6 Tage im alten Jahr, 6 Tage im neuen Jahr

Zunächst einmal handelt es sich bei jedem dieser Tage um eine Rauhnacht. Es geht also nicht nur um die tatsächlichen Nächte, sondern vielmehr wird jeweils der komplette Tag als Nacht bezeichnet. Das kommt aus seiner keltischen Herkunft, nach der man sich zu dieser Jahreszeit um den Jahreswechsel in der Jahresnacht befindet. Daher sind alle Tage gleichzeitig Nächte.

Gleichzeitig sind die Rauhnächte eine Folge des Mondkalenders. Dieser umfasst 354 Tage, der Sonnenkalender hingegen 365. Damit beide Kalender aber nicht voneinander abweichen, müssen in den Mondkalender 11 bzw. 12 Tage eingeschoben werden, die sog. toten Tage. Sie befinden sich außerhalb des Mondkalenders.

Die Hälfte dieser toten Tage werden dem alten Jahr, die andere Hälfte dem neuen Jahr zugeschrieben.

Die wichtigsten Rauhnächte sind die Thomasnacht, die Heilige Nacht, Silvester und die Nacht zum Dreikönigstag. Um den finsteren Dämonen in den Rauhnächten ihre Macht zu nehmen, rückte man ihnen mit Räucherwerk zu Leibe, möglicherweise wurden die Rauhnächte deshalb auch als Rauchnächte bezeichnet.

Rauhnächte - Orakel und Weissagungen in mystischen Nächten

Jedem Tag bzw. jeder Rauhnacht wird dabei ein bestimmter Monat des kommenden Jahres zugeschrieben.

Beispielsweise steht die erste Rauhnacht für den Monat Januar, die zweite für den Februar usw. Diese Zuordnungen sollen die Grundlage für eine Art Orakel bilden, nach dem man Ereignisse des kommenden Jahres vorhersagen kann. Ein Ereignis, das in der vierten Rauhnacht eintritt, weist auf ein Ereignis im April hin, ein Ereignis in der neunten Nacht, auf eines im September, usw.

 

Im Volksglauben herrschte lange die mythologische Ansicht, dass in den Rauhnächten die Naturgesetze außer Kraft seien und damit die Grenzen zu anderen Welten besonders dünn sind.   Beschwörungen und Rituale in dieser Zeit sollen damit besonders erfolgversprechend sein. Auch soll es leichter sein, mit Verstorbenen in Kontakt zu treten.

Am dünnsten sollen die Grenzen zur Mitte der Rauhnächte sein, also zu Silvester. Der alte Volksglauben berichtet von der "wilden Jagd", die zu Silvester über den Himmel tobt und wo Geister, Dämonen und andere Seelen ihr Unwesen treiben. Die aus dem Brauchtum der Germanen und sogar aus vorgermanischer Zeit bekannte "wilde Jagd" fordert ebenfalls, dass man keinesfalls aus dem Fenster sehen und einen Blick auf das Unwesen erhaschen sollte. Vielleicht eine frühe Form einer Warnung, bei unwirtlichem Wetter nicht nach draußen zu gehen, wobei die Ängste der Bevölkerung vor heulenden Winterstürmen dem Glauben dienlich gewesen sein dürften. Möglicherweise ist daraus auch der Brauch entstanden, an Silvester Lärm zu machen, um die Geister zu vertreiben.

 

Weitere Rätselhaftigkeiten in den Rauhnächten

In den 12 Rauhnächten, besonders aber am Heiligabend, sollen auch die Tiere im Stall das Sprechen anfangen. Wer es allerdings hört, der stirbt kurz darauf. In anderen Varianten erzählen die Tiere einem Hausgeist, ob sie das Jahr über gut und anständig behandelt worden waren. Ist das nicht der Fall, so bestraft der Hausgeist den Besitzer des Tieres.

 

Wer als unverheiratete Frau sich zu den Rauhnächten auf einen Kreuzweg begibt, wird dort den zukünftigen Bräutigam sehen. Ansprechen durfte sie ihn jedoch nicht, da das ihren Tod bedeutet hätte.

 

Einen Blick auf den Zukünftigen sollen Frauen auch in der Thomasnacht erhaschen, wenn sie sich verkehrt herum ins Bett legen und zum heiligen Thomas beten. Oder sie legen Zettel unter ihr Kopfkissen, die sie jeden mit einem Namen beschrieben haben. Der Namenszettel, den sie am nächsten Morgen ziehen, wird auf den künftigen Bräutigam hinweisen.

 

Kinder, die während der Rauhnächte zur Welt kommen, sollen besonders magisch begabt sein. Sie sollen in die Zukunft schauen können, Verstorbene sehen können und Glück bringen.

 

Auch heute ist es in verschiedenen Gegenden noch so, dass während der Rauhnächte das Haus nicht geputzt werden darf und keine Wäsche gewaschen werden darf. Damit sollte verhindert werden, dass die "wilde Jagd" von der weißen Wäsche angelockt wird und sich dann in den gespannten Wäscheleinen verheddert. Heute nutzt man die Zeit zwischen den Jahren wohl eher für eine ruhige und besinnliche Zeit, in der die Hausfrau auch einmal von den Strapazen der Vorweihnachtszeit ausspannen kann.

Sophie1975, am 03.11.2012
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Bildquelle:
Heimo Cörlin (Frohes Fest: Texte für Weihnachtskarten)

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