigentlich sollte es der schönste Tag in Nina Kalenkows Leben werden: Alles ist für die Traumhochzeit mit ihrem Verlobten Max vorbereitet. Doch nachdem sie jede Nacht von grauenhaften Alpträumen geplagt wird, passiert das Unfassbare: Polizisten stürmen die Wohnung der beiden und verhaften Max wegen des Verdachts auf Terrorismus. Zurück bleibt eine entsetzte Nina, die einen noch größeren Schock verdauen muss als sie herausfindet, dass Max in Wahrheit Opfer einer Entführung wurde. Aber so schnell lässt sich eine Nina Kalenkow nicht entmutigen und augenblicklich beginnt sie mit den Nachforschungen.

Tatsächlich stößt sie auf eine heiße Spur, die sie - wieder einmal – auf die Fährte einer Verschwörung bringt. Rasch wird klar: Es geht nicht bloß um das Leben von Max, sondern um das Überleben der gesamten Menschheit, der eine Apokalypse ungeheuren Ausmaßes droht. Und nur Nina kann die Katastrophe noch verhindern …

Geheimakte Baphomets Fluch

Nach der "Geheimakte Tunguska" 2006 und dem etwas wirren "Geheimakte 2: Puritas Cordis" 2008, darf der Spieler 2012 zum dritten Mal die geheimen Akte von Nina Kalenkow und Max Gruber aufschlagen. Und bereits der Einstieg in das Abenteuer lässt wenig Gutes erahnen: Es gibt spannendere Anfangsszenarien als die anstehende Hochzeit zweier Protagonisten. Dennoch werden die Mühen der Produzenten ersichtlich, einen straffen Plot zu erzählen. Genau hierin liegt eines der großen Probleme des Spiels: Adventures leben nicht von einem spannenden Plot alleine, sondern müssen dem Spieler Zeit zum Luftholen und Schmunzeln geben.

Die Adventuregame-Serie "Baphomets Fluch" bestach nicht bloß durch einen mal mehr, mal weniger spannenden Plot. Der ganz große Spielspaß entwickelte sich aus den Konflikten der Figuren zueinander, köstlicher Situationskomik oder den vielen witzigen Dialogen. "Geheimakte 3" ist verglichen mit "Baphomets Fluch", aber auch anderen Genreklassikern wie "Runaway" viel zu ernsthaft konzipiert. Es mag widersinnig erscheinen, in einem Spiel, dessen Hintergrund eine drohende Apokalypse ist von "Spielspaß" zu sprechen. Tatsächlich gelten bei Adventuregames jedoch andere Regeln, wie eben jene, die Geschichte mit viel Augenzwinkern zu erzählen oder die Geduld des Spielers mitunter auf die Probe stellen zu können.

Etwas mehr Adventure, bitte!

Aus der Straffung des Plots, dem skurrile Nebenfiguren ebenso wie ausufernde Dialoge oder witzige Nebenhandlungen zum Opfer fallen, ergibt sich ein weiteres Problem: "Geheimakte 3" ist binnen weniger Stunden durchgespielt, was für ein Adventure dieses Kalibers viel zu kurz ist. Allerdings lädt die Optik auch nicht gerade zum Verweilen in dieser Welt ein. Die Hintergründe sind, wie schon bei den vorangegangenen Teilen, wunderschön gezeichnet, während sich die Figuren selbst immer noch so steif bewegen, als hätten sie den sprichwörtlichen Stock verschluckt. Verwunderlich ist dabei die sterile Leblosigkeit der Schauplätze. Wo in anderen, erheblich älteren Adventuregames die Straßen von vorbeifahrenden und hupenden Autos belebt sind, der Wind das Laub der Bäume zum Rascheln bringt oder Passanten des Weges gehen, herrscht in "Geheimakte 3" völlige Tristesse vor, was der Atmosphäre alles andere als zuträglich ist.

Positiv ist bei den Rätseln zu vermerken, dass sie allesamt logisch sind und keine abenteuerlich abstrusen Gedankengänge erfordern. Leider stellen viele davon keine echte Herausforderung dar und unterfordern geübte Spieler. Manche Schauplätze erweisen sich sogar als richtige Walkthroughs, bei denen die Lösungen für die Rätsel geradezu auf dem Silberteller serviert werden. Weniger eine Herausforderung als schlichtweg an den Nerven zerrend ist eine Rätselsequenz, in der Nina automatisch immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt, um ein und dasselbe Problem sukzessive zu lösen. Absurderweise besteht dieses Problem darin, einem alten Mann durch die völlig menschenleeren Straßen zu folgen, ohne von ihm nach wenigen Metern abgeschüttelt zu werden. Zwar kann man dem Rätsel Originalität nicht absprechen, sonderlich gut durchdacht wirkt es trotzdem nicht.

Fazit: Die "Geheimakte 3" fallen gegenüber den Vorgängern in jeglichem Punkt deutlich ab. So interessant die Story in ihrem Kern auch sein mag, kann sie über die humorlose und kalte Atmosphäre nicht hinwegtäuschen. Solche Spiele entstehen am Reißbrett, nicht aus der Überzeugung heraus, ein phantasievolles, amüsantes Adventure zu erstellen. Mit dem wohl unvermeidlichen vierten Teil kann es nur besser, spannender und witziger werden!

Nikakoi, am 21.04.2014
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Bildquelle:
Karin Scherbart (Sudoku einfach lösen - Varianten für Anfänger, Fortgeschrittene und...)

Autor seit 4 Jahren
59 Seiten
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