Da werden Sie geholfen

Einer der ältesten, heute noch gebräuchlichen Werbesprüche ist: Haribo macht Kinder froh. Der Unternehmer Hans Riegel aus Bonn bemühte dafür allerdings keine teuren PR-Strategen. Angeblich kaufte er den Spruch 1935 einem durchreisenden Werbetexter ab. Preis: 20 Reichsmark. Der Zusatz "...und Erwachsene ebenso!" wurde hingegen erst 1962 ergänzt.

Verona Pooth, ehemals Feldbusch, machte in den 90er Jahren nicht nur durch eine schlüpfrige Fernsehsendung und die Kurzehe mit Dieter Bohlen Schlagzeilen. Geradezu legendär wurden auch ihre sprachlichen Unfälle, welche nach eigener Aussage jedoch lediglich der Aufregung geschuldet waren. Die Firma Telegate nutzte diesen Umstand 1997 erfolgreich aus. Für die Werbung der Telegate-Telefonauskunft ließ man Verona Feldbusch den bewusst falsch formulierten Satz sprechen: Da werden Sie geholfen.

Die zarteste Versuchung oder quadratisch, praktisch, gut?

Eher zufällig entstand auch der Slogan der Alfred Ritter GmbH: Quadratisch, praktisch, gut. Den Spruch gibt es zwar erst seit 1970, doch seine Grundlage ist bereits wesentlich älter. 1932 soll sich Firmengründerin Clara Ritter darüber geärgert haben, dass längliche Schokoladentafeln so zerbrechlich waren. Daraus entstand die bis heute quadratische Form der Ritter-Sport-Schokolade. Das "Sport" im Produktnamen rührt angeblich von der Nähe zum einem Stadion her, dessen Besucher diese Schokolade gern kauften. Die ab den 70er Jahren immer deutlicher werdende Unvereinbarkeit von Sport und Schokolade konnte der Slogan "Quadratisch, praktisch, gut" jedoch problemlos kaschieren.

Einen ähnlich rhetorischen Erfolg erzielte Konkurrent Milka mit der Aussage: "Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt!" Wer macht sich schon Gedanken darüber, dass die lila Milka-Kuh – sie hieß übrigens Adelheid – nicht wirklich der Inbegriff von Zartheit ist? Die "zarteste Versuchung" existierte bereits ab 1901 in der sperrigen Werbebotschaft: "Seit es die Versuchung der Schokolade gibt, erkennen Sie die zarteste Versuchung am lila Papier." Erst 1972 wurde der Slogan auf seine heutige, griffigere Form umgestellt.

Genial einfach – einfach genial

Manchmal werden auch einfache und geradezu naheliegende Sachverhalte zur Grundlage für einen Werbetext. So ist die Aussage "Der nächste Winter kommt bestimmt." keine wirkliche Überraschung. Dennoch gelang es damit 1960 einem Handelsunternehmen, den Absatz seiner Kohlebrennstoffe auch im Sommer zu sichern.

Der Haushaltsgerätehersteller AEG wiederum nutzte einfach sein Firmenkürzel und verkündete ab 1958: Aus Erfahrung gut. Einige Verbraucher glaubten seitdem, AEG sei tatsächlich eine Abkürzung des eingängigen Slogans. In Wahrheit verbarg sich hinter den drei Buchstaben jedoch seit 1883 der Name "Allgemeine Electrizitäts-Gesellschaft". Die Haushaltsgerätesparte wurde 1994 samt der Markenbezeichnung AEG an die schwedische Firma Electrolux verkauft, welche für einen anderen, inzwischen legendären Werbespruch bekannt wurde:

Verfehlte Werbeslogans

"Nothings sucks like Electrolux” titelte die Firma einst in einer Werbebotschaft und wunderte sich anschließend, dass Briten und Amerikaner darüber herzlich lachten. Natürlich lautet der Spruch korrekt übersetzt: "Nichts saugt wie ein Electrolux." Doch umgangssprachlich verwenden englische Muttersprachler das Wort "suck" eben auch im Sinne von "ätzend" oder "beschissen"...

Solcherlei peinliche Sprachkreationen sind in der Werbewelt keineswegs selten. In den 70er Jahren überlebte ein Werbespot des Unternehmens Wang im australischen Fernsehen nur einen Tag. Die kurze Botschaft lautete: "Wang cares" und klang damit verdächtig nach "Wanker", was soviel wie Wichser bedeutet.

Als Mazda 1999 das Modell Laputa auf den Markt brachte, lautete das Versprechen: "Laputa bietet auf engstem Raum größten Nutzen und sorgt für eine sanfte, komfortable Fortbewegung." Da in spanischsprachigen Ländern der Begriff la puta jedoch eine Prostituierte bezeichnet, bekam der Werbetext plötzlich einen gänzlich anderen Sinn.

Paradox und fragwürdig

Doch auch sehr erfolgreiche Werbebotschaften beinhalten bei näherer Betrachtung einige Kuriositäten. Wenn beispielsweise Ikea fragt "Wohnst du noch, oder lebst du schon?", darf man schon einmal gegenfragen, ob Massenware und Einheitsdesign wirklich ein Plus an Wohn- und Lebenskultur bedeuten.

Auch Gilette erklärte ab 1990, seine Produkte wären "für das Beste im Mann". Über die Frage, ob Behaarung wirklich der entscheidende Qualitätsfaktor des Mannes ist, mag man(n) sich ja noch streiten. Auf jeden Fall aber scheint fraglich, wieso sich dieses Beste ausgerechnet im Mann befinden soll, obwohl Gilette-Produkte doch eher zur äußerlichen Anwendung vorgesehen sind. Zur Ehrenrettung des Herstellers sei aber gesagt, dass der englische Originaltext lautet: The best a man can get (Das Beste, was ein Mann bekommen kann).

Immer noch sehr bekannt ist auch der 1962 entworfene Werbeslogan für den VW Käfer: "Er läuft und läuft und läuft..." Tatsächlich lief das Auto bis 2003 vom Band. Ansonsten aber ist es sprachlich paradox, dass ausgerechnet ein Fahrzeug läuft. Ähnliches verhält es sich mit dem Toyota Aygo, dessen Modellbezeichnung eben gerade nicht ans Fahren erinnert…

Toyota bewarb sein innovatives Image im Übrigen lange Zeit recht gut mit dem Slogan: Nichts ist unmöglich. Angesichts einer extremen Pannenserie und der darauf folgenden Rückrufaktion im Jahr 2010 lässt sich Toyotas Werbespruch mittlerweile jedoch auch weniger schmeichelhaft auslegen ...

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