Gewalt - was ist das?

Gewalt regelt Machtverhältnisse, entscheidet über Herrschaft und Unterordnung und zeigt, wer der überlegene Part ist. Wir stehen vor dem Problem, dass Gewalt durch staatliche Gesetze sanktioniert wird, gleichzeitig aber notwendig ist, um bestehende Verhältnisse beibehalten zu können. Männer profitieren hiervon sowohl emotional als auch wirtschaftlich. Man kann Gewalt im Grunde aus zwei Perspektiven heraus betrachten. Einerseits kann man sie alt etwas sehen, das nicht auf spezifische Praktiken begrenzt werden kann. Sie ist lediglich in Bezugnahme auf die aktuell vorherrschende Organisation der Gesellschaft bestimmbar. Genauso gut kann man sie jedoch aus dem Blickwinkel der Opfer heraus betrachten, indem man sich nicht von den Wirkungen von Gewalt und somit vom Leiden löst. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man Gewalt betrachtet, ist der jeweils andere Part unsichtbar. Dies bezeichnet man als sogenannte verdeckte Gewalt. Obwohl sie nicht erkennbar ist, hat sie dennoch eine zerstörerische Wirkung. Gewalt neutral zu bewerten, ist nicht möglich.

Gewalt - Ebenen von Machtverhältnissen

Man unterscheidet insgesamt zwischen 3 Ebenen von Machtverhältnissen:

  • Sexismus

Unter dem Begriff Sexismus ist eine Reihe von Aktionen der Frauendiskriminierung gemeint. Diese kann sich auf vielfältige Art und Weise zeigen. Sie reicht von abwertenden Bemerkungen Frauen gegenüber über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bis hin zum Mord. Frauen werden im Rahmen des Sexismus im Vergleich zu Männern auf eine ungerechte Art und Weise ungleich behandelt. Die umgekehrte Form (dass Frauen Männer unterdrücken) ist nur in Einzelfällen möglich, denn im Gegensatz zu Frauen ist Männern die Unterstützung in ihren diskriminierenden Handlungen durch Institutionen, Rituale, Gesetze, Bräuche etc. sicher.

  • Patriarchalismus

Darunter versteht man eine Struktur, die Männlichkeit positiv und Weiblichkeit negativ bewertet. Er ist dafür verantwortlich, dass gleiche Verhaltensweisen bei Frauen ganz anders gedeutet werden als bei Männern. Patriarchale Strukturen sind historisch veränderbar

  • Phallozentrismus

Der Phallozentrismus fasst Repräsentationen beider Geschlechter zu einem Modell zusammen und stellt eine Untermauerung des Patriarchalismus dar, indem er lediglich das Maskuline als kongruent erachtet. Er ist es, der es Frauen nicht erlaubt, einen konzeptuellen Raum zu haben, eigenständige Interessen zu verfolgen und von Männern abweichende Ansichten zu entwickeln. Nach ihm sind Frauen entweder gleich wie Männer, gegenteilig oder ihr Komplementär. Etwas anderes gibt es nicht.

 

Gewalt von Männern ein Ende bereiten

Die Lösungen gegen Gewalt von Männern heißen Männerarbeit, Männlichkeitskritik und Bubenarbeit. Männerarbeit muss das Ziel haben, den Sexismus zu bekämpfen. Hierfür müssen Männer dazu in die Lage versetzt werden, in Widerstand zu gehen, sie müssen eingreifen, Tag für Tag. Man braucht hierfür ein hohes Maß an Zivilcourage, schließlich geht diese Art von Männlichkeitsarbeit mit einer Entsolidarisierung mit den anderen Männern einher. Nur dadurch ist es möglich, menschliches Leid zu verringern. Gleichzeitig erweist sich dies aber auch als schwierig, denn bei diesem Kampf gibt es kein Ende. Männlichkeitskritik dagegen bedeutet einerseits Kritik am Patriarchat und fordert von Männern, die Ziele der Frauenbewegung zu unterstützen. Ziel hiervon ist es, die strukturelle Ungleichheit von Männern und Frauen auszuschalten. Man kann überall dort tätig werden, wo Männer aktuell gerade ihren Sitz haben - allen voran in der Politik und in der Wirtschaft. Gleichzeitig ist Männlichkeitskritik aber auch Phallozentrismuskritik.

Gewalt von Männern - Prävention

Eine gute Möglichkeit, um Gewalt von Männern zu bekämpfen besteht in der Bubenarbeit. Diese sollte einerseits antisexistisch aufgebaut sein. Das bedeutet, sie zeigt auf, dass sie gegen die typischen Ansichten hegemonialer Männlichkeit ist, welche Homophobie und Sexismus heraufbeschwört. Andererseits muss im Rahmen der Bubenarbeit Verhandlungsarbeit mit männlichen Identitäten gelehrt werden. Jungen sollten dazu ermuntert werden, auch andere Identitäten, als die, welche die Norm vorgibt, auszuprobieren. Ziel hiervon ist es, Stereotype und Fixierungen aufzulösen. Las but not least sollte sich Bubenarbeit auch auf die Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse konzentrieren. Ziel soll es sein, dass Frauen und Männer für gleiche Leistung gleich entlohnt werden und dass beide Geschlechter gleiche Chancen im Leben erhalten. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass Jungen lernen, Unterschiede zwischen den Geschlechtern einerseits und zwischen den Männlichkeiten und Weiblichkeiten untereinander anzuerkennen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es unser Ziel werden muss, uns nicht mehr auf vorgegebene hegemoniale Geschlechtszugehörigkeiten zu berufen, sondern neue Identitäten zu erfinden.

Autor seit 4 Jahren
119 Seiten
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