Gibraltar - an der Nahtstelle von zwei Kontinenten und zwei Meeren

Gibraltar

Seinen Namen bekam der Felsen vom arabischen Feldherrn Tarik, der 711 mit seinen Mauren von dort, dem "Djebel-el Tariq" - Felsen des Tarik, ausgesprochen "Dschebel" - nach Spanien übersetzte. Dummerweise wurde er zur Hilfe gerufen vom Westgotenkönig Roderich aufgrund eines kriegerischen Familienzwistes.

Im Anschluss verloren die Westgoten ihre Herrschaft, und die Mauren eroberten Spanien bis hoch nach Nordspanien. Die Mauren, die aber ein kulturell hochstehendes "AL Andalus" entwickelten, wurden erst 1492 endgültig vertrieben. Im Frieden von Utrecht 1714 kam Gibraltar zu den Briten, nachdem die Spanier im sogenannten Spanischen Erbfolgekrieg vernichtend geschlagen wurden. Immer wieder versuchten die Spanier, Gibraltar zurück zu erobern - ohne Erfolg. Es bleibt ihnen ein ewiger Stachel im Fleisch. Insbesondere die Andalusier an den Küsten, die klar sichtbar den steil aufragenden Felsen vor der Nase haben, regen sich über die britische Besatzung auf.

 

Zu Fuss über die Flughafenpiste ins Zentrum

 

So reagiert man von spanischer Seite aus mit Schikanen: Bei der Rückkehr aus Gibraltar werden beim Grenzübergang die Autos penibelst kontrolliert. Fast jedes zweite wird heraus gewunken und von oben bis unten von den spanischen Zollbeamten untersucht, was zu einem Riesenstau und langen Wartezeiten führt. Erst seit vorletztem Jahr gibt es wieder offiziell eine Start- und Landeerlaubnis für die spanische Iberia mit einem Direktflug zwischen dem Felsen und Madrid.

Gibraltar2Ein wichtiger Tipp ist daher für alle Besucher, die mit dem PKW anreisend: Diesen auf der spanischen Seite in La Linea parken und zu Fuss über die Grenze und den Flughafen gehen. Denn auch das ist einmalig wie so vieles in Gibraltar: Hin und wieder steht die Ampel auf rot nach der Grenze, dann muss man warten und es startet oder landet ein Flugzeug. Danach öffnen sich die Schranken wieder und man spaziert über die Lande- und Startbahn ins Zentrum hinüber mit der Main Street als Haupteinkaufszentrum. Die Startbahn ist naturgegeben nicht sehr lang und verfügt an beiden Enden über eine Rampe, die die Flugzeuge hinaus übers Meer katapultiert. Ganze 14 Zivilpiloten auf der Welt haben die Erlaubnis, auf diesem nicht einfachen Flughafen zu starten und zu landen.


Die Gibralteken sind ein selbstbewusstes Völkchen


Circa 30.000 Einwohner auf sechseinhalb Quadratkilometern zählt Gibraltar, zusätzlich bietet es 5.000 Spaniern Lohn und Brot, die täglich über die Grenze kommen zu ihrem Arbeitsplatz, ob in den vielen Banken oder als Hilfskräfte im Servicebereich. Gibraltar hat nicht nur ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung, ein eigenes stationiertes Militärregiment, einen eigenen Flughafen, das Pfund als Landeswährung, es hat auch Bewohner mit viel Selbstbewusstsein. Auf die Frage, ob sie eher als Gibralteken oder als Briten einzuordnen sind, erhält man spontan die Antwort: "Wir sind Gibralteken, aber wir sind stolz, Briten zu sein!"

 

Militärkapelle Gib

 Links: Die Regimentskapelle von Gibaltar

 

 

 Gibraltar steht Kopf


Wer weiß schon, dass Gibraltar eigentlich auf dem Kopf steht? Die jüngere Gesteinsschicht des Felsen liegt nämlich unter Wasser, die Spitze aber weist die älteste Formation auf! Man stelle sich vor, dass Gibraltar ein aus dem Urkontinent Gondwana abgesprengtes Teilchen ist, das durch die Bewegungen der tektonischen Platten lange umherdriftete, bis es vor Millionen von Jahren am europäischen Kontinent andockte. Die Gerüchte, dass durch ein unterirdisches Höhlensystem eine Verbindung zum afrikanischen Kontinent bestünde, wollen nicht verstummen, aber bisher wurde man nicht fündig.

Julie Fontaine, eine langjährige Fremdenführerin in Gibraltar, erzählt ihren Besuchern: "Man vermutet, dass die Affen, die vor langer Zeit aus Afrika herüber kamen, sich durch einen unterirdischen Gang wieder zum Sterben in die afrikanische Heimat zurückziehen, da man nie Kadaver von toten Affen auf Gibraltar findet". Heute sind die Affen auf Gibraltar, die ihm auch den Spitznamen "Affenfelsen" verliehen, fast zu einer Plage geworden. Sie sind so frech, durch offene Fenster in Wohnungen zu hüpfen auf der Suche nach Naschereien. Schuld daran sind auch die vielen Touristen, die verbotenerweise die Affen füttern. Es ist nicht ungefährlich, weil sie ernsthafte Krankheiten übertragen können, so putzig sie auch wirken.
Gerne wird Winston Churchill zitiert: "So lange noch ein Affe auf Gibraltar lebt, bleibt Gibraltar britisch." Die Spanier kommentieren, dass die Briten schon dafür sorgen werden, dass die afrikanischen Affen auf diesem Felsen, eine Attraktion Gibraltars, nicht verschwinden.

 

Bildnachweis: Gabriele Hefele (2), Alcaidesa Group

 

Arlequina, am 22.10.2011
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Bildquelle:
Reisefieber (Dezember in Goa, Indien)

Autor seit 5 Jahren
206 Seiten
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