Mäuseversuch belegt erstmals den Schaden des Rauchens - Der Kampf der Zigarettenindustrie beginnt

Im Dezember 1953 haben Wissenschaftler die Entdeckung gemacht, dass Rauchen zu Lungenkrebs führt. Der Versuch, der die Entdeckung bewies, bestand darin, dass eine Maus nachweislich gefärbte und krebserregende Lungen durch die Einführung von Tabak erhält.

Diese Studie ist in diversen populären Zeitschriften erschienen wie den New York Times, Readers Digest und dem Life Magazine.

Diese Schlagzeilen versetzte die Tabakindustrie in Panik. Es kam noch am Morgen der Veröffentlichung zu einem Treffen der Vier Zigarettenriesen American Tobacco, Benson and Hedges, Phillip Morris und U.S. Tobacco mit keiner weniger mächtigen Person als John Hill, dem Chef einer der mächtigsten PR-(Public relations) Firmen Amerikas.

Gemeinsam wurde das "Tobacco Industry Research Committee" gegründet. Dieses Forschungsinstitut, in welches viel Geld investiert wurde, diente lediglich der Verschleierung der gesundheitlichen Folgen des Rauchens. Offiziell hieß es, das Tobacco Industry Research Committee diene dazu, öffentliche Informationen über den Zigarettenkonsum liefern zu können.

Hitler wusste schon 1930 von den Folgen des Rauchens

Natürlich ist das Wissen keine Überraschung. Nationalsozialistische Wissenschaftler waren die ersten, die für das Dritte Reich entdeckten, dass Rauchen schädliche Folgen hat. Hitler hat verboten in seiner Anwesenheit zu rauchen. Dieses Wissen verschwand unter der politischen Assoziation zu den Nazis wieder.

Die Industrie bekämpft Feuer mit Feuer

Die Tabakkonzerne entschieden sich, die kürzlich veröffentlichten Fakten zu verschleiern, um nicht in einen schlechten Ruf zu geraten. Das taten sie so lange wie sie nur konnten, indem sie durch die gezielte Nachforschung und Infragestellung versuchten, die Forschungsergebnisse anders darstellen zu können.

Im Jahre 1953 begann durch Hinterfragung und erneute Forschung des Nachforschungsinstitutes eine "Debatte", ob Rauchen denn nun schädlich sei.

Hierbei wurden sehr interessante Wege gegangen:

Die Forscher hinterfragten die Ergebnisse, beispielsweise warum es jahrelange Kettenraucher gibt, die keine Schädigung durch das Rauchen erhalten haben, während es Lungenkrebspatienten gibt, die niemals in Kontakt mit Zigaretten gekommen sind. Sie stellten Fragen, zum Beispiel wieso in England die Rate an Lungenkrebs viermal höher als in Amerika war. 

Forscher des Tobacco Industry Research Committee stellten Gegenthesen über radioaktive Luft als Ursache von Lungenkrebs auf (es gibt tatsächlich Oxygen-15, einen radioaktiven Sauerstoff, der jedoch nicht in natürlicher Luft vorhanden ist). Somit wurde Wissenschaft mit Wissenschaft bekämpft. Viele dieser Fragen können wir bis heute nicht beantworten.

Letztendlich behaupteten die angeheuerten Wissenschaftler des Tobacco Industry Research Committee, dass es keinen Beweis für den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs oder anderen Krankheiten gäbe.

Was passiert, wenn sich die Wissenschaftler streiten?

Dank geschickter Pressearbeit hat es die Zigarettenindustrie 1953 geschafft, in den öffentlichen Medien eine "Balance" zwischen den Parteien Wissenschaft und Industrie herzustellen. Sowohl die unabhängigen Wissenschaftler als auch die Zigarettenfirmen und deren Forschungsinstitute hatten ein Mitspracherecht und dementsprechend einen fairen Redeanteil.  Eines ist hierbei zu beachten: In der Wissenschaft geht es anders zu als in der Politik. Es handelt sich nicht um Meinungen, die Wissenschaft dreht sich um Fakten und um Ergebnisse.

Durch diese eingefädelte wissenschaftliche Debatte wurden die Massen unsicher gemacht über die Resultate der einst veröffentlichten Studie, dass Rauchen zu Lungenkrebs führt.

Die Zigarettenindustrie versandte knapp 200.000 Exemplare ihrer selbst verfassten Studien an Doktoren, Medien und Politiker und Regisseure um diese über die Harmlosigkeit der Zigaretten "aufzuklären".

Einer der 14 Warnhinweise, die jede ...

Einer der 14 Warnhinweise, die jede Zigarette haben muss. (Bild: Alle 14 Warnhinweise auf http://www.rauchfrei.de/rauchen-warnhinweise.htm)

Unabhängige Forschung deutet auf andere Ergebnisse hin

Der U.S. Public Health Service bewies 1957 unabhängig von der Zigarettenindustrie erneut: Rauchen ist einer der größten Faktoren, der die Gefahr, an Lungenkrebs zu sterben, dramatisch erhöht.

1962 bewies das Royal College of Physicians in London das gleiche und ergänzte, dass Rauchen ein Grund für Bronchitis und wahrscheinlich auch für koronare Herzkrankheiten ist.

Diese Ergebnisse wurden wieder in populären Amerikanischen Zeitschriften, z.B. Reader`s Digest und Scientific American veröffentlicht.

Es ist natürlich kein Wunder, dass kurz darauf auch die Wissenschaftler der Tabakindustrie auch zum gleichem Ergebnis gekommen sind.

Es wurde dennoch weitergekämpft, Wissenschaft gegen Wissenschaft.

So wurde beispielsweise der Suchtfaktor des Nikotin von den Wissenschaftlern erstmals in den 60er Jahren entdeckt. Auch dieser inzwischen feststehende Fakt wurde von der Zigarettenindustrie bestritten. 1980 kam der Mainstream der Wissenschaftler auch zum Ergebniss, dass Nikotin abhängig macht. Erst in den 90er Jahren hat dies hat auch die Zigarettenindustrie eingeräumt.

Sicherlich wussten die Tabakkonzerne schon vorher vom Suchtfaktor der Zigarette so wie sie schon seit 1954 in internen Dokumenten die Schädigung der Lungen festgehalten haben.

In den 90er Jahren haben Tabakkonzerne Prozesse gegen Menschen verloren, die die Industrie wegen diverser Krankheiten, hauptsächlich Lungenkrebs angeklagt haben.

Merchants of Doubt - Dies ist meine Quellenangabe und gleichzeitig meine Empfelung
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Autor seit 5 Jahren
5 Seiten
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