Karl-Theodor zu Guttenberg ist nur ...

Karl-Theodor zu Guttenberg ist nur "vorerst gescheitert". Foto: Bundesregierung

"Vorerst gescheitert"

Karl-Theodor zu Guttenberg inszeniert sein Comeback. Mit dem Buch "Vorerst gescheitert" greift er Parteikollegen, Uni-Professoren und Medien an, die er als Schuldige für sein Scheitern deklariert. Er selbst sieht sich als Opfer. Geläutert scheint er nicht, im Gegenteil, er bestreitet weiterhin, dass die abgeschriebene Doktorarbeit eine bewusste Fläschung war. Nachfolgend eine Chronologie.

Guttenberg-Plagiat entstand durch bewusste Täuschung - Prüfungskommission teilt am 11. Mai 2011 ihr Ergebnis mit

Er war der Liebling der Nation. Viele sahen in Karl-Theodor zu Guttenberg den zukünftigen Bundeskanzler. Die Affäre um seine abgeschriebene Doktorarbeit hat die Blitzkarriere des smarten Barons abrupt beendet. Er erklärte am 1. März 2011 seinen Rücktritt als Bundesverteidigungsminister und legte alle politischen Ämter nieder. "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht", erklärte er zum Abschluss seiner Rücktrittsrede. Die Universität Bayreuth hatte eine Prüfungskommission eingesetzt, um zu klären, ob Guttenberg nur schlampig gearbeitet oder bewusst gefälscht hat. Bereits im Februar 2011 hatte ihm die Uni den Doktortitel aberkannt. Noch bis zuletzt hatte der Freiherr aus Franken versichert, er habe seine Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt. Das, obwohl im GuttenPlagWiki nachgewiesen hatte, dass mehr als 90 Prozent seiner Doktorarbeit abgeschrieben waren.

Uni Bayreuth fallt vernichtendes Urteil über Guttenbergs Doktorarbeit

Am 6. Mai 2011 wurde das Ergebnis der Prüfung bekannt gegeben: Der Ex-Verteidigungsminister hat bewusst getäuscht und wissentlich geistiges Eigentum Anderer für seine Zwecke abgekupfert. Am 11. Mai 2011 wurde der Prüfungsbericht der Uni Bayreuth in einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Einlassung zu Guttenbergs, er habe auf Grund des Drucks durch seine vielen Ämter und durch die Erwartungshaltung seiner Familie nicht genügend Sorgfalt walten lassen, wurde von der Kommission nicht anerkannt. Er habe auch seinen Doktorvater Peter Häberle nicht enttäuschen wollen, hatte Guttenberg angemerkt. Häberle trifft keine Schuld, wie die Prüfungskommission in ihrem Bericht anmerkt. Der Ex-Verteidungsminister habe die Plagiate geschickt verschleiert, so dass sie nicht aufgefallen seien. Eine vorsätzliche Täuschung sei dadurch klar erkennbar.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine Doktorarbeit vorsätzlich gefälscht

Angela Merkel und weitere Spitzenpolitiker der Union sprachen von einem politischen Neuanfang zu Guttenbergs, kaum dass er zurückgetreten war. Auch nach dem Bekanntwerden des Prüfresultats gibt es Stimmen aus CDU/CSU, die zu Guttenberg wieder auf der politischen Bühne sehen wollen.Wird er wie Phoenix aus der Asche empor steigen, wenn Gras über die Sache gewachsen ist? Wohl kaum, denn seine Reputation ist endgültig dahin. Mittlerweile ist es auf der Facebook-Plattform "Wir wollen Guttenberg zurück" sehr ruhig geworden. Die Zahl seiner Befürworter ist tief in den Keller gesunken. Laut einer Umfrage von Financial Times Deutschland am 11. Mai 2011 wollen nur noch 30 Prozent zu Guttenberg wieder in einem politischen Amt sehen. Rund 25.000 Stimmen waren abgegeben worden

Mehr als 100 Strafanzeigen gegen zu Guttenberg - Staatsanwaltschaft Hof ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Hof wird nun gegen den zurückgetretenden Verteidigungsminister ermitteln. Laut dpa wird dem ehemaligen Verteidigungsminister Untreue, Urheberrechtsverletzung und Titelmissbrauch vorgeworfen. Einer der Betroffenen, dessen Arbeit zu Guttenberg für seine Dissertation abgeschrieben hat, hat mittlerweile auch einen Strafantrag gestellt. Wird Karl-Theodor zu Guttenberg verurteilt, dann ist er vorbestraft, und es steht mehr als schlecht für einen politischen Neuanfang.

Karl-Theodor zu Guttenberg und die Macht der Medien

In seiner medial inszenierten Rücktrittsrede hatte zu Guttenberg den Medien ein gerüttelt Maß Schuld an der Entwicklung gegeben. Seit Bekanntwerden seiner plagiierten Dissertation hatte sie an Fahrt aufgenommen, und die Kritik an seiner Person riss nicht ab. Sie erreichte ihren Höhepunkt, als tausende von Wissenschaftlern einen offenen Brief unterzeichneten, in dem sie ihre Missbilligung ausdrückten und auch der Kanzlerin eine verbale Ohrfeige verpassten, die zu Guttenberg den Rücken gestärkt hatte.

Bevor es zu dem Crash gekommen war, hatte sich zu Guttenberg sehr gerne der Macht der Medien bedient, der er letztlich seine Popularität und Beliebtheit verdankte. Seinen Absturz hatte er selbst provoziert, indem er die Vorwürfe zunächst als "abstrus" abtat und scheibchenweise nur das bekannte, was ihm lückenlos nachgewiesen werden konnte. Vermutlich hätte er deutlich weniger Schaden genommen, wenn er frühzeitig die Reißleine gezogen und seinen Rücktritt erklärt hätte. Nämlich dann, als bekannt wurde, dass große Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben sind. Margot Käßmann hat es vorgemacht, wie es geht, umgehend einen Fehler einzugestehen und die Konsequenz daraus zu ziehen. Sie ist beliebter und anerkannter als je zuvor. Ihr stehen alle Wege offen, wieder Spitzenämter in der evangelischen Kirche zu übernehmen.

Guttenberg nimmt sich mit Stephanie und den Kindern eine Auszeit in den USA

Im Juni 2011 verdichteten sich die Gerüchte, dass Karl-Theodor zu Guttenberg zusammen mit seiner Familie einen längeren Auslandsauftenthalt in den USA oder in Großbritannien, in der Hauptstadt London, plant. Laut Medienberichten will der Freiherr mindestens für zwei Jahre Deutschland den Rücken kehren. Danach schließt er einen Wiedereinstieg in die Politik nicht aus, wie von den Medien kolportiert wird. Im September wurden die Gerüchte Realität. Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg kauften sich ein Haus in Connectiticut und zogen mit ihren Kindern in die USA. Allerdings plant die Familie einen Aufenthalt auf Zeit und will wieder nach Deutschland zurückkehren. Ein Comeback des ehemaligen Verteidigungsministers ist deshalb nicht auszuschließen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière findet kein wohl bestelltes Haus vor

Thomas de MaiziereThomas de Maizière wird neu...Zu Guttenbergs Nachfolger im Amt des Bundesverteidigungsministers wurde überraschend schnell gefunden. Thomas de Maizière, der bisherige Innenminister, hat dieses Ressort übernommen. Für ihn rückte der CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich - wie Guttenberg ein Franke - ins Innenministerium nach. Der sachliche und eher ruhig Maizière beklagte in der Tagesschau am 15. Mai 2011, dass er alles andere als ein wohl bestelltes Haus vorgefunden hat. Die Prognosen für die von zu Guttenberg eingeleitete Bundeswehrreform seien nicht realistisch und die Strukturen im Bundesverteidigungsministerium seien alles andere als geordnet. Die Schlagzeile in der Süddeutsche Zeitung am 16. Mai 2011 lautet: "Baustelle Bundeswehr - Der Chaos-Nachlass des Barons". 

Bildnachweis: Deutscher Bundestag/CDU/CSU.

Bastelei an einer Legendenbildung

Es wurde heftig daran gebastelt den Freiherrn zu Guttenberg zu einer Legende hochzustilisieren. Er selbst hat dies in seiner Rücktrittsrede eingeleitet. Für die Union kam der Rücktritt ihres Politistars äußerst ungelegen, denn gerade die CSU hatte ihm und seiner Popularität einen Stimmenzuwachs bei den Umfragen zu verdanken. So ist es nicht verwunderlich, dass Parteichef Seehofer sauer auf die Kollegen in der CDU war, die öffentlich Kritik an der Plagiatsaffäre übten. In einem Spiegel-Online-Kommentar hat Helmut Schäuble das zusammengefasst, was den politisch denkenden Menschen in der Bundesrepublik auf der Seele brennt.

Strafverfahren gegen zu Guttenberg eingestellt - Ex-Vertreidigungsminister muss 20.000 Euro an Kinderkrebshilfe zahlen

Nachdem Ende November 2011 klar war, dass Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiatsaffäre nicht weiter belangt wird und das Verfahren eingestellt wurde, gingen politische Beobachter davon aus, dass er zur Bundestagswahl 2013 wieder antreten wird. Doch er hat abgelehnt.

Mit "Vorerst gescheitert" Medienhype erzeugt - Das Interviewbuch von Giovanni di Lorenzo stürmt die Bestesellerlisten

Mit einer Geldstrafe von 20.000 Euro, die zu Guttenberg an die Kinderkrebshilfe zahlen muss, ist rein juristisch die Plagiatsaffäre beendet. Ein Betrag, den der schwer reiche Adelige aus der Portokasse zahlen kann. Nun stehen dem Ex-Verteidigungsminister die Türen für ein Comeback offen. Er selbst bastelt heftig daran. Mit seinen Buch "Vorerst gescheitert" wist er dabei, die Bestsellerlisten zu stürmen. In einem Interview mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo beharrt zu Guttenberg auf seiner Behauptung, er sei zu der Zeit als er seine Doktorarbeit geschrieben habe, überfordert gewesen, gesteht aber eine vorsätzliche Plagiatierung nicht ein.

Mit neuem Outfit, ohne Brille und ohne gegeeltes Haar, zeigt sich der Ex-Verteidigungsminister optisch verändert. Eine gleichzeitige Läuterung muss nicht unbedingt damit verbunden sein. Insofern gibt es ein Comeback für Karl-Theodor zu Guttenberg, von ihm selbst inszeniert.

GuttenPlag-Wiki ist ihm aber immer noch auf den Fersen und ging am 3. Dezember 2011 mit der Nachricht in die Öffentlichkeit, dass Karl-Theodor schon 2004 ein Plagiator war.

Glauben Sie, dass Karl-Theodor zu Guttenberg wieder in die Politik zurückkehrt?
Krimifreundin, am 02.03.2011
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