Eine Frage nach dem Weg wird George Stinney Jr. zum Verhängnis

Betty June Binnicker und Mary Emma Thames, 8 und 12 Jahre alt, fuhren am 23. März des Jahres 1944 mit ihren Fahrrädern die Straße in Alcolu entlang. Sie trafen auf ihrem Weg George Stinney Jr und dessen Schwester Katherine und fragten sie wo sie bestimmte Blumen finden könnten. Als beide verneinten und meinten sie wüssten es nicht, fuhren die beiden Mädchen weiter. Am nächsten Tag fand man die Leichen der beiden Mädchen mit eingeschlagenen Schädel im Wassergraben. Ein Eisenbahn-Nagel wurde in der Nähe gefunden und als Tatwaffe identifiziert. George Stinney Junior wurde ein paar Stunden später des Mordes angeklagt und verhaftet, da er vor dem Sherriff angegeben hatte, die Mädchen Tags zuvor getroffen zu haben.

George Stinney Jrs Hintergrund zur Zeit der Jim Crow Gesetze

George Stinney Jr wurde am 21. Oktober 1932 in South Caroline geboren und wurde im Alter von 14 Jahren am 16. Juni 1944, im Carolina State Penitentiary in Columbia, South Carolina am elektrischen Stuhl als einer der jüngsten Deliquenten der amerikanischen Geschichte hingerichtet. George Stinney Jr ist leider kein Einzelfall in den USA da laut Amnesty International zwischen 1994 und 2003 allein in den USA 12 Kinder hingerichtet wurden von weltweit belegbaren 20 Hinrichtungen. Bis zum Jahr 2005 führten die USA diese Liste der Hinrichtungen von Kindern an.

Er lebte als Afro-Aerikaner in Alcolu, South Carolina und wuchs in einer armen Familie in Alcolu, South Carolina auf. Seine Schwester Katherine Stinney Robinson erinnert sich an ihn als einen sehr guten Schüler mit künstlerischer Begabung welcher alle möglichen Dinge malen konnte. Während des gesamten (Schau)prozesses blieb er ruhig und gelassen. Die Gerichtsakten beschreiben ihn als kooperativ und die Beobachter merkten sein ausgeprägt höfliches Verhalten an.

Als Jim Crow Gesetze wurden umgangssprachlich jene Gesetze bezeichnet welche im Zeitraum von 1876 bis 1964 zur Rassentrennung von Bevölkerungsgruppen in den USA angewandt wurden. Es galt der Grundsatz "Getrennt aber Gleich" bezüglich so gut wie allen Dingen des öffentlichen und privaten Lebens. Das heißt es gab praktisch damals zwei Welten in den USA. Die Weiße und die Schwarze. Je nachdem in welche man hineingeboren wurde, bestimmte de facto dessen Schicksal und Laufbahn. Ein Afro-Amerikaner hatte zu jener Zeit kaum eine Chance auf beruflichen oder sozialen Aufstieg, da sie Menschen zweiter Klasse in jeder Hinsicht waren.

Verhaftung und Gerichtsverhandlung von George Stinney Jr.

Der rote Faden in diesem tragischen Fall waren Verfahrensfehler, Rassendiskriminierung, Verleumdung vom Anfang bis zum Todesurteil.

George Stinney beteiligte sich sofort bei der Suchaktion als bekannt wurde, dass die beiden weißen Kinder Betty June Binnicker und Mary Emma Thames vermisst wurden und gab beim zuständigen Sheriff an sie am selben Tag getroffen zu haben. Tags darauf wurden ihre Leichen gefunden.

Da es keine Tatzeugen oder verwertbare Spuren gab, bildete sich ein Lynchmob und es wurden wahllos Afro-Amerikaner verhaftet und verhört. George Stinney Jr wurde während er seine Hausaufgaben machte zu Hause aufgegriffen und in die Polizei-Station gezerrt, wobei zu beachten ist, dass dies zur Zeit der Jim Crow Gesetze geschah. Der Anklagegrund war die Bemerkung, dass er die Kinder zusammen mit seiner Schwester Tags zuvor getroffen hätte.

Er hatte ein Alibi für die Tatzeit. Seine Geschwister und seine Mutter konnten zwar beschwören, dass er gleich nach der Schule nach Hause kam und den Rest des Tages Hausaufgaben gemacht hatte, aber dies wurde von allen Seiten ignoriert.

Alleine in einem Verhörraum mit weißen Beamten wurde er über eine Stunde ohne Rechtsbeistand, ohne Eltern oder Zeugen verhört. George Stinney Jr legte während des Verhörs laut Aussagen der Polizeibeamten ein mündliches Geständnis ab, dass er die Kinder aus sexueller Begierde getötet hätte. Davor gab es noch ein anderes ebenso unbewiesenes Geständnis in der Variante, dass ihn die Kinder angegriffen hätten und er aus Notwehr gehandelt hätte.

Allerdings existieren von den Geständnissen keinerlei Aufzeichnungen und Beweise außer jener Aussage der Beamten und es steht das Gerücht im Raum, dass man ihm für das Geständnis Süßigkeiten angeboten hätte.

Der Lynchmob bekam Wind von diesem angeblichen Geständnis und der Junge musste zu seiner eigenen Sicherheit in einem Gefängnis in Columbia verlegt werden, ohne seine Eltern oder Geschwister gesehen zu haben oder überhaupt sehen zu dürfen. Seine Familie wurde noch am selben Tag faktisch aus der Stadt geworfen  ohne überhaupt ihre Habseligkeiten mitnehmen zu dürfen, unter Androhung ihres Lebens vertrieben

Das Gerichtsverfahren fand einen Monat und einen Tag nach dem Mord am 24. April statt, endete nach nur 2 Stunden mit dem Todesurteil von George Stinney Jr. Im Gerichtsaal war ebenso allein, da keine Afro-Amerikaner zugegen sein durften. Sein Anwalt berief, vermutlich aus politischen Erwägungen, keine Zeugen in den Zeugenstand und plädierte auf das Alter des jungen Mannes wohlweislich im Hinterkopf, dass man in South Carolina dieser Zeit mit 14 Jahren für seine Taten als voll verantwortlich und damit als Erwachsener galt. Vielleicht trug zu diesem Fehler der Verteidigung auch bei, dass sein vom Gericht gestellter Anwalt eigentlich beruflich ein Steuerberater war und kein Anwalt.

Der einzige Beweis für seinen angeblich verübten Doppelmord war einzige und allein dieses mündliche Geständnis. Das Alibi, welches im seine Familie geben konnte wurde ignoriert, da sie nicht als Zeugen einberufen worden waren. Die ausschließlich weißen Geschworenen brauchten lediglich 10 Minuten Beratungszeit um das Todesurteil zu verkünden.

George Stinney Jr verblieb während dieses ganzen Verfahrens ruhig, höflich und gelassen. Erst als das Todesurteil verlesen wurde reagierte er mit Panik und es wirkte als würde er erst jetzt verstehen, dass sein Leben verwirkt war.

Neue Beweise könnten George Stinney Jrs Namen reinwaschen

Der Anwalt Steve McKenzie ist der Hoffnung mithilfe von drei neuen Zeugen George Stinney Jr. ein Alibi verschaffen zu können und damit seine Unschuld zu beweisen. Im selben Atemzug merkt er zugleich an, dass der Mangel an verwertbaren Fakten die Neuverhandlung und Wiedereröffnung des Falls schwierig mache.

Der Aktivist George Frierson gibt bei Raw Story an er hätte damals in Alcolu gelebt und George Stinney Jrs wäre immer ein Thema des Stadtgesprächs in Alcolu gewesen. De facto wurde in diesen Gesprächen ein möglicher Täter genannt, welcher aber bereits verstorben ist und es wurde von seiner Familie ausgesagt, es hätte ein Geständnis am Totenbett gegeben. Er fügte noch hinzu, dass dieser mutmaßliche Täter einer bekannten, reichen, weißen Familie angehört hatte. Ein Angehöriger der Familie sei zudem ein Geschworener vor Gericht gewesen. Im Endeffekt allerdings hat das Opfer nichts davon, es brächte dem Opfer gar nichts, so Frierson.

Pleroma Studios Entertainment plant Kinofilm über George Stinney Jr.

"83 Days" lautet der Name des ersten Feature Films des Studios und will den Fall von George Stinney Jr. wiederaufleben lassen. Ray Brown, CEO und Produzent von Pleroma Studios berichtete der BowiePatch, dies seien Teile unserer Geschichte, welche niemals erzählt wurden, teilweise auch, weil der Staat South Carolina nicht wolle, dass diese erzählt werden und er hoffe damit George Stinney Junior eine Stimme geben zu können und er würde alles Menschenmögliche dafür tun.

Der Regisseur Charles Burnett ("Selma Lord Selma,”, "The Killer of Sheep”) unterschrieb für das Filmprojekt "83 Tage" als Co-Produzent, Regisseur, Co-Autor.

Die Hollywoodstars Angela Bassett und Viola Davis wurden für die Rolle von George Stinney Jrs Mutter in Betracht gezogen und kontaktiert, aber für die Rolle von George Stinney Jr ist noch nichts nach außen gedrungen.

"Carolina Skeletons"

„83 Tage: The Murder of George Stinney Jr.“ erscheint 2014

Pleroma vertiefte diese Nachforschungen sogar indem es Lokalhistoriker engagierte, welche den Drehbuchautoren bei ihrer Arbeit zur Seite stehen um die höchst mögliche Authentizität und Genauigkeit bei der Faktenlage und beim Film zu garantieren. Dir Filmdreh soll im Frühjahr 2013 beginnen und er solle im Laufe des Jahres 2014 in den Kino erscheinen.

„Carolina Skeletons“ basiert ebenso auf George Stinney Jrs Geschichte

Vor "83 Tage" gab es bereits andere Filmprojekte mit dieser Thematik von unfairen Prozessen und Gerichtsverhandlungen. Bereits 1991 entstand "Carolina Skeletons" mit Louis Glossett Jr, Bruce Dern und Melissa Leo in den Hauptrollen basierend auf dem gleichnamigen Roman von David Stout aus dem Jahre 1988. David Stout führte beim Schreiben des Romans umfangreiche Nachforschungen und Befragungen von damaligen Zeugen durch.

Die Regie führte John Erman und das Drehbuch schrieb Tracy Keenan Wynn. "Carolina Skeletons" basiert lose auf auf dem Fall von George Stinney Jr., welcher im Film Linus Bragg heißt und ebenso auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wird.  

Der Film schockierte durch die realistisch detailreich dargestellte Hinrichtungsszene des Teenagers, wo ihm sogar die Gesichtsmaske des elektrischen Stuhls vom Gesicht fällt, weil sie für einen Heranwachsenden zu groß ist.

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Jo Harrington, du hast meine dystopische Weltanschauung noch vertieft

Letzte Woche erreichte mich eine Mail von Jo Harrington und stupste mich mit der Nase auf diesen Fall und trat eine innere Lawine in mir los. Todesstrafe, ist sie jemals gerechtfertigt? Ich denke nein, da ich der Meinung bin, dass jeder irgendwann seine Rechnung präsentiert kriegt. Entweder in dieser Welt oder der Anderswelt. Mir läuft es kalt den Rücken herunter wie eiskalt Menschen sein können, wenn es um das Leben anderer geht.

Einen Menschen einfach so zum Tode verurteilen und seiner Rechte zu berauben spricht klar gegen das System, welches dazu da wäre eben diese zu wahren. Dieser Fall eines Teenagers ist für mich rational einfach unbegreiflich. Damals waren andere Zeiten gut, aber dass sogar laut Anmesty International im Jahr 2005 Kinder in den USA hingerichtet wurden unglaublich ist. In welcher Welt leben wir? Seit ich mein Soziologiestudium begonnen habe wird Geisteshaltung bezüglich unserer Gesellschaft immer dystopischer. Erst kommt das Fressen und dann die Moral wenn überhaupt. Es hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum etwas geändert. Ich schüttle den Kopf und frage mich was in einem Menschen vorgeht welcher ein Kind zum Tode verurteilt und damit Recht spricht.

Ist die Todesstrafe gerechtfertigt?
CADoerr, am 24.09.2012
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