Kreuzberg war schon immer ein Bezirk der Einwanderer

Im Jahre 2001 schlossen sich Friedrichshain und Kreuzberg zu einem Bezirk zusammen. 250.000 Menschen haben hier ihr Zuhause gefunden. Ein multikultureller Ort für Einwanderer aus allen Teilen der Welt.

In den 60 er Jahren zogen viele Einwanderer aus der Türkei nach Kreuzberg. Das Arbeiterviertel war noch vom Krieg mitgenommen, viele Häuser waren kaputt und unbewohnbar. In den 70 er und 80 er Jahren wurde der Wohnraum knapp und man begann alte leerstehende Häuser abzureißen, ganze Straßenzüge wurden plattgemacht. Es sollte Platz für Hochhäuser geschaffen werden. Deshalb gab es besonders in den 80 er Jahren massiven Widerstand der linken Szene. Sie bestand meist aus jungen Leuten, die aus Westdeutschland nach Berlin gekommen waren, weil sie frei leben wollten. Straßenschlachten mit der Polizei gehörten zum Alltag. Aber sie waren erfolgreich und der Senat begann damit Altbauten behutsam zu sanieren. Viele Hausbesetzer taten das in Eigenregie und durften in ihren Wohnungen bleiben.

Friedrichshain war vor der Wende ein Arbeiterbezirk, der über große Industrieflächen verfügte. Kurz nach der Wende kamen viele Hausbesetzer aus Westberlin und zogen in die alten unsanierten Häuser. Ab den 2000 er Jahren sanierte der Berliner Senat viele heruntergekommene Altbauten mit öffentlichen Geldern. Sie wurden danach an Menschen, die Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins waren, vergeben. Einige Altbauten wurden und werden luxussaniert durch private Eigentümer. Das öffentliche Sanierungsprogramm beendete Berlin im Jahre 2006.

Vermieter können sich ihre Mieter aussuchen

Noch vor ein paar Jahren mussten die Vermieter um Mieter kämpfen. Heute ist es genau umgekehrt. Selbst Gegenden in die früher niemand ziehen wollte, weil sie als Ghetto verschrien waren, sind mittlerweile so beliebt, dass sogar Provisionen kassiert werden.

Die vielen Sozialbauten oberhalb der Gitschiner Strraße, zwischen Halleschem Tor und Kotbusser Tor gelegen, war früher eine wenig gefragte Wohngegend. Noch vor drei Jahren konnten ALG 2 Empfänger problemlos eine Wohnung anmieten. Die Wohnungen dort wurden an Inhaber eines Wohnberechtigungsschein vergeben, sind im Laufe der Jahrzehnte ziemlich runtergewohnt und wurden selten saniert. Trotzdem wird in dieser Gegend nur noch ab 7 oder 8 Euro kalt neu vermietet. Für Geringverdiener ist das nicht mehr bezahlbar. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften GSW, WBM, GEWOBAG und Degewo haben wenig Interesse an Mietern, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind oder nur ein niedriges Gehalt haben. Von der Miete her, ist es für solche Leute zwar möglich eine Wohnung anzumieten, wenn sie bereit sind auf ein Zimmer zu verzichten. Aber das wissen sie Wohnungsbaugesellschaften zu verhindern, in dem sie behaupten, keine Wohnungen an mehr Personen als Zimmer, abzugeben. Das bekommt man dann gleich telefonisch mitgeteilt, noch bevor es zu einem Besichtigungstermin kommt. Als Begründung wird oft angegeben, die Mieter längerfristig binden zu wollen. Bei den immer weiter steigenden Mietpreisen eher unwahrscheinlich, dass Menschen gesteigertes Interesse an ständigen Wohnungswechseln zeigen.

Es gibt im Altbezirk Kreuzberg ein paar Wohnungen, die nur an Inhaber eines Wohnberechtigungsscheines vermietet werden. Allerdings nur an Personen die am oberen Ende der Einkommensgrenze für einen WBS liegen, andere können sich diese Wohnungen weder leisten und noch sind sie verwünschte Neumieter. ALG 2 Empfänger kommen da nie zum Zuge.

Eine Wohnungsbaugesellschaft, die an Menschen, die von staatlicher Unterstützung leben vermietet, ist die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Hier hat diese Personengruppe  vereinzelt die Möglichkeit, dass auf die Zimmer pro Personen Regelung verzichtet wird. Dann gibt es für sie die Chance eine Wohnung an einer stark befahrenen Straße, wie der Karl - Marx - Allee zu bekommen. Alternativ gibt es aber auch immer mal wieder Mietangebote von renovierungsbedürftigen Erdgeschosswohnungen.

Im Altbezirk Friedrichshain sieht die Lage etwas besser aus, aber auch hier muss man Geduld bei der Wohnungssuche mitbringen. Dort vergibt die Asum im Auftrag des Bezirksamtes WBS - Wohnungen an Bedürftige. Dabei haben ALG 2 Empfänger die Möglichkeit eine neue Wohnung zu finden. Nach der Wende wurden in Friedrichshain sehr viele Wohnungen mit staatlichem Geld saniert und der Bezirk erhielt ein Belegrecht, das heißt, der Vermieter darf nicht alleine über seine neuen Mieter entscheiden. Der Bezirk macht ihm Vorschläge und er muss zwischen drei Mietern auswählen. Eigentlich eine gute Sache. Jedoch versuchen besonders profitorientierte Hauseigentümer diese Regelung einfach zu umgehen.

In Friedrichshain gehören 75 % aller WBS - Wohnungen einer großen Immobilienfirma, für die es normal zu sein scheint, ihren staatlichen Pflichten nicht nachzukommen. Diese Firma vermietet einen Teil ihrer Wohnungen für 10 Euro pro qm kalt. Eine Zeit lang beauftragte sie eine Maklerfirma mit der Vergabe der Wohnungen, die kassierte dann natürlich noch eine saftige Provision. Damit hatte der Vermieter gleich mehrere vertragliche Vereinbarungen verletzt. Es gab mehrere Gerichtsprozesse mit dem Bezirk, die die Firma kaum in die Schranken weisen konnte.

Friedrichshain und Kreuzberg sind Szenekieze, die auf der Liste von Neuberlinern ganz oben stehen. Dementsprechend ist die Nachfrage nach günstigem Wohnraum groß.

Was kann die Politik für den Berliner Wohnungsmarkt tun und was passiert, wenn sie nichts tut?

Die Politik will in den nächsten Jahren verstärkt auf Neubau setzen. Es ist aber schon klar, dass das nicht ausreichen wird, zumal dabei immer nur eine kleine Anzahl an Wohnungen günstig vermietet werden kann, da Neubau zu teuer ist. Viel eher sollte man die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften in die Pflicht nehmen und sie müssten einen Teil ihrer Mietangebote an ALG 2 Empfänger und Geringverdiener zur Verfügung stellen. Im Moment scheinen diese alles mitnehmen zu wollen, was der Wohnungsmarkt hergibt.

Die Mietobergrenzen für Neuvermietung von Menschen, die von Grundsicherung leben, sollten regelmäßig der aktuellen Mietenentwicklung angepasst werden, was auch nicht geschieht.

Wenn die Politik in den nächsten Jahren nicht Schritte in diese Richtung unternimmt, wird es in den nächsten Jahren zu einer Ghettorisierung einiger Wohngegenden in Außenbezirken kommen. Um diesem entgegenzuwirken, wird der Senat viel Geld investieren müssen. Das Geld wird dann in den Erhalt und Ausbau des sozialen Hilfenetzwerkes, aus Jugendamt und anderen sozialen Einrichtungen, gehen. Es wird zum Ausbau der Zweiklassengesellschaft in Berlin kommen. Dabei würden von einer sozialen Durchmischung beide Seiten profitieren und sich positiv beeinflußen.

Vielleicht hofft der Berliner Senat aber auch, dass dieser Personenkreis komplett aus Berlin wegzieht. Das könnte sich positiv auf die Arbeitlosenquote auswirken, mit der sich der Senat dann schmücken kann. So funktioniert Politik auch!

Der Bezirk Friedrichshain - Kreuzberg ist immer noch politisch links. Die Linke und die Grünen haben das sagen und wollen die Verdrängung unterer sozialer Schichten in Eigenregie aufhalten. Deshalb dürfen Ferienwohnungen nicht mehr in normalem Wohnraum betrieben werden. Luxussaniert werden darf nur noch mit einer Genehmigung, die aber immer öfter abgelehnt wird. Außerdem versucht man Grundstücke an private Bauunternehmer abzugeben und diese dann zu der Vergabe von günstigem Wohnraum an Bedürftige zu verpflichten.

Wollen wir hoffen, dass dabei auch der Berliner Senat nachzieht!

 

Autor seit 4 Jahren
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